Netzbetreiber stornieren AuftrÀge bei BenQ Mobile
Die Zukunft von BenQ Mobile ist weiter ungewiss. Deutsche Netzbetreiber stornieren Bestellungen, und BenQ liefert keine Teile mehr. Der Betriebsrat rechnet in jedem Fall mit massivem Stellenabbau.
Die Zukunft von BenQ Mobile ist weiter ungewiss. Die deutschen Netzbetreiber T-Mobile und Vodafone haben Zeitungsberichten zufolge ihre Bestellungen bei dem insolventen Handyhersteller [1] auf Eis gelegt. Ein Sprecher von T-Mobile sagte laut dpa, nach der Insolvenz mĂŒssten Fragen wie Kundenservice und die Versorgung mit Ersatzteilen geklĂ€rt werden und bestĂ€tigte damit teilweise einen Bericht der Financial Times Deutschland (FTD) vom heutigen Mittwoch. Ziel sei aber, Handys von BenQ-Siemens weiter im Angebot zu halten. T-Mobile wolle dazu nun GesprĂ€che mit dem Insolvenzverwalter Martin Prager fĂŒhren. Der Bonner Netzbetreiber ist nach Angaben aus Branchenkreisen mit einigen hunderttausend verkauften GerĂ€ten einer der gröĂten Kunden von BenQ.
Nach den Informationen stoppte auch Vodafone seine Bestellungen bei BenQ. Ein Sprecher von Vodafone D2 sagte dazu: "Wir sind im GesprĂ€ch mit dem Insolvenzverwalter von BenQ." Der MĂŒnchner Mobilfunkanbieter O2 hat nach Angaben eines Sprechers keine Bestellungen storniert, will aber die weitere Entwicklung beobachten. Auch E-Plus fĂŒhrt GesprĂ€che mit BenQ Mobile ĂŒber eine gemeinsame Zukunft, erklĂ€rte eine Sprecherin. Offene Bestellungen gebe es derzeit nicht. Die DĂŒsseldorfer wollen die Handys des Herstellers unverĂ€ndert verkaufen und garantieren ihren Kunden bis auf Weiteres die volle GewĂ€hrleistung. Die Netzbetreiber sind als VerkĂ€ufer der GerĂ€te zwei Jahre zur GewĂ€hrleistung verpflichtet.
Zudem hat der Mutterkonzern BenQ die Lieferung von Baukomponenten und Ersatzteilen an die insolvente Tochter eingestellt. Mit den ausbleibenden Lieferungen und einem drohenden Wegfall wichtiger Netzbetreiber als Vertriebskanal wird es fĂŒr BenQ Mobile nicht einfacher, ein tragfĂ€higes Konzept fĂŒr die Zukunft zu finden. Im Unternehmen arbeite man an einer Lösung, Kundendienst und GewĂ€hrleistung auch im Falle einer Pleite sicherzustellen. Der vorlĂ€ufige Insolvenzverwalter will die Produktion zumindest bis Ende des Jahres fortsetzen. Wenn bis dahin kein Investor gefunden ist, droht dem Unternehmen das endgĂŒltige Aus. Nach EinschĂ€tzung der Betriebsratsvorsitzenden Susanne Hahlweg steht dem Unternehmen nun in jedem Fall ein massiver Stellenabbau bevor. Nur in verschlankter Form habe man nach EinschĂ€tzung des Insolvenzverwalters eine Chance, einen Investor zu finden.
Der Siemens-Konzern war wegen der Insolvenz der ehemaligen Mobilfunksparte massiv in die Kritik [2] geraten und hatte daraufhin Hilfe zugesagt. "Wir sind entsetzt, was BenQ tut", sagte Siemens-Chef Klaus Kleinfeld. "Wenn BenQ die Mitarbeiter im Regen stehen lĂ€sst, wollen wir tatkrĂ€ftig helfen." Siemens prĂŒft [3], inwieweit die noch offenen Raten der Mitgift fĂŒr BenQ direkt an die deutsche BenQ Mobile GmbH & Co. OHG gezahlt werden können, damit der vorlĂ€ufige Insolvenzverwalter mehr Masse fĂŒr die Aufrechterhaltung der Produktion hat. Der Konzern will auĂerdem die umstrittene Gehaltserhöhung [4] der VorstĂ€nde fĂŒr ein Jahr aussetzen und gibt die fĂŒnf Millionen Euro [5] in einen Hilfefonds. Die IG Metall kritisierte die geplanten HilfsmaĂnahmen. "Mit einem Nothilfefonds ist es bei weitem nicht getan [6]", sagte der nordrhein-westfĂ€lische IG-Metall-Bezirksleiter Detlef Wetzel. "10.000 Euro pro Kopf ersetzen keine ArbeitsplĂ€tze." Das sei noch nicht einmal ein Tropfen auf dem heiĂen Stein, sagte Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer.
