Ethernet unter Spannung
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Widerstände
Weder die Steckverbinder (RJ45) noch die Kabel (CAT3/5/7) sind für eine Übertragung von Strömen im Amperebereich ausgelegt. Dem trägt der Standard Rechnung, indem er eine relativ hohe Spannung (48 Volt) bei niedrigem Strom (maximal 350 Milliampere) vorschreibt. Durch den vergleichsweise kleinen Strom bleibt die Verlustleistung und damit die Wärmeentwicklung in den TP-Kabeln erträglich.
Höhere Ströme könnten in großen Kabelschächten zu Temperaturproblemen und an den Steckern wegen ihrer Kontaktwiderstände zu Beschädigungen führen. Die verwendeten 48 Volt erfüllen die Anforderungen an eine Schutzkleinspannung, und schädigen auch bei Berührung der offenen RJ45-Kontakte einen Menschen nicht. So ergibt sich eine maximale Speiseleistung von 15,4 Watt, von der bei einer zulässigen Kabellänge von 100 Metern typischerweise rund 13 Watt für den Verbraucher übrig bleiben.
Kabelsalat
Vollständige Twisted-Pair-Verkabelungen bestehen bei Ethernet aus vier Aderpaaren, also acht Leitungen, und finden in unterschiedlichen Netzen, wie 10BaseT, 100BaseT, Gigabit-Ethernet, aber auch bei ISDN Verwendung. Dabei nutzen nicht alle Systeme dieselben Adern (siehe Kasten [anchorlink pinbelegung]Pin-Belegung[/anchorlink]).
Power over Ethernet war anfangs nur fĂĽr Ethernet nach 10/100BaseT spezifiziert. Es sieht zwei verschiedene Varianten der Energieversorgung vor, wobei sich die Quelle aussuchen darf, welche sie verwendet. Der Abnehmer muss sich anpassen.
Bei der Phantomspeisung leiten die Datenadern (1/2 und 3/6) die Energie. Dabei muss der Geräteentwickler beachten, dass die Polarität nicht festgelegt ist und er eine passende Eingangsbeschaltung vorsieht. Die eigentliche Auskopplung ist unproblematisch, da Ethernet-Geräte Übertrager (Signaltransformatoren) für die Datenleitungen verwenden, um das Gerät galvanisch vom LAN zu trennen.
Diese Trennung hebt die PoE-Versorgung teilweise auf. Die Entwickler müssen sich hier selbst um etwaige Probleme kümmern. Die gefürchteten Masseschleifen dürften aber nur selten entstehen, da viele Geräte wie WLAN-Basisstationen und IP-Telefone dank PoE nur noch ein einziges Kabel benötigen.
Alternativ zur Phantomspeisung darf die Stromquelle auch die beiden ungenutzten Aderpaare (Spare Pairs, 4/5 und 7/8) nutzen. Beispielsweise versorgt sich der Access Point B-3000 von Zyxel ausschließlich so mit Strom, und arbeitet damit nicht normgemäß. Demgegenüber ist der AP L-54g von Lancom Systems standardkonform.
Die gleichzeitige Nutzung von Phantomspeisung und Spare Pairs ist explizit untersagt. Bei Gigabit-Ethernet funktioniert prinzipiell nur Phantomspeisung, denn 1000BaseT nutzt alle vier Aderpaare zur DatenĂĽbertragung.