Second-Hand-Guide: So klappt der Gebrauchtkauf von Kameras und Objektiven
Seite 2: Alte Objektive an digitalen Systemkameras
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Gerade die Spiegellosen haben den Markt kräftig durcheinandergewirbelt. Besonders viele 35er und 50er Leica-M-Objektive werkeln heute an einer Sony Alpha oder der Fuji X-Serie. Das bewusstere Fotografieren und die hochwertige Mechanik der Objektive mit ihrem edlen Anfassgefühl machen Spaß. Wenn man sich auf die beliebtesten Leica-Brennweiten beschränkt, lässt sich das preislich auch noch ertragen. Und wenn nicht, haben Zeiss und Voigtländer auch noch feine, kleine Stücke zu bieten. Zeiss selbst hat es ja auch nicht viel anders gemacht und das Biogon 2,0/35 ZM sowie das Planar 2,0/50 ZM ohne größere Änderungen zur Loxia-Serie upgegradet.
Von Panasonic, Leica, Olympus und dem Fremdherstellern gibt es fĂĽr Micro-Four-Thirds zahlreiche Objektive, doch manch lichtstarkes Teleobjektiv, wie hier das 2,0/150, gibt es trotzdem nur gebraucht aus dem verblichenen Four-Thirds-Sortiment. Mit Adapter funktioniert der Autofokus an der E-M1 Mark II sehr flott.
Bevor aber die große Adapteritis losgeht, lohnt es, sich ein paar grundsätzliche Gedanken über die physikalisch-optischen Voraussetzungen zu machen. Zum Beispiel das Auflagemaß: Damit bezeichnet man den vom Kamerahersteller vorgesehenen Abstand zwischen Bildebene und Objektivbajonett. Ohne optische Verluste und aufwendige Zusatzlinsen funktioniert ein Adapter nur, wenn das Auflagemaß des Kameragehäuses geringer ist als das des Objektivs. Dementsprechend bekommt man an Sony E-, MFT-, Fuji X- und die meisten anderen spiegellosen Systemkameras mit ihren Auflagemaßen von rund 18 Millimetern nicht nur jedes Spiegelreflexobjektiv dran, sondern eben auch die in der Größe oft besser passenden Objektive für das Leica-M-Bajonett. Die wurden schließlich ja auch schon für eine Spiegellose konstruiert.
Allerdings ist es empfehlenswert, hier im starken Weitwinkelbereich ab 28 Millimetern abwärts erst einmal zu testen, ob die anvisierte Kombination optisch wirklich sinnvoll ist. Da nicht zuletzt aufgrund der verwendeten Mikrolinsen viele Sensoren mit schrägen Strahlen so ihre liebe Müh und Not haben, zeigt ein 25er dann plötzlich Randunschärfen, die auf Film nie zu sehen waren.
Bei Spiegelreflexkameras untereinander reicht der Platz dann meistens nicht für einen Adapter. Eine relativ häufige Ausnahme ist Canons EOS-Bajonett mit seinem vergleichsweise kurzen Auflagemaß, an dem durchaus auch zahlreiche Nikon- oder Leica-R-Objektive heimisch geworden sind. Doch was auch immer woran adaptiert wird, vor dem Bieten sollte jeder prüfen, wie er danach überhaupt scharfstellen will.
Spiegelreflexkameras ohne Liveview machen beim manuellen Fokussieren mit der serienmäßigen Einstellscheibe meistens nicht so richtig viel Spaß. Die in den 1970ern noch üblichen Schnittbildindikatoren sind ja als erstes weggefallen, als der Autofokus laufen lernte. Falls sich die Einstellscheibe heute noch wechseln lässt, ist man fein raus. Möglicherweise hilft da auch ein vertrauenswürdiger Drittanbieter.
