Rover SD1: Last Gentleman standing
Chauffeurslimousine, die der Rover SD1 sein wollte, war das Fahrzeug enorm weich gefedert. Die forcierte Gangart lag dem Briten nicht. Zumal die Bremsen nicht mehr mit dem Wagen klar kamen. Vorne werkelten unbelüftete Scheiben-, hinten Trommelbremsen. Der Vorgänger besaß noch vier Scheibenbremsen.
So viel zur Theorie. In der Praxis funktionierte das Paket dann nur noch bedingt. Die Teile verschlissen zu schnell – auch und vor allem im Innenraum - und die Verarbeitung war miserabel. Bezeichnend für die gesamte Marke, ja vielleicht sogar die britische Autowirtschaft als solches, war der Dauertest von „Auto, Motor und Sport“. Deren Rover 2600 (also die Variante mit sechs Zylindern) ließ sich eines Tages nicht mehr starten. Der Grund war, dass eine Zylinderlaufbuchse nach unten gerutscht war und die Kurbelwelle blockierte. Kann passieren. Sollte aber nicht. Zumal der Motor eigentlich gar keine Laufbuchsen hätten haben sollte.
Gnadenschuss von Thatcher
Als Rover 1975 vom Staat gerettet wurde, legte der ein 1,5-Milliarden-Pfung schweres Sanierungspaket auf. Das Geld sollte die British Leyland Motor Corporation wieder global wettbewerbsfähig machen. Eine Säule des Programms war der amerikanische Markt. Der Rover SD1 erhielt 1980 eine (teure) Typenzulassung für die USA und ging dort in den Handel - 800 Exemplare wurden verkauft.
Margreth Thatcher beendete das Trauerspiel. Sie schrieb British Leyland einen knallharten Sparkurs vor, in dessen Umsetzung das Management ausgetauscht und Fabriken geschlossen wurden. Sie war es, die bei den Gewerkschaften auf den Tisch haute und sie entmachtete. Das Markengeflecht wurde aufgelöst. Bis auf Rover wurde praktisch alles eingestellt, ausgegliedert und verkauft.
Wirklich erfolgreich war das Vorgehen nur insofern, als das die direkten Kosten minimiert wurden. Zwischen 1975 und 1986 hatte die Regierung rund 10 Milliarden Pfund Sterling in British Leyland investieren müssen. Doch wirtschaftlich arbeiten konnte das Unternehmen im Anschluss immer noch nicht. Der Marktanteil auf dem Heimatmarkt war auf 15 Prozent eingebrochen und auf keinem ausländischen Markt war Rover in irgendeiner Nische Spitzenreiter, so dass noch nicht einmal die wenigen verbliebenen Fabriken ausgelastet waren.
Übrig geblieben sind zwei gute Pointen. Erstens die, dass Jaguar und Land Rover seit der Übernahme durch den indischen(!) Tata Konzern so erfolgreich sind wie nie zuvor. Und zweitens der Scherz, dass Thatchers berühmter Satz „I want my money back“, der Helmut Kohl einst den Zahn gezogen hatte, als Fundament für den Brexit verstanden werden kann. Aber das nimmt ihnen keiner: 1977 war der Rover SD1 das Auto des Jahres. (chlo)