Wir tanken sehr

Ist es nicht unglaublich, wie Namensklänge oft haargenau in die Geschichte passen? Carl Benz, der Erfinder des Automobils, steht nämlich in keinem weiteren Zusammenhang mit Benzin, er heißt nur so gelungen. Der Name des Kraftstoffs kam über Umwege aus dem Arabischen

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Von
  • David Staretz
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Wien, 22. Dezember 2014 – Eines der schönsten Mirakel des automotiven Vorankommens ist, dass wir überschaubare, bezahlbare, fließende Substanzen in die vorgesehenen Öffnungen unserer Maschinen füllen und damit bis auf weiteres sorglos unserer Wege fahren. Was wäre, müsste man Benzin erst kleinhacken oder das Öl schälen? Gerade die Problematik rund um elektrifizierte Fahrzeuge und deren Reichweite führt uns vor Augen, was Benzin für ein besond'rer Saft ist.

Um nichts weniger skurril und zugleich versöhnlich mutet es an, dass auch unsere sorglosen Polster des Rollens, diese moderat aufgeblasenen, zart profilierten, dabei unglaublich belastbaren Gummireifen aus nämlich fossilem Ursprung stammen wie Benzin, Dieselkraftstoff oder Motoröl. Fossilien. Sie sind: für uns gestorben. Gerade die tumbste, toteste, erstarrteste Form des Lebens bringt nach einem erst Jahrmillionen, zuletzt nur wenige Tage dauernden Zyklus eine der lebendigsten Substanzen zustande, die der Mensch auf erlaubte Weise herstellen darf.

Wir tanken sehr (5 Bilder)

Was wäre, müsste man Benzin erst kleinhacken oder das Öl schälen?

(Bild: h/A Archiv (alle))

Ich meine, alles hat Grenzen und ich möchte nicht behaupten, dass mir Benzin gut schmeckt. (In den jugendlichen Autobasteljahren verkostete man manch Gläschen unfreiwillig, wenn man einer verstopften Benzinleitung auf die Spur kommen oder sonstwelche Transaktionen per Gummischlauch und Unterdruck vornehmen wollte.)

Benzin. Sobald man sich genauer damit auseinandersetzen möchte, wird das reichlich humorlos, es sei denn, man findet an Begriffen wie Kohlenwasserstoffe, Phenole, Alkene, Aromate etwas lustig. Aber einige Poesie steckt im Begriffe selbst, der sich auf unglaubliche Weise vom arabischen Begriff luban dschawi - "Weihrauch aus Java" bis zu uns gerettet hat. Nämlicher Weihrauch aus Java gelangte durch arabische Handelsbeziehungen mit Katalonien nach Europa. Mit dem Wegfall der ersten Silbe und der Änderung des ersten „a“ zu „e“ entstand im Italienischen benjuì, im Mittellateinischen benzoë, woraus sich das deutsche Wort Benzol entwickelte.

Im Jahr 1833 gelang Michael Faraday (ja, der mit dem Käfig) die Herstellung von Benzin, er nannte es damals bicarbure d'hydrogène, bevor es vom deutschen Chemiker Eilhard Mitscherlich in Benzin umgetauft wurde, sich wiederum auf das Benzoëharz beziehend, das er als chemische Ausgangsbasis zur Herstellung des Benzols heranzog. So.