WLAN-Optimierungen: MIMO zieht Imitate an
Standardisierte WLAN-Geräte der nächsten Generation werden wohl noch rund zwei Jahre auf sich warten lassen, doch das hindert die Hersteller nicht daran, erste Light-Versionen auf den bandbreitenhungrigen Markt zu werfen.
Die MIMO-Technik, das simultane Nutzen mehrerer Sender-/Empfängerzüge (Multiple Input, Multiple Output) zur Durchsatzsteigerung beim Datenfunk, gilt als heißer Kandidat für die nächstschnellere WLAN-Generation. Zwei Konsortien, WWiSE und TGn Sync, streiten derzeit um die Details. Mit einem internationalen Standard -- und herstellerübergreifend mehr Durchsatz liefernden Produkten -- ist nicht vor 2006 zu rechnen. Da sich der aktuelle WLAN-Standard 802.11g im Markt etabliert hat, suchen die Hardware-Produzenten händeringend nach Alleinstellungsmerkmalen, um sich zwischenzeitlich von der Konkurrenz abzusetzen und Kunden mit Verbesserungen zu locken.
Beispielsweise hat Belkin schon vor einem Vierteljahr angekündigt, mittels proprietärer Technik schnellere WLAN-Geräte herauszubringen. In den USA sind die Produkte längst auf dem Markt. Die Verzögerung bei der hiesigen Einführung begründet Belkin mit nötigen Anpassungen. Die Auslieferung der Geräte solle noch im Januar beginnen. Bei Belkins Lösung handelt es sich immerhin um eine echte MIMO-Implementierung mit mehreren parallel funkenden Sender-/Empfängerzügen. Sie schafft zumindest der Papierform nach den mehrfachen Durchsatz gewöhnlicher WLAN-Produkte bei gleicher Distanz. Andere Hersteller setzen dagegen auf schon länger bekannte Schaltungstechniken (Antenna Diversity, Phased Array) und kleben diesen mit marketingdichterischer Freiheit das derzeit "heiße" Etikett MIMO an.
So will Netgear noch im Frühjahr unter dem Namen RangeMax eine WLAN-Basisstation herausbringen, auf deren Platine sieben Antennen liegen. Diese schaltet der Controller fallweise in unterschiedlichen Kombinationen zusammen, um eine Richtwirkung zu erzielen (Phased Array). Das könnte man mit etwas gutem Willen als MIMO-Light bezeichnen. Allerdings bringt diese Technik lediglich eine Reichweitenverbesserung und damit unter sonst gleichen Bedingungen (Distanz, Hindernisse zwischen den Funkpartnern) eine moderate Durchsatzsteigerung gegenüber herkömmlichen WLAN-Produkten. Der Durchsatz kann dabei anders als bei echtem MIMO nicht über die maximale Rate von 802.11g (54 MBit/s brutto) hinausgehen. Netgear nutzt dazu die Beamflex-Technik des HF-Spezialisten Video54. In deren Beschreibung ist explizit keine Rede von MIMO. Den gleichen Ansatz stellte das amerikanische Unternehmen Vivato übrigens schon vor zwei Jahren vor, damals allerdings mit einigen hundert, in einem Paneel untergebrachten Einzelantennen.
Eine zu Beamflex ähnliche Lösung hat auch der WLAN-Chipsatzhersteller Atheros mit dem AR5005VA in der Tasche. Der Chipsatz bedient bis zu vier Antennen, was ebenfalls zwar keinen höheren Durchsatz als bei 802.11g/a, aber eine stabilere Verbindung beispielsweise für High-Definition-Videoströme garantieren soll. (ea)