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Was war. Was wird.

Ja genau: Der Rozz ist wieder fein raus, die Blacksy Blocksy angedisst, das hat auch Hal Faber mitbekommen. Da mag manch beduselter Beobachter wohl lieber Bill Gates ein "Hail to the Chief" zujubeln.

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Von
  • Hal Faber

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Oh meine Brüder, glaubt nicht dem Cheepooka, der in den Gazettas vom großen Drat an den hyperboräischen Gestaden verbeitet wird. Flaschdas ist das, Righty-Right! Der Drat muss nicht in das Schubse-Gepupe hineingetragen werden, sondern in die Gullivers. Das köstliche Klopping mit den Slemmie-Brats hat die Millicents gefreut, doch wars ein geheimer Sowjet vom großen Prodovat. Der Rozz ist wieder fein raus, die Blacksy Blocksy angedisst. Die Bugattis hinter dem Drahtgeteuse hats nicht gejuckt, nur unsere Droogs von der Zentralintelligentsija hätten die Pooshkas in die Messies gehalten, ordentliche Trollschocks gebend. Ihr Gunta-Bunta wird aber locker von unserem Sirius Business Park getoppt. Spatchka im Business Park, das ist echt Horrorshow, ist das. "Gefangenensammelstelle Industriestraße Rostock", da guffen die Ptitsas. Oh meine Brüder, feiern wir das mit viel Drencom und Synthemesc und dem Versprechen, die Heini-Heidis auch beim nächsten Drat ordentlich zu schlagnicken. Hebt die Hand zum Schwarzdeutschen Gruß mit abgestrecktem Finger.

*** Was als Satire gemeint war, entpuppt sich nach und nach als nicht besonders lustige Wahrheit. Genau wie sich die Angaben aus dem Kavalarienberg über hunderte von Verletzten auf überschaubare zwei Staatsdiener reduzierten, könnte sich die Geschichte vom Schwarzen Block beim G8-Gipfel als Märchen vom Bösen Wolf entpuppen. Das muss man feststellen können, ohne damit gleich die kloppe-kloppe-Romantik der autonomen Sicherungs-Mustermänner zu teilen. Doch das reflexartige Klappern der Politiker mit Rufen nach der GSG 9 bestätigt die These, dass Hooligans verkappte Spießer sind und umgekehrt, ein schlichter kultureller Flip-Flop.

*** Zu den Steinwürfen von Rostock gesellt sich der große Klima-Wurf von Heiligendamm, mit der vagen Aussicht, bis 2050 etwas gesenkt, gesteuert und gefesselt zu haben, was nicht mehr lenkbar ist und "HIV/Aids in Afrika weiter voranbringen zu wollen", was mindestens ein freudscher Übersetzungsfehler ist. Erhellender als alle großartigen Würfe ist diesmal niemand anderer als Bill Gates, ausgerechnet. Der bekannteste Studienabbrecher der Welt bemängelte bei der Übergabe des Ehrendoktors in Harvard, dass viel zu wenig über die Ungerechtigkeit und Ungleichheit in der Welt gelehrt wurde. Diese Erkenntnis ehrt Gates, genau wie die Formulierung "mit mehr als 30 Jahren Verspätung" das Kriechertum der deutschen Presse enthüllt. Eigentlich wollte ich es etwas herzhafter formulieren, doch am Tag des männlichen Arschlochs muss das nicht sein. Was die feingeistigen Herren der Zeit wohl daran erschreckend finden, dass auch ein Arsch Nerven hat?

*** Was ist die Luftnummer von Heiligendamm verglichen mit dem Drama, das sich in Haselhorn abspielte? In diesen globalisierungskritischen Tagen zeigt der Blick zu den Haselhörnern die ganze Tragik menschlicher Verstricktheit in die Technik. Den globalisiert heißt nicht nur, dass in China ein Sack Reis in unglaublich schlechter Luft umfällt, sondern der Big Bang bei uns in den Dörfern passiert. Auf einmal ist dann Steinfeld nicht nur vom Netz, sondern weg aus der niederdeutschen Tiefebene. Und niemand will es vorher gewusst haben, nicht mal der Club of Rome. Vielleicht segeln wir dann flott mit dem Geburtstagskind dieser Woche flott über Steinfeld Richtung Rügen.

