EU-Kommission strebt Binnenmarkt für Frequenznutzung an
Die derzeitige "starre" Verwaltung durch die einzelnen Mitgliedstaaten und eine zu enge Bindung der Spektrumsvergabe an bestimmte Dienste und Technologien blockiert erhebliche wirtschaftliche Ressourcen, meint die EU-Kommission.
Die Europäische Kommission hat eine neue Strategie vorgelegt, die eine "optimale" Nutzung des Funkfrequenzspektrums im gesamten EU-Raum zum Ziel hat. Darin strebt die Kommission ein gemeinsames, länderübergreifendes Konzept zur Verwaltung der Frequenzressourcen an. Derzeit sei die Frequenznutzung in den 25 Mitgliedstaaten noch "weitgehend aufgesplittert", weshalb die "wirtschaftlich wichtige" Ressource Funkspektrum nicht effizient genutzt werden könne. Nach Einschätzung der EU-Kommissarin für die Informationsgesellschaft und Medien, Viviane Reding, tragen Wirtschaftszweige, die Funkfrequenzen nutzen, schon heute mit einem bis zwei Prozent zum Bruttoinlandsprodukt in den EU-Staaten bei. Dieser Wert könne jedoch "enorm steigen", wenn die nationalen Regulierungsbehörden und alle Interessengruppen dazu beitrügen, einen EU-Binnenmarkt für Geräte und Dienste zu schaffen, die drahtlose Übertragungswege nutzen.
Das Frequenzspektrum ist aus Sicht der Kommission eine "entscheidende Ressource" für zahlreiche Sektoren wie Rundfunk, Verkehrssysteme und Mobilfunk. Die Kommission strebt nunmehr an, die aus ihrer Sicht derzeit "starre Verwaltung der Funkfrequenzen" zu überwinden, bei der nationale Behörden Frequenznutzungsrechte an spezielle Übertragungstechnologien und "zu eng definierte Dienste wie Rundfunk oder Mobilfunk" binden. Eine stärkere Flexibilität beim Zugang zu Frequenzen ermögliche den Marktakteuren hingegen eine freiere Nutzung der Frequenzressourcen. In dem Zusammenhang schlägt die Kommission die Entwicklung gemeinsamer EU-Vorschriften für "viel versprechende Anwendungen für den Massenmarkt" vor, darunter Ultrabreitband (UWB)-Funk, Technologien für drahtlosen Breitbandzugang wie Wimax und WLAN sowie Funketiketten (RFID).
Als Teil ihrer Frequenzreformstrategie schlägt die Kommission auch vor, die ausschließlichen Nutzungsrechte für wesentliche Teile des Frequenzspektrums bis 2010 nach gemeinsamen EU-Regeln verhandelbar zu machen. Würden Marktmechanismen eingeführt, um Frequenzen in der EU optimal zu nutzen, so könnte dies nach Einschätzung der Kommiussion, die sich auf unabhängige Schätzungen beruft, zu Gewinnen in Höhe von 8 bis 9 Milliarden Euro im Jahr führen. Zudem sollen die Möglichkeiten für ein weiteres lizenzfreies Frequenzspektrum ausgelotet werden, damit Spektren von mehreren Interessenten gemeinsam genutzt werden könne, wie dies bereits bei WLAN der Fall sei. Dies werde letztlich dem Verbraucher mehr Wahlmöglichkeiten bei drahtlosen Anwendungen geben.
Nach Ansicht der Kommission lässt sich eine bessere Frequenznutzung auch durch aktive Bemühungen erreichen, Teile des Frequenzspektrums für neue Nutzungen zu räumen. So könne der derzeitige Übergang vom analogen zum digitalen Rundfunk beträchtliche Frequenzkapazitäten freisetzen. Die neue Kommissionsstrategie zum Frequenzspektrum ist Teil der Initiative i2010 -- Eine europäische Informationsgesellschaft für Wachstum und Beschäftigung, die die Kommission am 1. Juni 2005 verabschiedet hat.
Siehe zum Thema auch:
- Britischer Regulierer strebt pan-europäische UWB-Regulierung an
- Die Pläne der Industrie für die neuen Funknetze schildert der Beitrag Generationenvertrag auf heise mobil.
- Das Potenzial von Wimax für die Breitband-Versorgung in der Peripherie beleuchtet der Artikel Surfen in der Pampa auf heise mobil.
- Ultrabreitband-Funk als umstrittener Ausweg aus der Frequenzknappheit beschreibt der Beitrag UWB: Störer oder Helfer? auf heise mobil.
- Einen Vergleich von Wimax mit anderen Funktechniken findet man im Artikel Kabel kappen auf heise mobil.
- Gegenentwürfe zur überkommenen Frequenz-Regulierung finden sich unter dem Motto Funkfrequenzen für alle im "Specials"-Archiv vom heise mobil.