In den Stromschnellen

Wann wird es endlich bezahlbare Elektroautos geben? Der dritte Teil einer dreiteiligen Serie über technische Lebensumstände der Gegenwart, über die uns unsere Enkel auslachen werden.

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Technik kann viel – wenn man sie lässt. Partikularinteressen, alteingesessene Rechtszustände und das pure Bestehen auf dem Status quo sind ihr größter Feind. Übrig bleiben Lebensumstände, die man in wenigen Jahren kaum mehr verstehen wird. In dieser und den beiden vergangenen Wochen habe ich mir drei Beispiele für solche Hemmnisse vorgenommen, die mich in letzter Zeit besonders ärgern.

Wissen Sie eigentlich, wann die große Zeit der Elektroautos war? Um 1910. Damals verkauften fast zwei Dutzend Hersteller immerhin Stückzahlen um 30.000. Seither hat es über die Jahrzehnte immer wieder kleine bis große Versuche gegeben, die Strommobilität auf die eine oder andere Art einzuführen, doch ernstzunehmend waren die eigentlich nie. Die Technik kam allerhöchstens in Trippelschritten nach vorne, was man schon an ihrer unendlich langen Geschichte sehen kann, die bis ins vorletzte Jahrhundert zurückreicht.

Seit die Debatte um den Klimawandel tobt und die Preise fossiler Energieträger (wieder einmal) neue Höhen testen, erleben wir eine Art Renaissance der E-Autos – jedenfalls versuchen die Automobilkonzerne, alte wie neue, uns dies mir ihren Marketingmaßnahmen zu verklickern. Doch die Umsetzung lässt immer wieder auf sich warten. Die Prototypen füllen ganze Museen.

Wer heute tatsächlich vorhat, sich als Stadtbewohner einen Stromer in die Garage zu stellen, hat allein die Auswahl unter kaum benutzbaren Minimodellen. General Motors "Volt" wird angeblich bald wirklich auf den Markt kommen, das Euro-Modell Opel Ampera erst ein Jahr später. Dabei handelt es sich sowieso nicht um einen Komplett-Stromer, sondern einen Plug-In-Hybriden, von dem man hofft, dass er den Benzinanteil nicht benötigt, weil der Besitzer im Schnitt nur 60 Kilometer pro Tag unterwegs ist, für die die Batterie ausreicht.

Toyota verkauft zwar mit dem Prius den erfolgreichsten Hybriden aller Zeiten, vertagt eine aufladbare Version aber erst in die nächsten Jahre. Nissan will massiv ins E-Auto-Geschäft einsteigen und seine Schwester Renault mitnehmen, doch der LEAF geht wohl erst in den Flottenbetrieb, bevor ihn irgendein Normalbürger kaufen kann.

Selbst so manches realitätsnahe Pilotprojekt macht sich über Interessierte lustig: Bei der RWE plante man neulich Fiat-500-Stromer anzubieten, bei denen man mit sage und schreibe 1200 Euro pro Monat Leasinggebühr rechnen muss.

Fazit: Die Stromer sind für den Massenmarkt nach wie vor schlichter Hype – und auch die regelmäßig in die Schlagzeilen geratenden Fortschritte bei der Batterietechnik eignen sich auch noch nicht für das kommerzielle Geschäft. Wollen wir hoffen, dass sich bis 2015 vielleicht etwas tut. Optimistisch bin ich nicht. (bsc)