Anleitung: HiFi-Verstärker restaurieren, Teil 1

Seite 3: Relais

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Manchmal fällt direkt nach dem Einschalten des Verstärkers ein Kanal aus oder ist viel zu leise und manchmal auch verzerrt. Ursache hierfür kann das in den meisten Geräten verbaute Lautsprecherrelais sein. Obwohl es sehr deutliche Auswirkungen auf die Klangwiedergabe haben kann, wird dieses Bauteil bei der Reinigung oftmals ausgelassen.

Reinigung

Profis löten vor der Reinigung die Bauteile aus und zerlegen diese. Die von Korrosion betroffenen Elemente baden sie in Isopropylalkohol. Eine weitere Möglichkeit ist ein Ultraschallbad. Diese Vorgehensweise reinigt zwar optimal, aber nicht jedes Poti oder jeder Schalter lässt sich anschließend problemlos wieder zusammensetzen. Dafür braucht man viel Erfahrung, Geschick und Übung. Einsteiger sollten diese Methode nur anwenden, falls die im Artikel beschriebene Behandlung keinen Erfolg gezeigt hat und sonst nur noch ein Austausch helfen würde.

Ein zerlegtes Potentiometer: Besonders empfindlich sind die Kohlebahn (unten links) und der Schleiferkontakt (unten rechts). Zum Zerlegen wurden die Metalllaschen der RĂĽckseite (oben rechts) hochgebogen.

Seit den späten 70er Jahren werden in Verstärkern Relais verwendet, die zum Schutz der Lautsprecher und der Endstufenelektronik dienen. Bei Überlast oder bei Störungen fallen die Relais ab und schalten den Lautsprecherausgang stumm. Bei normalem Betrieb sollte das Relais kurz nach dem Einschalten anziehen und die Tonwiedergabe aus beiden Lautsprechern erfolgen. Tritt stattdessen der Fall ein, dass beispielsweise ein Kanal leise und verzerrt ist und dieser Fehler beim Aufdrehen der Lautstärke verschwindet oder geringer wird, dann sollte man sich das Relais genauer anschauen.

Ein Relais besteht aus einer Spule mit Eisenkern, einem Anker und Kontaktfedern. Bei den Kontakten unterscheidet man zwischen Ă–ffner und SchlieĂźer. Werden beide Funktionen erfĂĽllt, so handelt es sich um einen Wechsler. Wenn ein Strom durch die Spule flieĂźt, so fĂĽhrt dies zum Aufbau eines Magnetfelds. Der Anker wird daraufhin vom Eisenkern der Spule angezogen und drĂĽckt mechanisch die Kontaktfedern zusammen.

Lautsprecherrelais zur Leiterplattenmontage (Print) in verschiedenen AusfĂĽhrungen und von verschiedenen Herstellern.

Im eingebauten Zustand kann man das Relais durch leichtes Klopfen mit einem isolierten Gegenstand auf das Gehäuse prüfen. Die Tonwiedergabe darf sich hierbei nicht verändern. Wer ganz sichergehen will, lötet das Relais aus und hängt es an 12ˇV beziehungsweise 24ˇV eines Labornetzteiles.

Ein Lautsprecherrelais mit einem Übergangswiderstand von über 30 Ohm verursachte den fast vollständigen Ausfall eines Kanals bei einem Verstärker.

Alternativ kann man auch ein Steckernetzteil mit der entsprechenden Festspannung verwenden. Die Verbindung zwischen Netzteil und Relais stellt man am einfachsten durch Kabel mit Krokodilklemmen her. Die Polarität des Relais muss man hier nicht beachten. Mit einem Multimeter misst man den Übergangswiderstand der verwendeten Kontakte. Dieser muss sehr gering sein. Der Idealfall ist ein Wert von 0 Ohm.

Ein geöffnetes Relais mit zwei Schließerkontakten. Die Spule im Hintergrund erzeugt ein Magnetfeld, welches mechanisch die im Vordergrund zu erkennenden Schließerkontakte zusammendrückt.

Ab einem Alter von etwa 15 Jahren haben Relais leider meist Übergangswiderstände von etlichen Ohm. Wenn man bedenkt, dass dieser Kontakt in Reihe zu den niederohmigen Lautsprechern, die eine Impedanz von 4 oder 8 Ohm aufweisen, liegt, dann erklärt sich schnell das beschriebene Fehlerbild. Statt am Lautsprecher fällt die Signalspannung bereits am Relaiskontakt ab und das Signal wird nur noch leise wiedergegeben.

Falls man einen Ersatz für das Relais bekommen kann, lohnt sich eine Reparatur des Bauteils nicht. Ein neues Relais hält länger als ein gebrauchtes und arbeitet zuverlässiger. Für Relais, welche als Originalersatzteile verkauft werden, sind meist hohe Preise zu zahlen. Dies lohnt sich nur bei echten High-End-Geräten.

Günstiges, aber bewährtes Austauschrelais: Fujitsu-Takamisawa Typ FTR-F1

Es gibt aber auch günstige Alternativen. Beim Elektronikversender Reichelt werden beispielsweise Miniatur-Leistungsrelais ab etwa 1 Euro von Fujitsu-Takamisawa (Typ FTR-F1) angeboten. Diese passen in viele Verstärker und haben ein optimales Preis/Leistungsverhältnis. Selbst solch ein günstiges neues Relais arbeitet deutlich besser als ein altes Aufgebessertes. Dieser Ersatztyp wurde bereits erfolgreich in diversen Verstärkern und Receivern aus den 80er und 90er Jahren (u. a. Denon, Sony, Technics, Onkyo, Yamaha) verwendet.

Je älter der Verstärker, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass Steckverbindungen Kontaktprobleme verursachen. Mit der Anzahl der Kontakte steigt auch die Ausfallwahrscheinlichkeit.

Relais mit Goldkontakten sind teurer, aber nicht unbedingt besser geeignet. Der hauchdünne Goldbelag wird durch das Schalten des Verstärkers unter Last sehr schnell weggebrannt. Beim Kauf eines Ersatzteils muss man neben der Bauform auch die Spulenspannung (meist 12ˇV oder 24ˇV) und die Kontaktbelastbarkeit des Relais beachten. Diese sollte auf dem Originaltyp angegeben sein und ist abhängig von der abgegebenen Leistung des Verstärkers. Im Zweifelsfall verwendet man einen 8A-Typen und ist bei einem handelsüblichen Gerät auf der sicheren Seite. Vor dem Einbau muss man immer noch einmal genau prüfen, ob das Relais wirklich pinkompatibel ist. Ein Schließerkontakt zwischen dem rechten und linken Kanal beispielsweise hätte fatale Folgen.

Wenn man für ein Relais keinen Ersatz finden kann, so ist es möglich, Relais aus Geräten der 70er und 80er Jahre zu öffnen. Man kann dann versuchen, die Kontaktflächen vorsichtig mit Isopropylalkohol (reiner Alkohol aus der Apotheke) zu reinigen. Die oben aufgeführten Sprays darf man für ein Relais auf keinen Fall verwenden. Oftmals werden die Probleme allerdings nicht durch eine reine Verschmutzung oder Oxidation verursacht, sondern durch Kontaktabbrand. Dieser entsteht durch das häufige Schalten des Verstärkers bei nicht heruntergedrehter Lautstärke. Mit sehr feinem Schleifpapier kann man versuchen, die Kontakte aufzupolieren. Da die Legierungen von Relaiskontakten jedoch nur eine Dicke von circa einem Mikrometer haben, ist dies eine absolute Notlösung.