Schwäbischer Panzerkreuzer: Mercedes S 600 Pullman Guard

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Im Jahr 1965 lebte der Bau gepanzerter Fahrzeuge bei Mercedes-Benz wieder auf: Auf Wunsch der Bundesregierung entstand eine gepanzerte Version des legendären 600ers der Baureihe W 100 für Staatsgäste. Der daraus resultierende 600 Pullman hatte einen erhöhten Dachaufsatz. Zwischen 1971 und 1993 nahmen 116 Staatsgäste im Fond des 600 Platz. Ein besonderes Detail entdeckt man beim Platz nehmen: Zwei orangefarbene Innenlichter sorgen dafür, dass der Teint der VIP-Insassen stets frisch und egsund wirkt.

Als 1970 nach Überfällen auf Diplomaten in Lateinamerika plötzlich großer Bedarf an Sonderschutzfahrzeugen entstand, bot Daimler-Benz mit gepanzerten Fahrzeugen des Typs 280 SEL 3.5 eine passende Antwort. Mit den terroristischen Aktivitäten der RAF in den 1970er Jahren wuchs der Bedarf abermals. Von den Achtzylindermodellen der Reihe W 116 (350 SE, 350 SEL, 450 SE und 450 SEL) baute Mercedes-Benz deshalb Sonderschutz-Varianten und lieferte sie an ausgesuchte Kunden, darunter staatliche Institutionen und Regierungen in Europa und Übersee. Auch alle folgenden S-Klasse-Generationen waren seitdem stets als Sonderschutz-Varianten erhältlich. Das gilt für die Limousinen der Baureihe 126 ebenso wie für die Fahrzeuge der Baureihen 140, 220 und die aktuelle Baureihe 221.

Eine Besonderheit waren und sind die Mercedes-Modelle der Päpste. Am bekanntesten ist das "Papamobil" auf Basis des 230 G mit seiner charakteristischen Plexiglas-Kanzel. Ursprünglich für den Deutschlandbesuch von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1980 konzipiert, erhielt das Fahrzeug nach dem Attentat auf den Kirchenführer im Jahr 1981 eine schusssichere Verglasung. Eine Geländeuntersetzung ermöglicht das Fahren in Schrittgeschwindigkeit, eine Klimaanlage sorgt für Komfort. Auffallend sind die vergoldeten Haltegriffe außen und der für den Papst vorgesehene Sitz, der einem Barhocker ähnelt. Desweiteren ergänzten ab 1985 zwei gepanzerte 500 SEL den Fuhrpark des Vatikan. Zwei Tage dauerte es, die Befestigungslöcher für das päpstliche Wappen in die C-Säule aus hoch legiertem Stahl zu bohren.