Irgendwo da drauĂźen

Seite 4: GPS statt GSM

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Die Netzbetreiber haben offenbar kein allzu großes Interesse daran, ihre Netze aufwendig nachzurüsten, um eine genauere Lokalisierung der Geräte zu erreichen. Denn Handys mit integriertem GPS-Empfänger können ihren Standort auf wenige Meter genau feststellen. Dazu muss das Handy mit einem GPS-Empfänger und passender Software ausgestattet sein.

Bei den neu verkauften Geräten nimmt der Anteil der mit GPS ausgestatteten stetig zu. Bis solche Geräte im Gesamtbestand einen nennenswerten Anteil haben, dauert das aber einige Zeit. Kinder oder Senioren verwenden solch teure und aufwendige Geräte meist nicht. Außerdem ist ein Zugriff auf die GPS-Daten nur bei ausgehenden Rufen möglich; das Handy eines Vermissten lässt sich so nicht ausfindig machen.

Wenn ein Handy GPS beherrscht, kann es grundsätzlich die Standortdaten bei einem Notruf bereitstellen. Dazu benötigt es aber eine passende Applikation – und die gibt es nicht als Stand-alone-Lösung. Allianz Ortungsservices setzt auf Kooperationen mit kommerziellen Anbietern, die das Notruf-Modul in ihre Applikationen für Location Based Services einbetten. Bei einem Notruf kann der Disponent in der Rettungsleitstelle auf die Standortdaten zugreifen.

Das führt aber wiederum zu komplexen Anforderungen an das Ortungssystem und den Disponenten, der dieses nutzt. Denn Mobilfunk- und GPS-Empfang sind voneinander unabhängig. Wer nach einem Flug von München nach Hamburg sein Handy wieder einschaltet, kann sich sofort in die Mobilfunknetze einbuchen, da die Terminals hervorragend und dicht versorgt sind. Der GPS-Empfänger wird im Terminal und anschließend in der U- oder S-Bahn aber möglicherweise keinen Empfang haben. Deshalb werden alle Ortsangaben mit einem Zeitstempel versehen. Startet dieser Teilnehmer nun einen Notruf von einer U-Bahn-Station aus, sieht der Disponent in der Hamburger Rettungsleitstelle zwei Ortsbestimmungen. Der eine Datensatz ist auf wenige Meter genau, weist einen Standort am Münchner Flughafen aus und ist zwei Stunden alt. Der zweite Datensatz ist weniger genau, nämlich eine U-Bahn-Station in Hamburg, ist aber aktuell, denn er gibt an, welche Funkzelle gerade verwendet wird.

Es macht übrigens einen entscheidenden Unterschied, welche Notrufnummer man anwählt. Generell sollte man vom Handy aus immer die Notrufnummer 112 wählen, nicht nur wegen der erwähnten Priorisierung. Denn dieser Anruf läuft zur Rettungsleitstelle. Die 110 hingegen verbindet zur Polizei – und die unterliegt bei der Auswertung der Ortsinformationen Restriktionen. Schließlich ist Aufgabe der Polizei nicht nur die Hilfeleistung bei Notfällen, sondern auch die Kriminalitätsbekämpfung – also muss sie auf die möglichen Rechte von Verdächtigen Rücksicht nehmen. Bei der Rettungsleitstelle gibt es hingegen keinen solchen Aufgabenkonflikt, sie hat daher deutlich schnelleren Zugriff auf die Ortsdaten.

  1. Helmut Lorscheid, Allianz will Handys orten, Telepolis, 2009
  2. Christian Wölbert, Eine Notrufnummer für alle 27 EU-Länder , heise online-Newsticker, 2009
  3. Peter König, Ortsbestimmung, Personen und Geräte per GPS, Mobilfunk oder WLAN lokalisieren, heise mobil, 2009
  4. Tim Gerber, Zeitung: Pilotprojekt zur Handy-Ortung im Rettungswagen , heise online, 2009
  5. Stefan Krempl, Bundestag verabschiedet Gesetz gegen heimliche Handy-Ortung , heise online, 2009

(uma)