Motorrad Ducati XDiavel V4: Rasant aus dem Stand

Ducati stellt sein neues Muscle-Bike vor. Sein äußerst kräftiger V4 Grantourismo katapultiert die auffällige, langgestreckte XDiavel V4 rasant aus dem Stand.

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Ducati XDiavel V4

(Bild: Ducati)

Lesezeit: 6 Min.
Von
  • Ingo Gach
Inhaltsverzeichnis

Ducati stellt die neue XDiavel V4 vor. FrĂĽher nannte sich diese Art Motorräder in Anlehnung an die amerikanischen Muscle-Cars treffend Muscle-Bikes, heute tun sich die Hersteller schwer mit der Kategorisierung. Das erste Muscle-Bike war 1984 die Yamaha Vmax, die darauf ausgerichtet war, auf dem Boulevard möglichst schnell von der Ampel weg zu beschleunigen. DafĂĽr wurde ein mächtiger Motor in einen Rahmen gepflanzt, der nicht auf Handlichkeit, sondern nur auf stabilen Geradeauslauf getrimmt war. Diesem Konzept folgte bereits die Ducati Diavel – und noch mehr die XDiavel V4.

Es gab sie bereits mit einem V2-Motor, doch nun erhält sie den wesentlich kultivierten laufenden V4. Die X-Version der Diavel V4 ist niedriger, wodurch sie insgesamt langgestreckter wirkt. Der Effekt wird vor allem durch einen anders geformten Tank erreicht, obwohl er immer noch 20 Liter fasst, sowie durch eine tiefere Sitzbank. Der LED-Scheinwerfer ist geändert und die voluminösen Lufthutzen an den Seiten fallen weg, was die XDiavel schlanker erscheinen lässt.

Die Kühlerverkleidungen wirken jetzt dezenter, während der Bugspoiler etwas ausgefallener gestaltet wurde. Der Sitz ist weit auf den Tank gezogen und das Heck mit dem großen LED-Rücklicht kompakter. Auch wenn der Monocoque-Aluminiumrahmen identisch ist, sind die Blenden davor neu gezeichnet. Das Gleiche gilt für die Gussräder aus Aluminium mit fünfstrahligem Speichenstern.

Ducati XDiavel V4 I (8 Bilder)

Ducati bringt die neue XDiavel V4. Sie unterscheidet sich erheblich von der bereits bekannten Diavel V4. (Bild:

Ducati

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Die vorderen Blinker wurden vom Lenker verlagert und nahtlos unterhalb des Tank-Niveaus in die Verkleidung integriert. Vier Auspuffrohre aus Edelstahl münden versammelt ins Freie. Die Fußrasten sind – im Gegensatz zur Diavel V4 – weit vorn platziert, um die Beine lässig vorstrecken zu können. Gegen Aufpreis erhält der Käufer ein Kit, um die Rasten nach hinten zu verlegen. Die Soziusfußrasten sind nun an einem eigenen Träger montiert, was den Kniewinkel des Passagiers deutlich entspannt. Ein Haltegriff für den Sozius wird bei der XDiavel mitgeliefert und kann am Heck befestigt werden.

