Vollwertige Linux-Distribution auf Chromebooks installieren
Seite 3: Installationsmethoden
RW_LEGACY vs. UEFI
Grundsätzlich startet der Bootloader nur das von Google signierte ChromeOS. Es gibt zwei Installations- beziehungsweise Startmethoden, um das zu ändern: RW_LEGACY und "(UEFI) Full ROM". Bei RW_LEGACY ersetzt das Firmware-Skript den Legacy-Modus der ChromeOS-Firmware durch einen angepassten Payload, sodass man eine Linux-Distribution parallel zu ChromeOS installieren kann. Vorteil: Man muss den Schreibschutz nicht überwinden und ChromeOS samt dessen Recovery-Modus bleibt intakt. Selbst wenn etwas schiefgeht, besteht keine Gefahr das Gerät unbrauchbar zu machen. Über den Wiederherstellungsmodus (in der Regel Esc+Reload+Einschaltknopf) und den erzeugten Recovery-Datenträger kann man alles wieder zurücksetzen. Der Nachteil: Werden die Geräte von Google nicht mehr unterstützt (End-of-Life, EOL), ist dieser Weg versperrt.
Für diese Geräte und wenn man ChromeOS gänzlich entfernen will, bietet sich die UEFI-Full-ROM-Variante an. Dieser Weg bietet zudem besseren Hardware-Support, etwa für Virtualisierung (VT-Erweiterung). Bei dieser Option ersetzt das Firmware-Skript die ChromeOS-Firmware gänzlich durch ein angepasstes Coreboot, welches über mehr Funktionen und zahlreiche Bugfixes verfügt. Bei der Einrichtung verlangt das Skript einen formatierten USB-Stick, um dort ein Backup der originalen ChromeOS-Firmware abzulegen (bei uns keine 20 MByte). Anschließend lässt sich über die MrChromebox-Firmware jedes UEFI-fähige Betriebssystem fast wie gewohnt installieren. Der Clou: Das Firmware-Skript läuft auch unter Linux und man kann von dort Coreboot und die Firmware aktualisieren oder wieder zu ChromeOS zurücksetzen.
Läuft aber bei der Firmware-Installation etwas schief, gibt es nicht den Rettungsschirm des Wiederherstellungsmodus. Bei etlichen Geräten hat man jedoch einen anderen Rettungsanker: Auf der linken USB-C-Buchse lässt sich ein Debugging-Modus aktivieren (Close Case Debugging, CCD) und darüber im Notfall von einem Linux-PC aus ein ROM-Image extern flashen. Das CCD muss man aber vorher einrichten und benötigt dafür eine Debugging-Platine oder ein Debug-Kabel (SuzyQ).
Wir haben eine SuzyQ-Platine für 6 US-Dollar auf eBay aus den USA gekauft. Hinzu kamen aber über 20 US-Dollar Versandkosten. Das SuzyQ ist außerdem praktisch, da man den Firmware-Schreibschutz entfernen kann, ohne das Chromebook aufzuschrauben ("Close Case"). Welche Modelle SuzyQ und CCD unterstützen, findet man in den Gerätelisten. Bei älteren Modellen hilft höchsten noch, den Flash-Chip mit einem CH341A-USB-Programmer neu zu beschreiben.
Will man für die ersten Schritte ein Linux-System im Dual-Boot neben ChromeOS installieren, muss man zunächst Platz schaffen und die persistente Datenpartition (stateful partition) verkleinern. Dafür stellt die Chrultrabook-Community das Skript "ChromeOS Automated Partitioning" bereit – abgekürzt unter dem vertrauensvollen Namen CRAP. Man kann zwar auch wie gewohnt bei der Linux-Installation die Partition verkleinern, aber unsere Testgeräte hatten zwölf Partitionen, wo man schnell den Überblick verliert und womit manch ein Installer auch nur bedingt klarkommt.
Empfohlen fĂĽr den Einsatz auf Chromebooks werden aktuelle Linux-Distributionen, wie Arch Linux, Fedora, openSUSE Tumbleweed oder Ubuntu 24.10. Der Linux-Kernel sollte Version 6.6 oder neuer sein, sonst gibt es Probleme durch fehlende Treiber. Bei GalliumOS, einer Linux-Distribution speziell fĂĽr Chromebooks, wurde die Weiterentwicklung vor mehreren Jahren eingestellt.