BMW 7er Facelift: Der i7 bleibt bei 400 Volt

BMW ĂĽberarbeitet den 7er, ohne seine Gestaltung zierlicher erscheinen zu lassen. Der i7 bleibt bei einem 400-V-System und soll dennoch schneller laden.

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BMW i7

(Bild: BMW)

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Selbst rund um die Münchener Firmenzentrale von BMW ist der aktuelle 7er auf den Straßen ein seltener Gast. Das dürfte nicht nur daran liegen, dass Autos in diesem Segment aus naheliegenden Gründen keine Massenartikel sind. BMW hat sich mit dem zurückliegenden Modellwechsel bei der Gestaltung forsch vorgewagt. Nun wurde die Baureihe überarbeitet, ohne den Pfad einer optischen Entschärfung zu beschreiten. Das kann man sich mit Zulassungszahlen in Asien unter Umständen noch erklären. Erstaunlicher allerdings ist die Entscheidung, es im Elektroauto i7 bei 400 Volt zu belassen.

Auch die größten Kritiker des 7er-Designs können den Machern eines nicht absprechen: Mut zur Polarisierung. BMW glättet die Front ein wenig, verschiebt die Scheinwerfer etwas an die Seite und vergrößert die Rückleuchten ziemlich. Ob das die Luxus-Limousine optisch tatsächlich leichter verdaulich macht, wird sicher kontrovers diskutiert. Von der vergleichsweise zierlichen Eleganz einiger 7er-Generationen ist jedenfalls nichts mehr vorhanden. Die aktuelle Ausgabe war wuchtig und bleibt es auch nach der Modellpflege. BMW spricht im Beipackzettel für die Presse von einer ausdrucksvollen Präsenz und einem hohen Wiedererkennungswert. Beidem ist absolut nicht zu widersprechen, wenngleich die Folgen wahrscheinlich unterschiedlich beurteilt werden.

BMW mutet den Interessenten auch im Innenraum nun einiges zu. Das Layout entspricht künftig den Modellen der „Neuen Klasse“, also iX3 und i3. Die Elemente sind bekannt. Die Lenkradspeichen gehen nach oben und unten statt zur Seite, das Display in der Mitte ist ein Parallelogramm und statt eines Kombiinstruments gibt es eine schmale, konfigurierbare Leiste unter der Frontscheibe. Der Innenraum ist damit radikal anders eingeräumt als bislang. Wie beim Außendesign geht BMW ins volle Risiko, denn das wird fraglos ebenfalls polarisieren.

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Das Äußere mag nur dezent verändert sein, im Innenraum aber belässt BMW kaum etwas, wie es zuvor war. (Bild:

BMW

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Damit zieht auch die aktuelle Generation des Betriebssystems ein, die eine breite Spielwiese an Möglichkeiten bieten soll. Erstmals bekommt der Beifahrer ein eigenes Display vorgesetzt. BMW verspricht, den Akustikkomfort gesteigert zu haben. Möglicherweise zählen dazu auch die weiterentwickelten Automatiktüren mit Soft-Close-Mechanismus. Als wir den i7 vor ein paar Jahren in der Redaktion hatten, beeindruckte das Schauspiel der automatischen Türen zwar Umstehende, das unfeine Scheppern beim Schließen allerdings nicht.

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In einem Bereich geht es, wie zuvor schon bei Mercedes, zumindest vorerst einen Schritt zurück. Bislang wurde hochautomatisiertes Fahren gemäß SAE-Level 3 bis 60 km/h angeboten. Das kostete zuletzt 6000 Euro extra, setzte allerdings weitere Extras voraus. Offenbar war das selbst dem finanziell unempfindlichen Kundenkreis für das Gebotene mehrheitlich dann doch etwas zu üppig. Deshalb rüsten die Bayern auf das zurück, was im 5er auch zu haben ist: Level 2++ belässt die Verantwortung stets dem Fahrer, ist aber keineswegs ohne Reiz und vor allem viel billiger zu haben. Das klappt bis Tempo 130 km/h und wird über einen Scan der Blickrichtung des Fahrers gesteuert.

Mercedes hat bei der Überarbeitung des EQS das Geld in die Hand genommen und auf 800 Volt Spannungsebene umgestellt. BMW spart sich das, es bleibt bei 400 Volt. Ähnlich wie bei Volvo steigt die Ladeleistung dennoch auf 250 kW. Doch das wird sich in Deutschland nur im Ausnahmefall komplett nutzen lassen. Denn die meisten DC-Ladesäulen liefern maximal 500 A. Mit einem 400-Volt-System ergeben sich damit 200 kW Ladeleistung. Für die vollen 250 kW, die BMW ins Schaufenster stellt, muss die Säule mindestens 625 A liefern können – BMW nennt sogar 630 A.

BMW 7er 2026 auĂźen (9 Bilder)

BMW hat das Design der 7er-Reihe verändert, nicht entschärft. (Bild:

BMW

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Alle drei Versionen des i7 greifen auf die gleiche Batterie zu, die 112,5 kWh nutzbaren Energiegehalt hat. Von 10 auf 80 Prozent kann sie unter idealen Bedingungen und entsprechender Ladeinfrastruktur in 28 Minuten geladen werden. Das entspricht einer durchschnittlichen Nettoladeleistung von knapp 169 kW in diesem Bereich. Ein Spitzenwert ist das nicht mehr, die interne Konkurrenz der Neue-Klasse-Modelle kann das schneller. Der Unterschied könnte gerade im Bereich von 10 auf 50 Prozent erheblich sein. Schließlich können iX3 und i3 in der Spitze mit bis zu 400 kW laden. Zum Vergleich: Der EQS lädt im Schnitt mit rund 190 kW, kann das allerdings an mehr Ladesäulen umsetzen als der i7.

An Wechselstrom kann der i7 serienmäßig mit 11 kW laden, nur gegen Aufpreis auch mit 22 kW. Die Reichweite im kombinierten WLTP beziffert BMW auf fast 730 km in i7 50 und i7 60, das Topmodell M70 soll maximal 686 km schaffen. Das weitere Motorenangebot besteht aus zwei Plug-in-Hybriden und je einem Benziner und einem Diesel. Die Plug-in-Hybride können nur an Wechselstrom aufgeladen werden, dort aber wenigstens dreiphasig mit 11 kW. Die Batterie fasst netto 18,7 kWh, was im WLTP für bis zu rund 80 km genügen soll. Ich würde vermuten, dass geruhsame Fahrer im Jahresmittel vielleicht 60 km rein elektrisch schaffen könnten. Der Marktstart der überarbeiteten 7er-Reihe ist für den Sommer geplant, allerdings nicht für alle Versionen. Wer sich für einen der Plug-in-Hybride oder den Diesel interessiert, muss bis November warten.

(mfz)