Ex-WorldCom-Chef kämpft gegen 25 Jahre Gefängnis
Bernard Ebbers hat Berufung gegen das im Juli gegen ihn gesprochene Urteil wegen Verschwörung, Wertpapierbetrugs und Falschangaben gegenüber Aufsichtsbehörden eingelegt.
Bernard Ebbers, ehemaliger Chef des US-Telecom-Konzerns WorldCom, hat Berufung gegen das im Juli gegen ihn gesprochene Urteil eingelegt. Ebbers stand im Zusammenhang mit dem größten Bilanzbetrug in der Geschichte der USA wegen Verschwörung, Wertpapierbetrugs und Falschangaben gegenüber Aufsichtsbehörden vor Gericht und war zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Eine Jury hatte den 63-Jährigen zuvor in allen Anklagepunkten für schuldig befunden.
In dem jetzt beim U.S. Court of Appeals for the Second Circuit eingereichten Berufungsantrag wollen die Anwälte von Ebbers geltend machen, der zuständigen Richterin Barbara Jones seien während der Verhandlung "schwerwiegende juristische Fehler" unterlaufen. Jones habe unter anderem die Jury-Mitglieder falsch instruiert und nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, potenzielle Entlastungszeugen für Ebbers zu hören.
Auch sei das Strafmaß im Verhältnis zu dem des ebenfalls verurteilten ehemaligen Finanzchef von WorldCom, Scott Sullivan, deutlich überzogen. Sullivan war im August lediglich zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, nachdem er als Kronzeuge mit den Strafverfolgungsbehörden kooperiert hatte. Seine Aussagen waren der wichtigste Beweis gegen Ebbers. Ebbers selbst hatte immer seine Unschuld beteuert. Drei weitere, von der Verteidigung als Zeugen benannte Ex-WorldCom-Manager mussten nie vor Gericht aussagen.
Dass Richterin Jones den Jury-Mitgliedern empfohlen habe, sie könnten Ebbers auch dann schuldig sprechen, wenn sie zur Überzeugung gelangen, der ehemalige WorldCom-Chef habe eine Aufklärung der Bilanztricksereien absichtlich vermieden, obwohl ihm klare Anhaltspunkte für solche Vorgänge vorgelegen hätten, sei als großer Fehler zu werten, schreibt Ebbers-Anwalt Reid Weingarten in der Begründung für den Berufungsantrag. "Dieser unzulässige Anklagepunkt hat das Risiko geschaffen, dass die Jury zu einem Schuldspruch kommt, der lediglich auf der Annahme basiert, dass Ebbers von den Betrügereien hätte wissen müssen."
Der Staatsanwaltschaft, die eine Gefängnisstrafe von 85 Jahren für Ebbers beantragt hatte, bleibt nun Zeit bis zum 28. Oktober, auf den Antrag zu antworten. Zuletzt hatte ein New Yorker Bezirksgericht einer Vereinbarung zwischen Banken, Wirtschaftsprüfern und ehemaligen WorldCom-Managern zugestimmt, die vorsieht, dass rund 830.000 Personen und Institutionen, die zum Zeitpunkt des WorldCom-Zusammenbruchs im Besitz von Aktien und Anleihen des Unternehmens waren, insgesamt rund 6,1 Milliarden US-Dollar (knapp 5 Milliarden Euro) als Entschädigung zurückbekommen. (pmz)