Smog in Peking: „Wer hier lebt, muss viel ertragen“
China hat der Luftverschmutzung den Kampf angesagt. Trotzdem muss Peking an diesem Wochenende die höchste Smog-Alarmstufe „Rot“ verhängen. Die Hauptstädter sind genervt von den zu langsamen Verbesserungen
- Jörn Petring
- dpa
Die Luft wird in Peking so schlecht wie noch nie in diesem Jahr. Deswegen ist He Zhang an diesem Freitag schon früh auf den Beinen. Noch vor der Arbeit joggt er unter blauem Himmel durch den Chaoyang-Park. „Ich mache lieber abends Sport, aber ich wollte die letzten Stunden mit guter Luft genießen.“
Wie Millionen andere Pekinger hat der 35-Jährige am Vorabend im Wetterbericht gehört, dass sich die Luftqualität in den kommenden Tagen mal wieder drastisch verschlechtern wird. Sogar so sehr, dass Peking erstmals in diesem Jahr nicht nur die „blaue“ oder „gelbe“, sondern die höchste Smog-Alarmstufe „Rot“ verhängt hat.
Smog in Peking: „Wer hier lebt, muss viel ertragen“ (3 Bilder)

(Bild: 螺钉 CC BY-SA 3.0)
Die Bedrohung kommt per Luftfracht. Tatsächlich kletterten die Messwerte für gefährlichen Feinstaub am Freitag von Stunde zu Stunde in die Höhe und dichte Smog-Schwaden lösten die klare Luft vom Morgen ab. Wieder einmal stehen den Pekingern Tage bevor, in denen sie ihren Lebensrhythmus nach der dreckigen Luft ausrichten müssen. Dass Läufer He Zhang aus Angst um seine Gesundheit auf Sport verzichtet, ist dabei noch ein Luxusproblem.
Schulen und Kitas bleiben geschlossen
„Wo soll ich am Montag mein Kind lassen?“, fragt Zang Ying entsetzt. Der rote Alarm heißt, dass Kindergärten und Grundschulen geschlossen bleiben. Die Mutter, die auch berufstätig ist, wird versuchen, ihre vierjährige Tochter bei Verwandten unterzubringen.
Auch der Weg zur Arbeit wird komplizierter. Jedes zweite Auto ist während des Alarms aus dem Verkehr gezogen. An einem Tag dürfen Autos fahren, deren Kennzeichen mit einer geraden Ziffer endet. Am nächsten Tag sind die ungeraden Ziffern dran.
„Wer hier lebt, muss viel ertragen“, meint auch Li Anqi, die sich gerade im Supermarkt eine neue Atem-Maske gekauft hat, um sich auf die nächsten Tage vorzubereiten. Die Luft sei nicht mehr so schlecht wie noch vor ein paar Jahren. „Es muss aber noch viel passieren, damit Peking eine lebenswerte Stadt wird“, sagt die 27 Jahre alte Studentin.
Tatsächlich bewerten auch Experten die Fortschritte durchwachsen, die China im Kampf gegen die chronisch schlechte Luft macht. Als die Regierung vor zwei Jahren Reformen verkündete, war selbst Greenpeace zunächst voll des Lobes.