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Rundgang auf der IAA Mobility 2025: China kommt, Europa kontert

So viele neue E-Autos aus China wie noch nie überzeugen mit ihrem Preis-Leistungs-Verhältnis. Die deutschen Hersteller scheinen die Herausforderung anzunehmen.

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IAA 2025 Eingang

(Bild: Florian Pillau)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Unmittelbar offensichtlich ist auf dieser IAA so viel China wie noch nie zuvor auf einer der vorangegangenen Messen. Beim Ausrichter der Messe, dem Verband der Automobilindustrie (VDA), meldeten sich 116 von 748 Ausstellern aus China an. Das ist der größte Zuwachs aus einer Region auf der IAA, die schon 2023 einen Rekord mit mehr als 70 Ausstellern verzeichnete. Auch 2025 sind damit nur deutsche Firmen noch stärker vertreten.

Trotz der spannenden Internationalität fühlen sich die lediglich sechs belegten Messehallen, verglichen mit den Rekordmessen von Frankfurt, zu denen vor der Finanzkrise 2007 fast eine Million Besucher kamen, fast privat an. Das liegt teils am offenbar erfolgreichen Konzept, das auch in diesem Jahr wieder das Messegelände fürs Fachpublikum reserviert und die öffentlichen Veranstaltungen in die Innenstadt Münchens verlegt. Dennoch: Kämen mehr als 500.000 Besucher, wäre 2025 ein gutes Jahr für die IAA.

"Welcome Home": Dichtes Gedränge um die Exponate auf dem engen Messestand von Mercedes-Benz.

(Bild: Florian Pillau)

Chinesische Autos haben in Deutschland derzeit zwar nur rund vier Prozent Marktanteil, in Europa sind es fünf. Allerdings hat sich ihre Zahl gegenüber dem Vorjahr rund verdoppelt. Einige Marktbeobachter nennen als Hauptgrund ein überlegenes Preis-Leistungs-Verhältnis. Dass umgekehrt China eine Hoffnung für die deutschen Hersteller ist, kann man an den Verkaufszahlen der großen Marken ablesen. Sie verkauften dort bereits seit Jahren mehr als auf irgendeinem anderen Markt, allerdings vor allem Premium-Pkw und das mittlerweile unter wachsendem einheimischem Konkurrenzdruck. Die fantastischen Gewinne der vergangenen Jahre sind Geschichte.

Inzwischen sind zahlreiche Kooperationen auf Zuliefer- und Technologieebene entstanden, besonders bei Traktionsbatterien für Elektroautos. So errichtet CATL eine Batteriefabrik in Debrecen (Ungarn), die mit einem Ausstoß von bis zu 100 GWh Jahreskapazität ab 2025/26 BMW, Stellantis und VW beliefern soll. Trotz der Sorgen vor allzu großer Abhängigkeit von einem Land mit totalitären Weltmachtansprüchen verflechten sich die Autoindustrien schneller als es die isolationistische Politik der MAGA-Riege in Washington gerne verhindern würde. Lediglich ihre eigene schneiden sie von der Globalisierung ab. Von US-Innovationen ist nichts zu spüren auf der IAA Mobility 2025 in München, den US-Importen hilft in der EU nicht mal die Zollfreiheit. Der vormalige E-Auto-Star Tesla war gar nicht erst angetreten, wahrscheinlich aber aus ganz anderen Gründen. Welche das sind, sagt einem bei Tesla niemand.

Dass die beiden stark beachteten Premieren der IAA von den Traditionsmarken BMW und Mercedes-Benz sowohl Elektroautos als auch Allrad-SUV sind, liegt in dieser Reihenfolge an der Bedeutung für die Hersteller: Sie müssen wegen der Flottenvorgaben ihre Kunden von E-Autos begeistern. Die kriegt man am einfachsten mit diesen seit über einem Viertelhahrhundert so beliebten Beleibten. Auch die Marge ist so noch etwas höher. Beide rivalisieren dadurch mit ziemlich direkt vergleichbaren Produkten in verschiedenen Geschmacksrichtungen.

Beliebte Beleibte: SUV sind seit über einem Vierteljahrhundert die am schnellsten wachsende Autogattung in Europa. Im Bild der neue Mercedes-Benz GLC EQ.

(Bild: Florian Pillau)

Dieses Duell in der Premium-Ecke ändert aber nichts daran, dass den meisten Käufern deutsche Elektroautos noch zu teuer sind, ein Knackpunkt am Markt. Impulse für günstigere Modelle setzte Stellantis mit eigenen Produkten und mithilfe der Vermarktung des günstigen Kleinstwagens T03 des chinesischen Herstellers Leapmotor sowie Hyundais Inster oder der Renault 5. In diese Riege gehört auch der chinesische Dolphin Surf von BYD. Die Marke will 2026 über 50.000 Autos allein in Deutschland verkaufen.