*** Es geht voran. Personalausweise werden gemacht. Mit dem Fingerabdruck. Der Terror wird bekämpft. Mit dem Online-Trojaner. Die Lächerlichkeit dieser Maßnahme könnte man mit dem schrottigen Xpider illustrieren, ich tue es heute lieber mit der Fez-Cam. Eine Webcam verschickt Bilder aus dem Taubenschlag, in denen steganografisch weitere Informationen eingebettet sind. Der dynamisch hinzugerechnete Fez gibt Hinweise auf den Schlüssel, den man benutzen muss. Das ist wohlgemerkt nur ein fiktives Beispiel, in dem bewusst keine Webcam genannt wird, die von Terroristen benutzt wird, um einen Anschlag wie den in Kundus vorzubereiten.

*** Es geht voran in Deutschland. Die Zeitungen schreiben, dass die Arbeitslosigkeit bis auf einen Grundsockel beseitigt ist. Das sieht dann so aus. Die hellblaue Kurve nennen wir einfach mal den Kondensstreifen der Konjunktur und lassen ihn verdampfen, es gibt ja immer mal statistische Devianzen. Nur bei den Fachkräften muss man etwas mehr tun, vor allem, wenn man im Wettbewerb mit anderen Ländern auch zu einer Green Card greift. Das kann man noch toppen, wenn man eine elektronische Ausländerkarte einführt, komplett mit Fingerabdruck, über den sich heute die vergesslichen Blätter so furchtbar ereifern. Man schaue nur die gefühlte 13. Folge von Danny Ocean an und sieht sofort: Nur weil es den super fälschungssicheren Ausländerabdruck im sündigen Vegas nicht gibt, überlisten die lässigen Schönlinge den biometrisch ausgefuchsten Computer mit einem selbst erzeugten Erdbeben. Was für ein charmanter Terrorismus!

*** Wolf Lotter aus der Motzstr. 5 hat sich in Springers Postille Wel T-Online ganz mächtig über diese schrecklichen anonymen Blogger im Internet aufgeregt und Name, Adresse und den dafür nötigen Mut eingefordert. Sonst seien sie feige Gewalttäter wie der schwarze Block da oben an der Ostsee. "Ein Bürger hat einen Namen", schreibt Lotter und demonstriert damit, dass ein deutscher Bürger zwar einen Namen haben kann, aber eben auch keinen Verstand. Wahrscheinlich ist in den Augen eines Schönschreibers der digitalen Ökonomie ein Jens Daniel verdächtig oder ein Paul Carrell. Häufig genug ist es für jeden Menschen, der eine Meinung vertritt, richtig und wichtig, den Namen zu wechseln. Da mag er Journalist sein oder Blogger, jedenfalls nicht Autor eines Blattes, das unablässig Brands und Trends benamst wie Kinder ihre Kackhaufen, auf die ein wirrer Blogger verweist. Als junger Journalist schrieb ich viel für die c't wie auch für die längst verblichene mc. Alle Autoren, die bei "Onkel Heise" arbeiteten und gleichzeitig für "Tante Franzis" werkelten, bekamen die Namen damals prominenter Verbrecher. Ein Journalist, der Namen verlangt und offenlegen will, hat einfach zu viel in seinem Geruchsprobentüchlein gesnifft.

Was wird.

Das Klima wird geschützt, ganz klar. Verbindliche Schadstoffreduktionen sind leider noch nicht zu haben. Meine Kinder sind ebenso begeistert wie stinkend von der Ostsee heimgekehrt, 2050 werden sie alte Leute sein, im Felde unbesiegt. In der kommenden Woche jährt sich der Todestag Wernher von Brauns. Seine V2-Raketen trugen Schrecken und Tod nach London, wohin ein Teil meiner Sippe geflohen war. Mit den von diesem Herrn entwickelten Raketen sah ein Mensch – zumindest derjenige in US-Mission – aber auch erstmals die Erde aus dem Weltraum. Die Erkenntnis, wie verletzlich sie war, wurde als "unwissenschaftliche Bemerkung" abgeheftet. Hail to the Chief. (Hal Faber) / (jk)