Trügerisches Hochgefühl – Neuzulassungen im Juni 2009
Im Juni stieg die Zahl der neu zugelassenen Pkw auf 427.111 Fahrzeuge, der mit Abstand höchste Monatswert seit Jahren. Doch nur Hersteller kleiner Autos können davon profitieren
- Gernot Goppelt
Hannover, 8. Juli 2009 – So langsam kann es einem unheimlich werden: Im Juni stieg die Zahl der neu zugelassenen Pkw auf 427.111, der mit Abstand höchste Monatswert seit Jahren. Die Gründe dafür haben sich natürlich nicht geändert. Im Juni kam offenbar das Geschäft mit der Abwrackprämie so richtig ins Rollen, schließlich liegen zwischen Bestellung und Auslieferung normalerweise mindestens sechs Wochen, manchmal noch mehr. Wer zum Beispiel wie Renault nicht auf die hohe Nachfrage eingestellt war, hatte eben Pech, da ging sicherlich manch einer in seiner Kaufbegeisterung zu einer anderen Marke. Dabei ist Renault/Dacia laut Statistik des Kraftfahrbundesamts nach wie vor stärkster Importeur in Deutschland.
Immer die Kleinen
Der Markt zeigt ein ähnliches Zerrbild wie bereits die letzten Monate: Die Neuzulassungen stiegen im Vergleich zum Juni 2008 um 124 Prozent an, Kleinwagen verbesserten sich um 79 Prozent, die Kompaktklasse immerhin noch um 27 Prozent. Allein diese drei Fahrzeugklassen machen derzeit 63 Prozent des Marktes aus. Darüber sieht es derzeit trostlos aus, was deutschen Herstellern nicht behagen kann. Die obere Mittelklasse verlor 18,5 Prozent, die Oberklasse 24 Prozent und Sportwagen 30 Prozent. So wundert es nicht, dass VW (+31,2 %), Opel (+29,8 %), Ford (+44 %) und Smart (8,0 %) profitieren konnten, die anderen deutschen Marken aber zum Teil deutlich rückläufig waren.
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Mithilfe der Abwrackprämie erreichten auch die Zulassungszahlen des Smart Fortwo neue Höhen. (Bild: Daimler)
Vielleicht birgt die derzeitige Schwäche der oberen Segmente aber auch ein Chance, sofern man nicht davon ausgehen muss, dass die Verluste überwiegend durch Wanderungsbewegungen zu untern Segmenten entstanden sind. Sollte die Wirtschaft nächstes Jahr mit etwas Glück wieder anziehen, gäbe es im klassischen „Dienstwagen“-Segment Nachholbedarf, während in den unteren Klassen der „Abwrackkater“ vorprogrammiert ist.