Zudem ist die Fahrwerkgeometrie neu ausgerichtet, der Radstand wächst von 1593 auf 1620 mm und die Upside-down-Gabel steht mit 61 Grad um drei Grad flacher, entsprechend ändert sich der Nachlauf von 112 auf 124 mm. Eine verbesserte Handlichkeit ist also nicht zu erwarten. Die Gabel mit ĂĽppigen 50 mm Durchmesser ist voll einstellbar, ebenso wie das hintere Federbein 120 und 145 mm Federweg versprechen guten Komfort. Den 1158 cm3 groĂźen V4 – von Ducati "Grantourismo" genannt – rĂĽhren die Ingenieure nicht an, einfach deshalb, weil der Motor mit 168 PS bei 10.750/min und 124 Nm Drehmoment schon reichlich Kraft bietet, die deutlich sanfter und kultivierter einsetzt als beim V2 der Vorgängerin. Er drĂĽckt schon ab knapp ĂĽber 3000/min bis zum Drehzahlbegrenzer bei 11.500/min stets mit ĂĽber 100 Nm Drehmoment. Der Motor verfĂĽgt ĂĽber eine den Rädern gegenläufige Kurbelwelle, um deren Kreiselkräfte teilweise auszugleichen. Das bringt beim Fahrstil der XDiavel-Käufer zwar nichts, wird aber von der Traditionsmarke in der MotoGP zur Verbesserung der Kurvenagilität eingesetzt und ist daher in der Technik der Diavel so angelegt. Trocken wiegt die XDiavel 229 kg, drei mehr als ihre Basis.

Ducati XDiavel V4 II (7 Bilder)

Die XDiavel V4 zeigt viel Hinterrad im 240er-Breitformat. (Bild:

Ducati

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Vorn rollt die XDiavel auf einem 120/70-17 – hinten auf einem fetten 240/45-17-Diablo Rosso III aus dem Haus Pirelli. SchlieĂźlich will die geballte Beschleunigungskraft auf den Boden ĂĽbertragen werden. Das Hinterrad wird von einer mächtigen Einarmschwinge gefĂĽhrt. Die Bremsen liefert Brembo zu, vorn montiert Ducati zwei radiale Stylema-Vierkolbenbremzangen mit 330 mm groĂźen Bremsscheiben und eine radiale Bremspumpe, hinten eine Zweikolben-Bremse mit 265-mm-Scheibe. Aufgrund des langen Radstands und ihrer Lastverteilung erreicht die Diavel erfahrungsgemäß sehr kurze Bremswege, unterstĂĽtzt vom Kurven-ABS.

Der Fahrer hockt auf nur 770 mm Höhe in der Sitzkuhle und hat seine FĂĽĂźe weit vorn auf den Rasten. Der Lenker reicht deutlich nach hinten, um den Oberkörper gerade zu lassen. Ganz neu ist das 6,9 Zoll groĂźe TFT-Display im Cockpit. Es hält reichlich Informationen bereit, soll auch bei ungĂĽnstigen Lichtverhältnissen gut ablesbar sein und ist per Bluetooth mit dem Smartphone kompatibel. Die XDiavel bietet serienmäßig drei Power-Modi "High, Medium und Low" sowie vier Fahrmodi "Sport, Touring, Urban und Wet". Sie hat eine schräglagenabhängige Schlupfregelung und ist als erstes Modell der Marke mit dem Ducati Quick Shift 2.0 ausgestattet. Auch wenn Ducati im Hinblick auf Höchstleistung den Motor nicht gerade auf Spritsparen ausgelegt hat, werden die beiden hinteren Zylinder bei sehr niedrigen Geschwindigkeiten und im Stand abgeschaltet. Zudem verfĂĽgt die XDiavel ĂĽber schlĂĽssellosen Zugang, Tempomat und Turn-by-turn-Navigation (via Smartphone).

Ducati verlangt 28.990 Euro fĂĽr die XDiavel, 1500 Euro mehr als fĂĽr die Diavel. Es stehen die Lackierungen Burning Red und Black Lava zur Auswahl, wobei letztere 300 Euro Aufpreis kostet. Im Zubehör finden sich reichlich Extras von der Renn-Auspuffanlage von Akrapovic (ohne StraĂźenzulassung) ĂĽber eine Trockenkupplung, viele Kohlefaser-Teile bis hin zu Koffern, um nur einige zu nennen. Bei der Wahl zwischen Diavel und XDiavel ist es letztlich eine Frage der persönlichen Neigung, ob der Fahrer seine FĂĽĂźe während der Fahrt vorn oder unter sich parken will. Wobei die XDiavel ihm wohl den eleganteren Auftritt beschert.