FIRA Robot World Cup: Spannende Finalspiele

Nicht anders als bei der menschlichen FuĂźball-WM verdichtete sich auch beim Roboterturnier der FIRA in Dortmund zum Ende hin das Geschehen und stieg die Spannung.

vorlesen Druckansicht 10 Kommentare lesen
Lesezeit: 7 Min.
Von
  • Hans-Arthur Marsiske

Nicht anders als bei der menschlichen Fußball-WM verdichtete sich auch beim Roboterturnier der FIRA in Dortmund zum Ende hin das Geschehen und stieg die Spannung. Am letzten Spieltag standen sich weitgehend gleichwertige Teams gegenüber, so beim Halbfinale der MiroSot-Liga 5 gegen 5. Der Europameister TUKE Robotics aus der Slowakei unterlag erst in der Verlängerung durch ein Golden Goal gegen ICRO aus Südkorea.

Im Halbfinale MiroSot 11 gegen 11 war dagegen der amtierende Weltmeister Socrates aus Singapur von Anfang an klar überlegen und schlug die Ljubljana Dragons aus Slowenien mit 8:0. Denen gelang im Spiel um den dritten Platz gegen das chinesische Team HHUT von der Hohai University immerhin ein Ehrentreffer. Die Chinesen brachten den Ball allerdings sieben Mal über die Linie. Der Endstand von 7:1 entspricht auch den Spielanteilen. Auf dem kleinen Spielfeld 5 gegen 5 schaffte es das chinesische Team ebenfalls bis zum Spiel um den dritten Platz. Hier besiegte es TUKE Robotics aus der Slowakei nach Elfmeterschießen mit 2:1. Erst der letzte von fünf Strafstößen brachte die Entscheidung.

"Das kleine Spielfeld wird eigentlich nur noch beibehalten, um auch finanziell schwächer ausgestatteten Teams die Teilnahme zu ermöglichen", sagt Norbert Jesse, Cheforganisator der diesjährigen FIRA-WM. Er beziffert die Materialkosten für einen Roboter der MiroSot-Liga mit knapp 1000 Euro. Um Spiele 11 gegen 11 vorbereiten zu können, braucht ein Team 22 Roboter plus einige Reservespieler und muss ein Spielfeld inklusive Kameras aufbauen. "Wenn man über mehrere Jahre teilnehmen möchte, kommt man mit den Kosten schnell in den sechsstelligen Bereich", meint Jesse.

Viele Zuschauer sind auch am letzten Spieltag nicht gekommen, dafür sind es aber auch keine Zufallsgäste vom benachbarten Fanfest, das heute Pause hatte – die Zuschauer sind wirklich interessiert. Sie werden von dem kundigen Saalsprecher Lars Tepe vom Dortmunder Journalistik-Studiengang auf dem Laufenden gehalten, außerdem sind die Begegnungen mittlerweile klarer gekennzeichnet und der Spielplan wird an zentraler Stelle auf die Wand projiziert. Auf diese Weise lässt es sich bei den Finalspielen noch besser mitfiebern.

Bei den humanoiden Robotern gab es in diesem Turnier entgegen einer Ankündigung jedoch noch keine Teamspiele. Lediglich nach dem Turnier gab es ein Demospiel 3 gegen 3. Der eigentliche Wettbewerb bestand aus Wettläufen, Hindernisläufen, Laufen über unebenes Gelände sowie Strafstößen. Die Wettkämpfe wurden jeden Tag wiederholt. Von jedem Roboter wurden die jeweils zwei besten Ergebnisse gewertet, der Gesamtsieger nach einem Punktesystem ermittelt. Das Ergebnis ist keine Überraschung: Manus von der National University of Singapore stellte mit seinen überragenden Laufeigenschaften die Konkurrenz in den Schatten.

Jacky Baltes von der University of Manitoba, der diesen Wettbewerb organisiert hat, sieht in diesen Teildisziplinen die eigentliche Herausforderung für die humanoide Robotik. Die Anforderungen im Rahmen des FIRA Robot World Cup seien höher als beim RoboCup. "Den RoboCup-Teams wird vor dem Turnier ein Muster des Teppichs zugeschickt, mit dem die Spielfelder ausgestattet werden", sagt Baltes. "Die FIRA-Teams dagegen wissen nicht im Voraus, auf welchem Untergrund sich ihre Roboter bewähren müssen." Dieses Anpassungsvermögen an vielfältige unterschiedliche Bedingungen entspräche auch am ehesten der menschlichen Intelligenz. "Einen Roboter für eine spezielle Aufgabe zu konstruieren, ist nicht schwer", kommentiert Baltes. "Humanoide Roboter machen nur Sinn, wenn sie sich an verschiedene Umgebungen anpassen können." Im nächsten Jahr sollen beim Hindernislauf auch Hindernisse eingeführt werden, bei denen die Roboter sich bücken müssen, um darunter hindurch zu kommen.

Ohne ein Finalspiel fehlte den Humanoiden allerdings ein klarer Turnierhöhepunkt. Den stellten die MiroSot-Spiele. In der Klasse 5 gegen 5 begegneten sich zunächst die Teams ICRO aus Südkorea und Socrates aus Singapur. ICRO ging mit einem Vorsprung von 2:1 in die Halbzeitpause, doch Socrates gelang es in der zweiten Halbzeit zwei Minuten vor Schluss mit zwei schnellen Toren, das Spiel zu drehen. Endstand war 3:2 für die Roboter von Socrates, die damit erneut Weltmeister sind. Im Finale 11 gegen 11 ergab sich die gleiche Paarung. Wieder standen sich ICRO und Socrates gegenüber. Auf dem größeren Feld, vermutete Norbert Jesse, werde Socrates seine Stärke bei der Pfadplanung besser ausspielen können. Und so war es zunächst auch: Mit ihrer Fähigkeit, den Ball auf auch kurvigen Bahnen sicher kontrollieren zu können, erzielten sie bereits in der ersten Hälfte den Führungstreffer. Doch dann ging ICRO in der zweiten Hälfte mit zwei Toren in Führung. Erst acht Sekunden vor Ablauf der regulären Spielzeit gelang Socrates der Ausgleich. In der dreiminütigen Verlängerung musste dann ein Golden Goal entscheiden. Ein Treffer der Koreaner wurde nicht gewertet, weil zu viele Angreifer auf zu engem Raum beteiligt waren. Als kurz darauf Singapur den Ball im südkoreanischen Tor versenkte, war aber alles regelkonform. Also auch auf dem großen Feld ist Socrates erneut Weltmeister.

Die Finalspiele demonstrierten wieder einmal wie spannend und dramatisch RoboterfuĂźball sein kann. Vor allem aber hat diese FIRA-WM so kurz nach der RoboCup-WM dafĂĽr gesorgt, dass RoboterfuĂźball keine Exotenveranstaltung mehr ist, sondern lebendige, auch fĂĽr die Zuschauer attraktive Wissenschaft.

Zum FIRA Robot World Cup siehe:

Zu den Roboterfußball-Wettbewerben und der zugehörigen Forschung:

  • Mehr als nur FuĂźball, RoboCup-WM wird erstmals in Deutschland ausgetragen, c't 13/06, S. 98
  • KI auf dem FuĂźballfeld, Praktische Forschung bei der RoboCup-Weltmeisterschaft, c't 13/06, S. 102

Zur diesjährigen RoboCup-WM und den begleitenden Veranstaltungen:

Zur RoboCup-WM 2005:

Zur RoboCup-WM 2004:

Siehe zu dem Thema Robotik auch das c't-Roboterprojekt:

(Hans-Arthur Marsiske) / (jk)