Midem: Google und Facebook buhlen um die Musikindustrie

Google, YouTube und Facebook versuchten sich auf der Musikmesse Midem mit fetten Zahlen zu ihren Musikangeboten gegenseitig zu ĂĽberbieten und priesen sich den mehr oder weniger skeptischen Rechteinhabern an.

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Google, YouTube und Facebook versuchten sich auf der Musikmesse Midem im französischen Cannes mit fetten Zahlen zu ihren Musikangeboten gegenseitig zu überbieten und priesen sich den mehr oder weniger skeptischen Rechteinhaber als Partner fürs große Geschäft mit der Musik an. Labels und Verwertungsgesellschaften haben jedoch weiterhin Vorbehalte. Zwar räumte Rob Wells von Universal ein: "Solange die Leute noch zu illegalen Angeboten gehen, ist der Markt nicht wirklich befriedigt."

Google Music, das nach eigenen Angaben Partnerschaften mit drei der vier großen Labels, aber auch mit dem Indie-Dachverband Merlin hat, nannte 215 Millionen aktivierte Android-Accounts und täglich 700.000 neuen Musik-Kunden. "Wir haben hier eine bislang einfach schlecht bediente Kundschaft", sagte Zahava Levine, Chefin für Android-Content-Partnerschaften bei Google. Unter anderem hapere es an der Integration und auch der Rechteeinkauf sei immer noch komplizierter als nötig. Levine warb damit, dass Nutzer, die Titel in ihren Google-Music-Dienst hochladen, auch mehr Musik gekauft hätten.

Facebook-Vizepräsident Dan Rose versicherte, dass man an Facebook-Nutzer, die niemals Musikinhalte angeklickt hätten, entsprechende Angebote auch nicht verbreiten würde. "Wir liefern euch die richtigen Zielgruppen" lautet hier ganz offenbar die Karotte für Musiklabels und Verwerter. Rose wucherte auch mit seinen Zahlen: Fünf Milliarden Songs seien in den ersten vier Monaten ausgetauscht worden, seit dem das gemeinsame Musikhören über Facebook via Spotify und Deezer möglich ist.

YouTube und die Suchmaschinen sind besonders im Visier der Rechteinhaber. Gema-Chef Harald Heker hatte auf der Midem die Verantwortung der Suchmaschinen für das Auffinden illegaler Downloads betont. Im Vereinigten Königreich wird derzeit eine Selbstverpflichtung (PDF-Datei) für Suchmaschinen diskutiert, nach dem Links zu unlizensierten Inhalten schlechter gerankt werden sollen. Zudem sollen Angebote, die von einem Gericht als urheberrechtswidrig eingestuft wurden, aus den Suchindizes gelöscht werden.

Stimmung machten Rechteinhaber auch gegen Cloud-Angebote zum Abspeichern von Musik ("Locker"). Da legal beschaffte Stücke zusammen mit illegalen Stücken in den Speicherwolken verschwänden, würden Raubkopien legalisiert – die Speicherangebote seien so etwas wie Geldwaschanlagen, geht die Klage in der Branche. Zum anderen überlegen die Verwertungsgesellschaften, ob sie für Abrufe der gespeicherten Songs Gebühren kassieren können.

Zwar das Erstellen der Kopie für den Locker in den USA von der Fair-Use-Klausel im Copyright gedeckt, sagte Richard Conlon von der US-Verwertungsgesellschaft BMI. Allerdings werde zusätzlich zum eigenen Abruf aus den Speichern ja häufig Musik ausgetauscht. Für Europa sagte Conlons französischer Kollege Thierry Desurmont, die zusätzliche Kopie für den Locker und die Abrufe seien im Sinne der Privatkopieregelung zu berücksichtigen. Müssen Kunden am Ende nicht nur ein Stück kaufen, und über die Geräteabgabe die Privatkopie abgelten, sondern auch noch ein drittes Mal für den Cloud-Service bezahlen? Darüber dürfte noch zu diskutieren sein. (vza)