Michelin stellt selbstheilenden Reifen vor
Selbstheilende Reifen sind nicht völlig neu, werden aber selten eingesetzt. Michelin stellt eine neue Lösung vor, deren Dichtmaterial keine viskose Flüssigkeit ist, sondern eine neuartige, weiche Polymerschicht
- Gernot Goppelt
Berlin, 22. Mai 2011 – Die Michelin Challenge Bibendum ist eine recht ungewöhnliche Veranstaltung, weil sie Messe, Tagung und eine Spar-Rallye miteinander verbindet – und weil sie sich an ein Fachpublikum und "normale" Autointeressierte richtet. Noch dazu – und ihn dieser Hinsicht mag man den Franzosen geradezu seherische Fähigkeiten zubilligen – entstand die Veranstaltung zu einer Zeit, als die derzeitige Bedeutung von alternativen Antrieben und vor allem Elektroautos schwerlich vorauszusagen gewesen wäre. Die Challenge 2011 ist eine Art Börse für fast alles, was mit der Zukunft der Individualmobilität zu tun hat, ein wenig unübersichtlich vielleicht, aber auch ein erfrischendes Ereignis für die meisten Beteiligten.
Selbstheilende Polymerschicht
In Deutschland kennt man Michelin vor allem für Reifen und tatsächlich konnte der Hersteller dem Publikum auch aus diesem Bereich eine Neuigkeit präsentieren, einen sich selbst reparierenden Konzeptreifen. Bis zur Marktreife des "3-S-Konzept" dauert es zwar noch einige Jahre, doch interessant macht die Technik, dass sie sich von bisherigen Ansätzen unterscheidet. Auf der Challenge Bibendum ließ Michelin ein Fahrzeug über mehrere Zentimeter lange Stahlnägel rollen, ohne dass danach ein Druckverlust erfolgte, so weit nichts Neues. Das "Geheimnis" der Neuentwicklung ist nun ein von innen aufgebrachte Polymer, das sich bei einer Verletzung sofort schließt und keine Luft entweichen lässt. Als einen besonderen Vorteil bewirbt der Reifenhersteller, dass die Technik keine Vibrationen verursache, selbst wenn das Fahrzeug lange gestanden habe. Anders als bei Konkurrenzlösungen, erklärte uns ein Michelin-Vertreter, bildet das verwendete Polymer ein feste Schicht, die ihre Lage immer beibehält, sodass keine Unwuchten entstehen könnten.
Michelin stellt selbstheilenden Reifen vor (2 Bilder)

Dank einer selbstheilenden Struktur erlaubt eine neue MIchelin-Technik selbst das Überfahren solcher Nagelbretter.
Viskose Alternative
Von welchen Konkurrenten die Rede ist, sagte man uns wie in der Branche üblich nicht. Wir fragten zum besseren Verständnis bei Continental nach, wo es selbstheilende Reifen schon länger gibt. Beim "Conti-Seal"-System schließt eine viskose Flüssigkeit, die auf der Innenseite der Lauffläche angebracht ist, Durchstiche ab. ContiSeal-Reifen werden zum Beispiel beim Passat CC als Erstausrüstung angeboten. Laut Conti beruht ContiSeal auf einer viskosen Dichtflüssigkeit, Unwuchten wegen langer Standzeiten seien deswegen aber nicht zu befürchten. Andernfalls wäre es für VW auch nicht vertretbar gewesen, die Reifentechnik in Serie anzubieten, sagt man uns. Inwieweit das bei Michelin verwendete Polymer in der Praxis andere Eigenschaften zeigt, wird sich zeigen müssen.