Unterdessen ist Siemens weiter mit der PrĂŒfung möglicher rechtlicher Schritte gegen den Taiwaner BenQ-Konzern beschĂ€ftigt. Es gebe noch keine Ergebnisse, sagte ein Sprecher am heutigen Mittwoch in MĂŒnchen der dpa. Das Vertragswerk mĂŒsse genau analysiert werden. In Taiwan hatte es Spekulationen gegeben, Siemens wolle BenQ die Nutzung des Markennamens Siemens verbieten. Bei der Ăbernahme des Siemens-HandygeschĂ€fts vor einem Jahr hatte sich BenQ die Nutzungsrechte fĂŒr einen Zeitraum von fĂŒnf Jahren gesichert. Siemens fĂŒhlt sich durch BenQ getĂ€uscht. Der taiwanische Konzern habe bei der Ăbernahme der Sparte zugesagt, am Standort Deutschland langfristig festzuhalten. Unklar ist noch, inwieweit diese Zusagen in den VertrĂ€gen verankert wurden.
Siehe dazu auch:
- BenQ verteidigt Insolvenz der deutschen Handy-Tochter [7]
- IG Metall: BenQ-Nothilfefonds reicht nicht aus [8]
- Bayern will BenQ Mobile unterstĂŒtzen [9]
- Bericht: Siemens-Vorstand verzichtet auf 5 Millionen Euro [10]
- Siemens prĂŒft weitere Zahlungen an BenQ [11]
- Produktion bei BenQ Mobile soll fortgesetzt werden [12]
- Auch BenQ-Mobile-Tochter Inservio insolvent [13]
- Gewerkschaft sieht in BenQ-Mobile-Insolvenz einen "schmutzigen Trick" [14]
- BenQ Mobile hat Insolvenzantrag gestellt [15]
- BenQ Mobile: IG Metall sieht Siemens in der Verantwortung [16]
- BenQ-HandygeschÀft in Deutschland am Ende [17]
- Bericht: BenQ will Handyproduktion verkaufen [18]
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[3] https://www.heise.de/news/Siemens-prueft-weitere-Zahlungen-an-BenQ-167412.html
[4] https://www.heise.de/news/Siemens-will-Vorstandsgehaelter-kraeftig-erhoehen-163394.html
[5] https://www.heise.de/news/Bericht-Siemens-Vorstand-verzichtet-auf-5-Millionen-Euro-167510.html
[6] https://www.heise.de/news/IG-Metall-BenQ-Nothilfefonds-reicht-nicht-aus-167687.html
[7] https://www.heise.de/news/BenQ-verteidigt-Insolvenz-der-deutschen-Handytochter-167869.html
[8] https://www.heise.de/news/IG-Metall-BenQ-Nothilfefonds-reicht-nicht-aus-167687.html
[9] https://www.heise.de/news/Bayern-will-BenQ-Mobile-unterstuetzen-167560.html
[10] https://www.heise.de/news/Bericht-Siemens-Vorstand-verzichtet-auf-5-Millionen-Euro-167510.html
[11] https://www.heise.de/news/Siemens-prueft-weitere-Zahlungen-an-BenQ-167412.html
[12] https://www.heise.de/news/Produktion-bei-BenQ-Mobile-soll-fortgesetzt-werden-167162.html
[13] https://www.heise.de/news/Auch-BenQ-Mobile-Tochter-Inservio-insolvent-Update-167120.html
[14] https://www.heise.de/news/Gewerkschaft-sieht-in-BenQ-Mobile-Insolvenz-einen-schmutzigen-Trick-167031.html
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[18] https://www.heise.de/news/Bericht-BenQ-will-Handyproduktion-verkaufen-164334.html
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