Festplattenplatz via iSCSI

Seite 3: Booten via Netzwerk

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Mit dem vom Open-Source-Projekt Etherboot (www.etherboot.org) entwickelten Bootloader gPXE kann man die Windows-Betriebssysteme und auch Linux von einer iSCSI-Freigabe booten. So lässt sich ein flüsterleiser Client-PC ohne eingebaute Festplatte etwa im Wohnzimmer betreiben, der alle Daten aus dem lokalen Netz holt und dort ablegt. Die herkömmliche Netz-Boot-Technik PXE verlangt eine aufwendigere Infrastruktur und kann weder XP noch Vista Starthilfe leisten. Lediglich das Mini-Windows PE (Preinstallation Environment; siehe Notfall-Windows 2009) lässt sich via PXE hochfahren.

Unsere Versuche, mit gPXE einen Windows-PC ohne lokale Festplatte zu betreiben, waren erfolgreich: Zwischen zwei via Gigabit-Ethernet verkabelten Standard-PCs maßen wir unter Windows XP mit dem Festplatten-Benchmark h2benchw einen Durchsatz von knapp 48 MByte/s – schneller als so manche Notebook-Festplatte.

Vista hat bereits den iSCSI-Initiator an Bord, der die Verbindung zur Netzwerk-Festplatte herstellt. FĂĽr XP bietet Microsoft die Komponente zum Download an.

In ihrem Wiki (www.etherboot.org) geben die Etherboot-Entwickler detaillierte Hinweise, wie man ein bootfähiges Betriebssystem auf eine iSCSI-Freigabe bringt. Die nötigen Handgriffe sind dort für alle Windows-Systeme seit Windows 2000 bis zur aktuellen Betaversion von Windows 7 sowie für mehrere Linux-Varianten beschrieben. Wir zeigen im Folgenden, wie man einige Probleme löst, über die wir beim Nachspielen gestolpert sind.

Direkt auf einer iSCSI-Freigabe kann man weder XP noch Vista installieren, deshalb gilt es zunächst, eine Installation vorzubereiten und sie als Image auf den Server zu spielen. Unsere Versuche, ein Testsystem unter VMware aufzusetzen und das davon kopierte Image via iSCSI zu booten, waren fruchtlos – für die ersten Schritte ist es wichtig, das Windows-System auf der identischen Hardware zu installieren, die später übers Netz booten soll. Insbesondere muss dieselbe Netzwerkkarte installiert sein, über die der PC später sein Betriebssystem lädt.

Um Windows XP für das Booten via iSCSI vorzubereiten, installiert man eine spezielle bootfähige Version von Microsofts iSCSI-Initiator (siehe Link am Ende des Artikels). Dem herkömmlichen Initiator fehlen einige zum Booten nötige Dateien. Im Etherboot-Wiki ist für XP zusätzlich der "SAN Boot Configurator" erhältlich. Das darin enthaltene Batch-Skript setup.bat installiert einen weiteren Treiber und stellt die Netzwerktreiber in der Startreihenfolge nach vorne, sodass XP sie beim Systemstart früh genug aktiviert.

Für Windows Vista sind diese Vorarbeiten nicht nötig; der bootfähige iSCSI-Initiator ist hier bereits an Bord und zusätzliche Treiber braucht man nicht. Bei unseren Versuchen startete Vista aber nur dann reibungslos via iSCSI, wenn im Quellsystem die Netzwerkkarte bereits installiert war.