Festplattenplatz via iSCSI
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Boot-Image kopieren
Sind die Vorarbeiten erledigt, überträgt man das Betriebssystem-Image auf das iSCSI-Target. Die Etherboot-Entwickler empfehlen, dazu die physische Festplatte an den Server-PC anzuschließen und ihren Inhalt mit dem Befehl dd in eine Image-Datei zu kopieren. dd kann die Platte ab Sektor 0 samt ihres Master Boot Record kopieren, sodass sich das Image anschließend direkt als iSCSI-Target freigeben lässt. Das Quellsystem sollte dabei auf der ersten Partition liegen, dann genügt es – wie im Wiki beschrieben – mit dd vom Plattenanfang bis zum letzten Sektor der Partition zu kopieren.
Uns führte auch eine andere, deutlich bequemere Methode zum Ziel: Unter Windows kopierten wir das vorbereitete System zunächst im laufenden Betrieb mit der Software Drive Snapshot in eine Image-Datei. Die 30-Tage-Demo dieses Festplatten-Imagers reicht für diesen Zweck aus. Das Image spielten wir anschließend direkt auf das per iSCSI verbundene Laufwerk zurück. Mit XP klappt das reibungslos, solange der Quell-PC kein Multiboot-System mit mehreren Systempartitionen ist – auf diese Hürde gehen wir hier aber nicht ein.
Der Bootloader von Windows Vista reagiert zickiger auf eine geänderte Plattenkonfiguration. Während bei XP noch eine einfache Ziffer in der Datei boot.ini festlegt, von welcher Partition Windows startet, merkt sich Vista im kryptischen BCD-Store (Boot Configuration Data Store), auf welcher Festplatte seine Startpartition liegt und an welcher Position sie beginnt.
Die Platte identifiziert Vista dabei anhand ihrer Signatur, einem 8 Byte langen Wert, der im Master Boot Record hinterlegt ist. Damit Vista via Netzwerk bootet, muss das iSCSI-Laufwerk dieselbe Signatur wie die Quellfestplatte tragen. Drive Snapshot war es beim Zurückspielen auf das iSCSI-Laufwerk nicht gelungen, den BCD zu aktualisieren, und so beschwerte sich Vista beim iSCSI-Start mit der Fehlernummer 0x000000c, es könne die Datei winload.exe nicht finden. Der Start klappte, nachdem wir die Signatur des Ziellaufwerks der Quelle anglichen. Im laufenden Windows lässt sich das mit dem Kommandozeilenwerkzeug MbrFix bewerkstelligen: Zunächst liest man in der Datenträgerverwaltung die Datenträgernummern des Quelllaufwerks und des iSCSI-Laufwerks ab. Der Befehl
mbrfix /drive 0 readsignature
gibt die Signatur des Systemlaufwerks aus, die sich anschlieĂźend mit
mbrfix /drive [Datenträgernummer] writesignature [Signatur]
auf das iSCSI-Laufwerk übertragen lässt. Bevor Sie das auf die iSCSI-Freigabe geklonte Windows via Netzwerk starten, sollten Sie die Verbindung zur internen Festplatte trennen. Andernfalls könnte Windows, obwohl es via Netzwerk bootet, als Laufwerk C: wieder die Systempartition auf der Platte ansprechen, so wie es in der Registry des geklonten Systems unter HKEY_LOCAL_MACHINE/SYSTEM/MountedDevices hinterlegt ist. Wenn Windows XP aufgrund einer falschen Zuordnung sein Bootlaufwerk nicht findet, bleibt der Bootvorgang beim hellblauen Willkommen-Bildschirm stehen. Dann kann es helfen, die Registry des iSCSI-Systems von außen mit regedit zu bearbeiten und den Schlüssel MountedDevices komplett zu leeren.