Motorola überprüft Kosten im Flensburger Werk
Der Handyhersteller erwägt offenbar die Auslagerung von Teilen oder der ganzen Produktion an Drittanbieter. Die 1150 Mitarbeiter in Flensburg bangen um ihren Job.
Der Handyhersteller Motorola prüft an seinem Standort Flensburg eine mögliche Auslagerung der Tätigkeiten an Fremdanbieter. Der Geschäftsführer der IG Metall Flensburg, Meinhard Geiken, sagte am heutigen Freitag, es sollen Angebote von verschiedenen Anbietern eingeholt werden. Auf einer Betriebsversammlung kündigte die Geschäftsführung eine Kostenüberprüfung an. Je nach Ergebnis dieser Ausschreibung seien drei Varianten denkbar: "Entweder das gesamte Geschäft geht an einen Anderen über, oder es wird unter einem anderen Namen fortgeführt oder es bleibt wie es ist."
Die 1150 Mitarbeiter seien nun ängstlich und nachdenklich, sagte Geiken. Kostenüberprüfungen würden regelmäßig vorgenommen, so konkret wie jetzt sei es aber noch nie gewesen. Die Geschäftsleitung habe auf der Versammlung versichert, dass sie für den Standort kämpfen werde, zumal Flensburg gute Ergebnisse einfahre. Geiken befürchtet allerdings, dass es bei so konkreten Ausschreibungen nicht mehr nur um Kostenvergleiche gehe, sondern möglicherweise auch um eine strategische Entscheidung.
Für Motorola Mitarbeiter gab es in den vergangenen Jahren Höhen und Tiefen. Gut lief es für die Beschäftigten im Jahr 2000, als die Sieben-Tage-Woche mit 24-Stunden-Schichten eingeführt wurde. Besonders bedrohlich sah die Lage im Herbst 2003 aus: 600 Entlassungen standen an, weil die Produktion weitgehend nach China verlagert wurde. Am Standort Flensburg blieben die Bereiche Verpackung und Distribution. Bis dahin hatte das Unternehmen 1800 Beschäftigte, in den besten Zeiten waren es rund 3000 Mitarbeiter. Heute zählt das Werk 1150 Beschäftigte. Hinzu kommen nach Angaben von Geiken noch einmal 1200 Leiharbeiter.
Die Flensburger Fertigungsstätte wurde 1998 nach 18-monatiger Bauzeit als modernstes Handy-Werk Europas in Betrieb genommen. Seit 20 Jahren ist das Unternehmen für Kommunikationstechnologie in der Fördestadt ansässig. Damals übernahm Motorola die 1967 von der Storno Electronic GmbH gegründete Produktion für Funkgeräte. (dpa) / (vbr)