ADAC untersucht E-Auto-Ladeinfrastruktur entlang der Autobahnen

Der ADAC hat untersucht, wie weit die Lademöglichkeiten der Raststätten entlang der Autobahnen dem Ziel "Laden so einfach wie tanken" schon gekommen sind.

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Gespann laden an der Autobahn

Gespann laden an der Autobahn

(Bild: Clemens Gleich / heise Medien)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Laden sollte überall genauso einfach und bequem funktionieren wie Tanken, meint der größte Autoklub in Deutschland. Jetzt hat der ADAC untersucht, wie weit die Lademöglichkeiten der Raststätten entlang der Autobahnen bei diesem Ziel schon gekommen sind. Dazu hat er sich die Ladebedingungen an den 15 längsten Autobahnen hinsichtlich ihrer Infrastruktur und ihres Komforts angesehen. Eigenen Zahlen zufolge laden dort immerhin "zwei Drittel der Elektroautofahrer und 85 Prozent der E-Langstreckenfahrer ihr Fahrzeug gelegentlich oder üblicherweise". Gut bedient werden sie dort aber nicht überall: "Von jeweils 25 Rastanlagen und Autohöfen sind über die Hälfte mangelhaft bis sehr mangelhaft." Nur 13 entsprechen der Schulnote "gut", keine erreichte ein "sehr gut".

Am wichtigsten für die Bewertung des ADAC war die Anzahl der Ladepunkte und deren mögliche Ladeleistung. Diese musste für eine gute Bewertung bei mehreren Ladepunkten auch einzeln diese Leistung erbringen. Sollte sie sich durch das sogenannte Splitting auf mehrere Fahrzeuge aufteilen, gab es ebenfalls Punktabzug. Darüber hinaus haben die Prüfer gezählt, wie viele davon außer Betrieb waren. Weitere Prüfpunkte auf der Liste waren die Möglichkeiten der Bezahlung sowie die Klarheit über die Kosten bei der Abrechnung. Ein Viertel der Punkte für die Bewertung wurde für den Komfort der Anlagen, also Überdachung, Gastronomie oder Sanitäranlagen, vergeben. Angesichts des laufenden Ausbaus der Lademöglichkeiten kann die in der Folge zitierte Wertung nur eine Momentaufnahme sein. Die Rangfolge kann in ein paar Monaten schon ganz anders aussehen.

Die auf der Autobahn fahrenden Langstreckenfahrer erwarten hohe Ladeleistungen von mindestens 150 kW, um eine Ladedauer von 20 bis 30 Minuten zu erreichen. 31 Anlagen (62 Prozent) verfügten bereits über Schnellladesäulen mit 300 kW, die auch bei zwei angeschlossenen Fahrzeugen noch jeweils bis zu 150 kW bereitstellen. Zwei Anlagen – Rosis Autohof Fulda Nord an der A7 und der Inntaler Autohof Raubling an der A93 – hatten sogar 400-kW-Ladesäulen installiert und erreichten das Gesamturteil "gut".

Ladeinfrastrukturbewertung an Autohöfen

(Bild: ADAC)

Die geringste Punktzahl erhielten die Autohöfe Aral Autohof Bremen Hemelingen an der A1 und Total Autohof Großweitzschen an der A14, weil diese über keinerlei Lademöglichkeit verfügten. Mehr als jede fünfte Anlage (22 Prozent, vornehmlich Rastanlagen) war lediglich mit 50-kW-Säulen ausgestattet.

Ladeinfrastrukturbewertung an Rastanlagen

(Bild: ADAC)

Autohöfe schnitten deutlich besser ab als Rastanlagen: Alle 13 "gut"-Bewertungen gingen an Autohöfe. Der Euro Rastpark Schweitenkirchen an der A9 bekam die höchste Gesamtbewertung, gefolgt vom Aral Autohof Königslutter an der A2.

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Nur ein Viertel der Anlagen bot zehn oder mehr Ladepunkte mit einer Ladeleistung von mindestens 150 kW, davon war in knapp einem Drittel dieser Anlagen mindestens ein Ladepunkt außer Betrieb. Egal ob Autohof oder Rastanlage: Kein Ladepark im Test war überdacht, bei den meisten war zudem der Weg zu den Hauptgebäuden zu weit. Nur ein paar Autohöfe ermöglichen das Längsparken für Fahrzeuge mit Anhängern ohne Abkoppeln.

Direktzahlung mit Kreditkarte ermöglichte nur gut die Hälfte der Ladesäulen, zu wenig, findet wohl nicht nur der ADAC. Die Preistransparenz ließ ebenfalls noch Verbesserungsbedarf erkennen. So wurde der Endpreis nur an 16 Anlagen, entsprechend 44 Prozent angezeigt, obwohl der Preis für die Kilowattstunde an fast allen Anlagen mit Ladepunkten von 150 kW aufwärts vor dem Laden angezeigt wird. Wer die Preistransparenz von Zapfsäulen gewohnt ist, reibt sich die Augen.

Der Klub erkennt nicht nur in letzterem Punkt noch einen großen Abstand zum über Jahrzehnte eingespielten Tanken. Das Fazit des ADAC lautet dann sinngemäß und wenig überraschend, dass die aufgezeigten Potenziale zur Verbesserung der Infrastruktur genutzt werden sollten, um das Elektroautofahren schneller, komfortabler und damit noch attraktiver zu machen.

(fpi)