FIRA Robot World Cup: schnell, aber ohne Vision

Der FIRA Robo Worldcup ist vor allem auf die BedĂĽrfnisse des koreanischen Marktes ausgerichtet, womit er eine ganz andere Philosophie verfolgt als der RoboCup. Das einzige deutsche Team ist bereits in der Vorrunde ausgeschieden.

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Von
  • Hans-Arthur Marsiske

Die Dortmund Droids haben ihr letztes Gruppenspiel auf dem groĂźen Feld der MiroSot-(Micro-Robot Soccer Tournament)-Liga mit 0:12 gegen das Team ICRO von der sĂĽdkoreanischen SungKyunKwan University verloren. Damit ist das einzige deutsche Team aus diesem Wettbewerb ausgeschieden. Lediglich die Erst- und Zweitplatzierten der beiden Gruppen kommen weiter.

Die Überlegenheit der Koreaner war deutlich zu erkennen. Sie bewegten sich schneller und fuhren seltener am Ball vorbei. Offenbar reicht eine Kamera wie die der Dortmunder, die lediglich 30 Bilder pro Sekunde aufnimmt, nicht mehr aus, um sich in dieser Spielklasse zu behaupten. Die Kamera von ICRO arbeitet mit etwa 100 Bildern pro Sekunde. Die Latenzzeit von der Aufnahme eines Bildes bis zur Ausführung eines daraus abgeleiteten Kommandos durch den Roboter liegt nach Auskunft eines Teammitglieds bei etwa zehn Millisekunden. Auch Vertreter anderer Teams nannten ähnlich fantastische Zahlen wie etwa 16 Millisekunden. Solche Werte sind schwer zu glauben. Immerhin liegen die besten Teams der von der Konstellation vergleichbaren Small Size League des RoboCup ungefähr beim zehnfachen Wert.

Mitglieder der Dortmund Droids beziffern die Latenzzeit ihres Systems mit 70 bis 90 Millisekunden. "Die meiste Zeit geht mit der Übertragung der Bilder von der Kamera zum Computer verloren", erklärt Christian Kintze. "Die eigentliche Bildverarbeitung dauert nur drei Millisekunden." Die Dortmunder verbinden Kamera und Computer mit einem Firewirekabel, andere Teams verwenden die schnellere, aber auch teurere CameraLink-Technik.

Auch auf dem Spielfeld der RoboSot-(Autonomous Robot Soccer Tournament)-Kategorie hat es heute erste Spiele gegeben. RSC Austria von der Technischen Universität Wien verlor 0:10 gegen das chinesische Team HIT vom chinesischen Harbin Institute of Technology. Es war allerdings ein sehr langsames, uninteressantes Spiel. Das Spielfeld ist deutlich kleiner als die angekündigten vier mal sechs Meter und wird von einer senkrechten Bande begrenzt. Diese Spielklasse liegt technisch weit hinter der entsprechenden Middle Size League des RoboCup zurück.

Die gegenüber dem RoboCup unterschiedliche Ausrichtung der verschiedenen Spielklassen ist eins der auffallendsten Merkmale beim FIRA Robot World Cup. Während beim RoboCup die Entwicklung in Richtung vollständiger Autonomie mit komplett in den Roboter integrierter Sensorik geht, stehen bei der FIRA die Ligen mit externer Sensorik im Vordergrund. Ein wesentlicher Grund dafür liegt in der Fokussierung auf den koreanischen Markt. Die FIRA-Turniere sollen helfen, möglichst bald die "Ein Haushalt - Ein Roboter"-Ära einzuläuten, wie die "Korea IT Times" schreibt. Dabei können sich die Koreaner auf eine hoch entwickelte Infrastruktur stützen. "In diesem Bereich ist Korea weltweit führend", sagt FIRA-Präsident Jong-Hwan Kim. "Auch andere asiatische Länder wie Japan oder Taiwan haben keinen vergleichbaren Ausstattungsgrad." Vier von fünf koreanischen Haushalten verfügen über Hochgeschwindigkeits-Internetzugänge, vier von fünf Koreanern besitzen internetfähige Mobiltelefone. Es ist daher nicht überraschend, dass Kim netzwerkbasierende Roboter anstrebt, die sich auf diese Infrastruktur stützen können.

Kims Vision für die nahe Zukunft ist der "Ubiquitous Robot", also der allgegenwärtige Roboter. Kim unterscheidet dafür drei Komponenten: den Software-Roboter (Sobot), den in die Umgebung integrierten (embedded) Roboter (Embot) und den mobilen Roboter (Mobot). Alle drei Komponenten wirken zusammen, sodass beispielsweise ein Nutzer per Mobiltelefon einen mobilen Roboter in seiner Wohnung steuern und sich mithilfe von dessen Kamera umsehen oder andere Daten abrufen kann.

Kim reklamiert für sich, im Jahr 1995 als erster die Idee des Roboterfußballs formuliert zu haben. Die Japaner hätten die Idee einfach übernommen und dank der Beteiligung mächtiger Konzerne wie Sony eine größere Medienaufmerksamkeit gefunden. Doch wem auch immer die Ehre zukommt, der Erfinder des Roboterfußballs zu sein: Den Erfolg des RoboCup lediglich mit der Unterstützung durch die Industrie zu erklären, greift jedenfalls zu kurz. Es ist vor allem die Vision des RoboCup, die überzeugt. Auf das Ziel, bis zum Jahr 2050 mit humanoiden Robotern den menschlichen Fußballweltmeister zu schlagen, kann man sich über politische und kulturelle Grenzen hinweg verständigen -- zumal die teilnehmenden Teams angehalten sind, nach der alljährlichen Weltmeisterschaft ihre Erfahrungen und Erkenntnisse auszutauschen, damit alle auf dem erreichten Niveau anknüpfen können.

Dem RoboCup ist es damit gelungen, einen ĂĽberzeugenden Rahmen fĂĽr nachhaltige Technikentwicklung zu schaffen. Welches Interesse sollten aber nicht-koreanische Teams daran haben, die koreanische Robotikindustrie voranzubringen und jeden koreanischen Haushalt mit einem Roboter auszustatten?

Zum FIRA Robot World Cup siehe:

Zu den Roboterfußball-Wettbewerben und der zugehörigen Forschung:

  • Mehr als nur FuĂźball, RoboCup-WM wird erstmals in Deutschland ausgetragen, c't 13/06, S. 98
  • KI auf dem FuĂźballfeld, Praktische Forschung bei der RoboCup-Weltmeisterschaft, c't 13/06, S. 102

Zur diesjährigen RoboCup-WM und den begleitenden Veranstaltungen:

Zur RoboCup-WM 2005:

Zur RoboCup-WM 2004:

Siehe zu dem Thema Robotik auch das c't-Roboterprojekt:

(Hans-Arthur Marsiske) / (atr)