Warum der Peugeot 208 der Star in Genf ist
Jahrelang wurden Auto-Neuheiten stets größer und schwerer als ihre Vorgänger, auch bei Peugeot. Ausgerechnet die Franzosen denken jetzt um – und so ist der geschrumpfte 208 der heimliche Star des Genfer Autosalons 2012.
- Martin Vogt
Es gibt die immer gleichen Fragen nach jeder Automesse: 1. Wie war es? 2. Welchen Trend gibt es? 3. Was ist DAS Auto der Messe? Genf 2012 – das war erstens anstrengend wie immer, weil viele Menschen und viele Scheinwerfer die Hallen aufheizen und weil der zweite sogenannte Pressetag faktisch immer mehr zum Händler- und Edelkundentag mutiert, an dem Schnurrbart-, Krokostiefel und Gelbgolduhren tragende Autoenthusiasten die Stände belagern. Zweitens bieten die beiden Messehallen ebenso viele Trends wie Autos – vom Audi A3 bis zum 1200 PS starken Bugatti Veyron 16.4 Grand Sport Vitesse. Die dritte Frage ist die komplexeste, weil ihre Antwort von der eigenen Perspektive abhängt: Sensationalisten nennen den offenen Bugatti mit Spitze 415 km/h – der schnellste Roadster der Welt. Unter dem Aspekt von Absatz und Marktperformance hat die neue A-Klasse für Mercedes eine immense Bedeutung, Ästheten benennen möglicherweise das Gran Coupé von BMW als Messehighlight.
Verfettete Autos sprengen die ParklĂĽcken
Der Peugeot 208 ist leichter und kürzer als sein Vorgänger - ohne Abstriche bei der Sicherheit oder dem Platzangebot zu machen.
(Bild:Â Peugeot)
Zur Entwicklung einer alternativen These genügt die automobile Anreise zum Genfer Salon: In der Schweiz, deren Überwachung des 120-km/h-Tempolimits totalitäre Züge aufweist, wirkt jedes Auto mit dreistelliger PS-Zahl ähnlich deplatziert wie ein Rennpferd im Schrebergarten. Jämmerlich der Sportwagen-Pilot, der seinen 30-Meter-Sprint auf Tempo 150 vermutlich als nonkonformistischen Heldenmut begreift. Deutlich ärgerlicher ist da schon der Geländewagen im Parkhaus, dessen Gummiwalzen sich eindeutig neben der Markierung seiner eigenen Parkbucht befinden. Den monströsen Abmessungen des Gefährts sind die Einparkfähigkeiten des Fahrers ganz offensichtlich nicht angemessen. Jede Wette: Dessen vorvorletztes Fahrzeug war kleiner und passte komplikationslos auf die üblichen Parkflächen, die die Betreiber ja auch kaum mit jeder Fahrzeugeneration per neuem Pinselstrich verbreitern können.
Der heimliche Star in Genf ist deswegen Peugeots 208, weil er mit den scheinbaren Gesetzmäßigkeiten der Branche bricht. Danach wurden neue Modelle grundsätzlich größer und meistens auch deutlich schwerer. Das wird bis heute verblüffend zaghaft und eher alibihalber kritisiert, weil meistens Platzangebot und Crashsicherheit steigen und der Neue einen Ticken weniger verbraucht.
Dabei sind die Zusammenhänge eindeutig: Mehr Gewicht bedeutet, dass die Fortschritte beim Verbrauch kleiner ausfallen, als sie technisch könnten. Wer ein paar Kilogramm abnimmt, tut sich auf seiner Joggingrunde ja auch leichter, im wahrsten Sinne des Wortes. Und mehr Größe bedeutet einen steigenden Bedarf an Verkehrsfläche, die aber gegeben und begrenzt ist. Nebenwirkungen: Einparken wird zum Missvergnügen, die linke Spur in vielen Baustellenbereichen auf Autobahnen bleibt tabu, will sich der Fahrer nicht illegal verhalten. Schon viele Autos der Golfklasse messen mehr als zwei Meter Breite - und sprengen damit das übliche Limit.
Peugeot hatte an dieser Größen- und Gewichtsspirale lange fröhlich mitgedreht und seine Kleinwagen-Baureihe im Jahre 2006 zu einem bedenklichen Höhepunkt geführt. Mit plus zehn Zentimetern Fahrzeugbreite und sogar plus 20 Zentimetern Länge wuchs der 206 zum 207. Dessen Cabrio wog absurde 1,5 Tonnen.
Der 208 hat abgespeckt
Der Peugeot 207 CC wiegt mit rund 1,5 Tonnen soviel wie ein BMW 318i Touring.
Selbst die stolzen Gallier haben nun erkannt, dass es so unmöglich weitergehen konnte – und steuern gegen: Ein Zentimeter ist der Peugeot 208 schmaler, rund sieben Zentimeter kürzer. Weil sein Radstand gleich blieb, bietet er aber innen nicht weniger Platz. Im Gegenteil verspricht der Hersteller etwas mehr Raum für die Knie der Fondpassagiere und 15 Liter mehr Kofferraum. Die Basisversion mit Dreizylinder-Benziner speckt im Vergleich zum schwächsten 207 um 110 Kilogramm auf 975 ab, maximal sinkt das Gewicht um 175 Kilogramm, verspricht der Hersteller. Wie das? Peugeot schrumpfte die Überhänge hinten und vor allem vorne, weil weiterentwickelte Crashboxen und festere Stähle weniger Gewicht und einen kompakteren Vorderwagen bei mindestens konstanter Crashsicherheit erlauben.
Und den Vorgänger 207? Den verfetteten Kleinwagen ereilt die Höchststrafe – er läuft aus, während sein Vorgänger, der längst zum Plus gefacelifte 206, nach wie vor im Programm bleibt. Weniger ist eben bisweilen mehr – weniger Gewicht und Größe und mehr Platz innen. Das sollte ein Trend werden.
(mav) (mfz)