Börsenexperte: Siemens droht Umsatz-Delle durch Skandalserie
"Gerade im Ausland wollen Regierungen oder staatliche Behörden bei der Vergabe wichtiger Aufträge nicht mit einer Firma in Verbindung gebracht werden, die unter Korruptionsverdacht steht", sagte Wolfgang Gerke.
Deutschlands größtem Elektrokonzern Siemens droht nach Einschätzung des Banken- und Börsenexperten Wolfgang Gerke wegen der jüngsten Skandalserie möglicherweise eine "Umsatz-Delle". Vor allem bei staatlichen Auftraggebern bestünden wegen der Korruptionsvorwürfe "Berührungsängste" gegenüber Siemens, sagte Gerke am Donnerstag im Umfeld der Siemens-Bilanzvorstellung in einem dpa-Gespräch. "Gerade im Ausland wollen Regierungen oder staatliche Behörden bei der Vergabe wichtiger Aufträge nicht mit einer Firma in Verbindung gebracht werden, die unter Korruptionsverdacht steht", sagte Gerke.
Bei Privatunternehmen dürften solche Vorbehalte dagegen geringer ausgeprägt sein. "Dort stehen in erster Linie Preis und Qualität von Produkten im Vordergrund. Aber natürlich spielt auch das öffentliche Image eines Auftragnehmers eine gewisse Rolle", sagte der frühere Professor für Bank- und Börsenwesen. Langfristig würden sich allerdings die guten Produkte und guten Mitarbeiter am Markt durchsetzen. "Das macht die ökonomische Stärke von Siemens aus." Der Markt vergebe relativ schnell.
Am stärksten hat das Image von Siemens nach Gerkes Ansicht unter dem unrühmlichen Niedergang der Handy-Sparte mit dem überraschenden Aus von BenQ Mobile gelitten. Dabei sei vor allem unter den Siemens- Mitarbeitern ein Flurschaden entstanden. "Der Siemens-Vorstand hat es nicht verstanden, nach Innen zu informieren." Die Führung hätte den Mitarbeitern schon beim Verkauf der Handy-Sparte an BenQ reinen Wein einschenken und in vollem Umfang über die Vertragsgestaltung informieren müssen. Hier sei Siemens offenbar nicht an einem offenen Prozess interessiert gewesen. (dpa) / (jk)