Vorhofflimmern: Apple Watch kann auch Behandelten helfen

Das 1-Kanal-EKG der Apple-Computeruhr kann ein Vorhofflimmern detektieren, das noch nicht bekannt war. Aber auch nach der Diagnose ist es nĂĽtzlich, so Forscher.

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1-Kanal-EKG der Apple Watch

1-Kanal-EKG der Apple Watch, hier in der Series 4.

(Bild: Apple)

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This article is also available in English. It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.

Es ist bekannt, dass die Apple Watch bereits häufiger dabei geholfen hat, bislang unbekannte Erkrankungen zu detektieren – insbesondere im Bereich des Herz-Kreislauf-Systems. Apple beginnt seine Keynotes regelmäßig mit Filmen, in denen sich Betroffene positiv dazu äußern. Allerdings ist dabei zu bedenken, dass die Computeruhr nur für bestimmte Arten der Erkrankungserkennung offiziell zugelassen ist. So können die Geräte seit der Apple Watch Series 4 Anzeichen von Vorhofflimmern (englischer Begriff: „atrial fibrillation“ oder auch AFib) erkennen. Das galt allerdings bislang nur dann, wenn es zuvor noch keine entsprechende Diagnose gab. Ähnlich wie bei der Bluthochdruckdetektierung ist die Funktion nur für Menschen gedacht, die als gesund gelten. Eine Studie zeigt nun, dass das 1-Kanal-EKG der Apple Watch auch dann helfen kann, Vorhofflimmern zu erkennen, wenn bereits eine Diagnose und sogar eine Behandlung vorliegen.

Wissenschaftler am Krankenhaus St. Bartholomew in London zeigen in einer klinischen Studie mit immerhin 168 Patienten, dass sich die Apple Watch dabei verwenden lässt, Nachsorge zu betreiben. Bei schwerem Vorhofflimmern, das sich medikamentös nicht behandeln lässt, hilft ein Eingriff am Herzen, die sogenannte Katheterablation. Sie erfolgt minimalinvasiv. Doch danach stellt sich die Frage, ob die Behandlung wirklich erfolgreich war. Herausfinden lässt sich das nur durch regelmäßige Messungen.

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Diese Aufgabe übernahm bei der Studie eine Apple Watch Series 5, die den Probanden geliehen wurde. Ihnen wurde aufgetragen, täglich mindestens eine Messung vorzunehmen. Nach drei, sechs und zwölf Monaten erfolgten Untersuchungen mit einem Experten. Wie sich zeigte, ließ sich mit der Apple Watch ein neu auftretendes Vorhofflimmern mit höherer Wahrscheinlichkeit detektieren – und vor allem früher. Der Mittelwert der Erkennung lag bei 116 Tagen, eine Kontrollgruppe erreichte nur 132 Tage.

Die Erkennungsrate insgesamt lag bei 52,9 Prozent gegenĂĽber 34,9 Prozent in der Kontrollgruppe. Gesenkt wurde hingegen die Anzahl ungeplanter Klinikaufenthalte durch ein Wiederauftreten eines Vorhofflimmerns oder damit verknĂĽpfter Erkrankungen. Ohne das Tracking lag die Rate mehr als doppelt so hoch.

Überraschend ist das Ergebnis sicher nicht, denn die Messung an sich erscheint hilfreich. Allerdings war bislang unbekannt, ob die Apple Watch dies auch zuverlässig bei Personen tut, die bereits wegen Vorhofflimmern behandelt wurden. Zu bedenken bleibt, wie klein die Studie war. Es wird also noch eine Weile dauern, bis Apple die Geräte offiziell auch für die Nachsorge zulässt – was auch mit einer Genehmigung der Medizingeräteaufsicht einhergehen müsste.

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(bsc)