Brasilien verklagt BYD wegen Verletzung von Arbeitsrechten
Wegen "Sklaverei ähnlicher" Arbeitsbedingungen beim Bau eines BYD-Werkes in Brasilien wird der chinesische Autokonzern verklagt und soll Schadenersatz zahlen.
(Bild: Smile Fight / shutterstock.com)
Die brasilianische Arbeitsstaatsanwaltschaft (MPT) hat am Dienstag Zivilklage gegen den chinesischen Automobilhersteller BYD eingereicht. Sie macht das Unternehmen fĂĽr "internationalen Menschenhandel" und "der Sklaverei vergleichbare" Arbeitsbedingungen beim Bau eines kĂĽnftigen BYD-Werkes im Bundesstaat Bahia verantwortlich.
In der Klage vor dem Regionalen Arbeitsgericht der 5. Region (AZ. 0000449-07.2025.5.05.0134) fordert die MPT, BYD sowie dessen exklusive Auftragnehmer JinJiang und Tecmonta (früher Tonghe) zur Zahlung von 257 Millionen Reais (40 Millionen Euro) kollektiven moralischen Schadensersatzes zu verurteilen, wie es in einer Erklärung der Arbeitsstaatsanwaltschaft heißt. Zudem verlangt die MPT von den Unternehmen die Zahlung von individuellem moralischen Schadensersatz in Höhe des 21-fachen des vertraglichen Gehalts zuzüglich eines Gehalts für jeden Tag, an dem die Arbeiter einem der Sklaverei vergleichbaren Zustand ausgesetzt waren, die Zahlung der geschuldeten Abfindung, die Einhaltung der brasilianischen Arbeitsschutznormen sowie die Unterlassung von Menschenhandel und Sklavenarbeit. Für jeden Verstoß fordert die MPT eine Geldstrafe von 50.000 Reais (7.770 Euro), multipliziert mit der Anzahl der betroffenen Arbeiter.
Die Pläne für das BYD-Werk in Brasilien, das erste des Unternehmens außerhalb Asiens, in dem nur reine Elektroautos gebaut werden, waren Anfang 2024 bekannt geworden. Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva sprach damals von einer Investition von umgerechnet rund 564 Millionen Euro. BYD wird demnach eine Anfang 2021 geschlossene Ford-Fabrik in der Stadt Camaçari im Bundesstaat Bahia im Nordosten des Landes in einen Produktionskomplex mit einer Kapazität von 150.000 Elektroautos pro Jahr verwandeln.
"Sklavenartige" Arbeitsbedingungen
Ende Dezember geriet das Projekt wegen Vorwürfen von Arbeitsverstößen bis hin zum Verdacht auf Menschenhandel in die Schlagzeilen. Der Skandal verzögerte den ursprünglichen Zeitplan. Nach ersten Untersuchungen sprachen die brasilianischen Behörden von "sklavenartigen Bedingungen" für 163 chinesische Arbeiter. Später wurden weitere 57 Arbeiter in einer ähnlich prekären Situation gefunden. "Alle 220 Arbeiter reisten illegal in das Land ein, mit Arbeitsvisa für spezialisierte Dienstleistungen, die nicht mit den tatsächlich vor Ort ausgeführten Tätigkeiten übereinstimmten", schreibt die MPT.
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Auf der Baustelle des BYD-Werkes hätten brasilianische Beamte dann festgestellt, dass die Arbeiter in Unterkünften eingepfercht waren, die nicht den Mindestanforderungen an Komfort und Hygiene entsprachen, dass sie von bewaffneten Wärtern bewacht wurden, dass die Arbeitsverträge illegale Klauseln enthielten, dass die Arbeitszeiten nicht eingehalten wurden und es keine wöchentlichen Ruhezeiten gab. Außerdem seien Arbeitsschutzvorschriften missachtet worden.
Die Ermittlungen ergaben, dass die vertraglichen Bedingungen für ihre Beschäftigung den Charakter von Zwangsarbeit hatten. Die Arbeiter mussten eine Kaution hinterlegen, bekamen bis zu 70 Prozent ihres Lohns vorenthalten und ihre Pässe wurden einbehalten.
Klage nach gescheiterten Verhandlungen
Wie die brasilianische Tageszeitung Folha de S. Paulo berichtet, teilte BYD in einer Erklärung mit, dass das Unternehmen eine nicht verhandelbare Verpflichtung zur Einhaltung der Menschen- und Arbeitsrechte habe und unter Beachtung der brasilianischen Gesetzgebung und der internationalen Arbeitsschutzstandards handle. BYD erklärte zudem, dass es mit der Arbeitsstaatsanwaltschaft zusammenarbeite.
Die Arbeitsstaatsanwaltschaft wiederum teilte mit, die Klage beim Arbeitsgericht in Camaçari eingereicht zu haben, nachdem sich die Unternehmen geweigert hatten, eine Vereinbarung zur Verhaltensanpassung zu unterzeichnen. Laut Folha wollten die Unternehmen eine Vereinbarung von einer Geheimhaltungsklausel abhängig machen, die von der Staatsanwaltschaft nicht akzeptiert wurde. Die Vereinbarung sollte demnach als eine Art Maßstab für künftige Verträge für chinesische Unternehmen dienen, die in Brasilien mit Arbeitnehmern aus ihrem eigenen Land arbeiten wollen.
(akn)