Leistbare Elektroautos kommen demnächst auch von Volkswagen. Im Bild die Studie VW ID.Every1

(Bild: Florian Pillau)

Ab 2026 will der Volkswagen-Konzern mit seinen Marken VW, Skoda und Cupra mitmischen: Die "Electric Urban Car Family" mit den Mitgliedern Cupra Raval, Skoda Epiq, VW ID. Polo und VW ID. Cross auf der gemeinsamen Plattform MEB Small soll Kosten (und Fahrzeuggröße) deutlich senken. Wir rechnen mit ab vier Metern Länge und Preisen von 25.000 bis knapp 40.000 Euro. Die Studie für einen ID.1 mit dem Arbeitstitel "Every1" in ähnlichen Dimensionen stand auch auf der IAA, vor 2027 ist ein Serienmodell aber nicht zu erwarten.

Gut besuchter Messestand von Volkswagen mit Skoda-, Cupra- und VW-Modellen

(Bild: Florian Pillau)

Trotz der erwähnten Kooperation mit CATL möchte Volkswagen längerfristig eine eigene Batteriefertigung aufziehen und arbeitet an seiner "Unified Cell" mit einer ersten Serienfertigung ab 2026. VW-Technikchef Schmall nannte der Presse gegenüber die "Zellperformance" entscheidend für Reichweite, Ladeleistung und Leistung der Autos. Weil dieser Bereich der Kompetenz bei der bisherigen Verbrennungsmotorentechnik entspreche, strebe Volkswagen hier gezielt eine langfristige Unabhängigkeit an.

Elektrokleinwagen mit anheimelndem Namens-Rückgriff: VW ID.Polo

(Bild: Florian Pillau)

Bleiben wir noch kurz bei den Kleinen. Mini hat kein neues Modell, dafür aber ein ziemlich arges Pistengerät auf Basis des John-Cooper-Works mit Plastik-Hütte. Mit dem auf dem Stand von BMW ausgestellten Modell kann man sicher sehr schnell die Akkus leeren – bei kräftig erhöhtem Blutdruck.

Elektrisches John Cooper Works Renngerät

(Bild: Florian Pillau)

Das Gleiche nur in Groß und mit Premium-Anspruch könnte wohl auch der elektrische Sportwagen-Prototyp mit Panamericana-Grill im Gelborange des C111-II von 1970 auf dem Stand von Mercedes. Der viertürige Mercedes-AMG GT-XX führt die AMG-Elektroplattform AMG EA (Electric Architecture) ein und könnte sich mit dem Elektro-Sportwagen Porsche Taycan anlegen.

Elektrischer Sportwagen-Prototyp Mercedes-AMG GT-XX

(Bild: Florian Pillau)

Opel stellt neben den Mokka GSE mit 207 kW eine sehr flott aussehende Studie Corsa GSe Vision Gran Turismo mit 588 kW für die Piste. Daraus soll aber kein fahrbares Projekt werden, heißt es von Opel.

Studie Corsa GSe Vision Gran Turismo mit 588 kW – jedoch nicht fahrfähig

(Bild: Florian Pillau)

project urban 2/3 zeigt auf seinem Stand die bekannte Palette seiner B2B-Elektroroller, die dank modularer Bauweise eine große Vielfalt an Antriebs- und Fahrwerkskonfigurationen erlaubt. Sogar einen elektrischen Wiedergänger des BMW C1 aus den 90ern bietet project urban 2/3 als motorradführerscheinfreies, dank "Sicherheitszelle" und Gurt nicht helmpflichtiges Dreirad an. Zielgruppen der individualisierbaren Bikes sind Business und Behörden, daher auch eine Polizei- und eine Sanitätsversion.

Zweiradführerscheinfrei und modular: Elektroroller von project urban 2/3

(Bild: Florian Pillau)

Der chinesische Hersteller Leapmotor präsentierte mit dem B05 ein Steilheck-Elektroauto, das ab dem zweiten Quartal 2026 in Europa verfügbar sein soll. Der mit einem Opel Astra oder Peugeot 308 vergleichbare Elektrowagen dürfte Chancen auf eine größere Verbreitung dank eines guten Preis-Leistungs-Verhältnisses und eines engmaschigen Service-Netzes bieten. Technisch dürfte er auf dem größeren B10 basieren, der mit 160 kW und 56,2 oder 67,1 kWh für 361 oder 434 km Reichweite ab knapp 30.000 Euro bestellbar ist.

Europa-Premiere für den Leapmotor B05

(Bild: Florian Pillau)

Mercedes hat seinen GLC erstmals als Elektroauto vorgestellt. Der Anspruch auf die "Reinheit" in der "Sensual Purity" des Designs wird aber gerade nicht eingelöst. Denn obwohl bei einem Elektroauto bekanntermaßen kein derart großer Grill nötig ist, wirkt dieser wie eine aufgeklebte, ausufernde Fassade, wie man selbst auf dem drangvoll engen Messestand sehen konnte. Davon abgesehen beeindruckt das Modell mit von Mercedes nie gekannten elektrischen Stärken. Ein Energiegehalt von 94 kWh netto ist überdurchschnittlich.