V-Modell XT an Unternehmen anpassen (Teil 1)
Seite 4: Rollenspiele
Besetzung der Hauptrollen
Als Nächstes definiert er die Rollen der Verantwortlichen und Mitwirkenden bei der Erstellung des Betriebshandbuchs. In der verantwortlichen Rolle agiert der technische Autor. Da diese Rolle im Vorgehensbaustein Systemerstellung schon vorgesehen ist, reicht es, sie zu referenzieren. Dann muss man noch den System- sowie den Softwarearchitekten auswählen, die an der Erstellung mitwirken. Im Anschluss ist das neue Produkt einer Produktgruppe zuzuweisen, in diesem Fall der gerade angelegten Gruppe Dokumentation. An dieser Stelle kann der Modellierer Entscheidungspunkte definieren, an denen das Produkt fertiggestellt sein soll. Außerdem muss er angeben, ob das Betriebshandbuch initial und/oder extern sein soll (siehe Kasten „V-Modell-Jargon“). Zu guter Letzt fügt er noch eine kurze Beschreibung hinzu.
Um das Produkt beziehungsweise seine Erzeugung im Projektplan zu berücksichtigen, benötigt man eine Aktivität, die das Betriebskonzept erstellt. Dafür ist eine Aktivitätsgruppe Dokumentation anzulegen (Nummer: 442). Unter dem Knoten Aktivitäten platziert der Zuständige die Aktivität Betriebshandbuch erstellen (Nummer: 444). Die Aktivität muss er einer Aktivitätsgruppe zuordnen und eine Beschreibung angeben. Wesentlich ist die Rubrik Produkt. Hier gibt man an, auf welches Produkt sich die Aktivität bezieht (hier das Betriebshandbuch). Bei der Generierung des Plans lässt sich die Aktivität dann als Planungsgröße heranziehen und in den initialen Projektplan aufnehmen.
Auf dieselbe Art wie Produkte, Aktivitäten und Gruppen werden Themen und gegebenenfalls Teilaktivitäten angegeben. Jedem dieser Elemente ordnet der Anwender Bezugsprodukte beziehungsweise Aktivitäten zu. Interessierte können das hier beschriebene fertig konfektionierte Beispiel von der iX-FTP-Site herunterladen (siehe Onlinequellen).
Produkte, Aktivitäten und verschiedene weitere Elemente sind nun angelegt. Die neuen Inhalte muss der Modellierer jetzt noch in das V-Modell „einhängen“, sodass sie später beim Tailoring auswählbar sind. Dazu gibt es zwei Konzepte: die Auswahlkriterien im Vorgehensbaustein und die Auswahllisten der Bausteine für die einzelnen Projekttypen (Abbildung 3).
Die Auswahlkriterien bestimmen, wann der Vorgehensbaustein SW-Dokumentation automatisch ausgewählt wird. Dazu muss einer der folgenden Punkte mit einem Häkchen versehen sein: AG/AN (Auftraggeber/Auftragnehmer) mit Unterauftragnehmer, AG/AN ohne Unterauftragnehmer, AN mit Unterauftragnehmer, AN ohne Unterauftragnehmer oder SW-System. Der Projektassistent prüft für jedes hinzugefügte Projektmerkmal, ob die Tailoring-Auswahl den Vorgaben eines Bausteins entspricht. Auf diese Weise lässt sich die Verwendung eines Vorgehensbausteins verpflichtend vorschreiben.
Danach muss der Anwender den Baustein noch mit den Projekttypen verknüpfen. In der Strukturanzeige öffnet er dafür den Knoten Projekttypen und trägt den Baustein in die Liste der optionalen Vorgehensbausteine ein. Dazu öffnet er die Konten der Projekttypen Systementwicklungsprojekt (AG), beziehungsweise (AG/AN), wählt das Element OptionaleVorgehensbausteine aus und referenziert den neuen Vorgehensbaustein.
Alle wesentlichen Schritte, die notwendig sind, das V-Modell mit eigenen Inhalten zu erweitern, sind nun vollzogen. Beim Tailoring lässt sich der neue Vorgehensbaustein verwenden.
Wer den Vorgehensbaustein SW-Dokumentation auswählt, übernimmt damit alle seine Inhalte in das projektspezifische V-Modell. Sämtliche Beschreibungen dieses Bausteins werden in die Dokumentation integriert. Die enthaltenen Produkte stehen ebenso für die Erzeugung von Produktvorlagen (Abbildung 4) zur Verfügung, sofern die Eigenschaft Produktvorlage auf ja gesetzt ist.
Der erste Teil der Anleitung führte durch alle wesentlichen Aspekte der inhaltlichen Erweiterungen des V-Modells. Zur Anpassung reichen die beschriebenen Mittel aus. Das Vorgehensmodell bietet eine eigene Durchführungsstrategie für die Einführung und Pflege einer organisationsspezifischen Variante an. Insbesondere mit der Anpassung von Ablauf- und Durchführungsplänen beschäftigt sich der zweite Teil.
Marco Kuhrmann und Ulrike Hammerschall
sind wissenschaftliche Mitarbeiter am Lehrstuhl von Prof. Dr. Manfred Broy an der TU MĂĽnchen.
Thomas Ternité
promoviert bei Prof. Dr. Andreas Rausch an der TU Clausthal.
Dr. Marc Sihling
ist Gründer und Geschäftsführer der 4Soft GmbH.
Literatur
[1] Dirk Niebuhr, Andreas Rausch; Vorgehensmodell; Neuer Glanz; Erfolgreiche Projekte mit dem V-Modell XT; iX 6/2005, S. 106
[2] Dirk Niebuhr, Marco Kuhrmann, Vorgehensmodell; Projekt-TĂśV, Erste Praxiserfahrungen mit dem V-Modell XT; iX 1/2006, S. 126
[3] Benjamin Poensgen, Bertram Bock; Function-Point-Analyse, dpunkt Verlag, Heidelberg 2005.
[4] Barry Boehm et al.; Software Cost Estimation with Cocomo II, Prentice Hall, 2000.