Alte gegen neue Konstruktion: Links ist an der Fuji X-Pro2 das Bokeh-optimierte 1,2/56 APD im Einsatz. Aber Bokeh ist ja nichts neues, das konnte das Trioplan 2,8/100 aus Görlitz (rechts) schon vor 100 Jahren. So gut, dass es mittlerweile wieder aufgelegt wurde. Nur die Schärfe bei Offenblende ist immer noch ziemlich grausam … äh … schmeichlerisch.
Objektive als Wertanlage
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Der Markt hat durchaus seine Lieblinge. Olympus’ Zuiko-Objektive sind passend zur Spiegellosen schön klein. Und da Olympus seinerzeit schlicht ignoriert hat, dass der Film nicht so dolle war, sind die Objektive auch in Sachen Schärfe exzellent digital adaptierbar. Das 2,0/100 mm etwa kostet heute gebraucht mehr als vor 25 Jahren neu. Das 24er Shift dient schon fast als Wertanlage und das 2,8/180 ist angesichts seiner Kompaktheit eine spannende Alternative, auch für das Micro-Four-Thirds-System (MFT).
Apropos Wertanlage. Preislich ziehen gerade die jüngeren Leica-R-Objektive von 1996 bis 2006 kräftig an. Wer das 2,8/35-70 gleich bei der Veröffentlichung für 5000 D-Mark bestellt hat, kann heute bis zu 15.000 Euro dafür erlösen. Aber bevor jetzt alle angesichts der EZB-Politik in Photographica investieren – das ist sicherlich eine Ausnahme. Für seltene lichtstarke Stücke ist aber durchaus ein positiver Preistrend festzumachen. Nicht zuletzt, weil viele Filmer das Thema für sich entdeckt haben.
Komfort erhalten
Neben den etwas anstrengenden manuellen Adaptionen gibt es aber auch Exemplare, die den vollen Belichtungs- und Fokus-Komfort erhalten. Meist geschieht dies innerhalb des Systems, wie beim Sprung von Four-Thirds auf Micro-Four-Thirds oder dem Sony LA-EA4-Adapter, der gleich noch über einen teildurchlässigen Spiegel verfügt, um dem Autofokus Beine zu machen. Das ist aber für die neueren Sony Alphas schon fast übertrieben. Die Modelle, die schon Phasendetektoren auf dem Sensor verbaut haben, können auch mit einfacheren Adaptern schnell genug sein. Sogar bei Canon-Objektiven. Leider sind die einzigen MFT-Kameras mit Phasen-AF die Olympus OM-D E-M1 und die nachgefolgte Mark II. Mit den anderen Gehäusen ist der Autofokus eher langsam.
Damit gibt es einige großartige lichtstarke Objektive für diese Kameras nur noch auf dem Gebrauchtmarkt, wie beispielsweise das 2,0/35-100 oder das 2,0/150. Die hat Olympus nie in einer MFT-Version angeboten. Wenn es weniger als ein Drittel kostet, ist ein 2,8-3,5/50-200 SWD vielleicht sogar die schlauere Alternative zum neuen Leica 50-200, das sogar lichtschwächer ist.
Alte Objektive ohne Adapter
Aber selbst wenn man ganz ohne Adapter einfach ein Objektiv mit Canon-EOS-Anschluss an eine Canon EOS anschließen möchte, kann man gerade bei Fremdherstellern sein demotivierendes Wunder erleben. Bajonett ist nicht gleich Bajonett und Kontakt nicht gleich Kontakt. Die Kamerahersteller haben sich immer wieder bemüht, mit kleinen Gemeinheiten die Kompatibilität einzuschränken.
Mein Sigma 2,8/28-70 von 1999 fokussiert an einer neueren EOS einfach nicht mehr. Fraktionsvorsitzende sagen dazu "ätsch", doch Sigma hat mittlerweile mit einer Dockingstation eine Update-Möglichkeit geschaffen, um dem künftig nicht mehr hilflos ausgeliefert zu sein. Auch wenn das für ältere Objektive nichts mehr nützt.