CSS soll gebrannte DVDs aus Online-Angeboten schützen

Hollywood-Studios und Technikfirmen haben sich laut Brancheninformationen darauf geeinigt, das Brennen legal aus dem Netz geladener Filme mit dem Standard-Verschlüsselungssystem für DVDs abzusichern.

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Hollywood-Studios und Technikfirmen haben sich darauf geeinigt, das Brennen legal aus dem Netz geladener Filme mit dem CSS-Verschlüsselungsstandard für DVDs abzusichern. Dies berichtet der Branchendienst Video Business. Mit dem Einsatz des vergleichsweise schwachen Content Scrambling System (CSS) soll gewährleistet werden, dass die selbst gebrannten Silberscheiben problemlos auf allen gängigen Abspielgeräten laufen. Neuere und stärkere Kopierschutzverfahren wie fluxDVD der deutschen Firma Ace, das die Videoplattform CinemaNow einsetzt, konnten sich bei den langwierigen Verhandlungen nicht durchsetzen. Für CSS hatte sich vor allem die Geräteindustrie stark gemacht. Die Hardwarefirmen fürchteten, andererseits bei Abspielproblemen mit DVDs als erste haftbar gemacht zu werden.

Die Hollywood-Studios hatten zuvor monatelang darauf bestanden, dass die so genannten Download-and-Burn-Dienste über höhere Sicherheitsfunktionen verfügen, als sie CSS bietet. Diese hätten dann in alle Geräte implementiert werden müssen, die sich zum Brennen heruntergeladener Dateien eignen. Im Gespräch waren verbesserte Formen der CSS-Authentifikationsmethode sowie eine Funktion zum Erkennen von Wasserzeichen im Videomaterial, mit denen Originale von illegalen Kopien unterschieden werden könnten. Präzise Verfahren zur Aufrüstung von CSS soll die Filmbranche jedoch nicht vorgelegt haben. So hätte es vermutlich noch Monate oder Jahre gedauert, bis ein konkretes Verfahren reif für die Standardisierung gewesen wäre. Die Anbieter vieler legaler Film-Download-Dienste halten es aber für essenziell, ihren Kunden baldmöglichst auch das Brennen der erstandenen Videos auf DVD zu ermöglichen. Sie übten daher neben den Hardwarefirmen Druck auf die Filmverleiher aus.

CSS baut auf einem propietären kryptographischen Verfahren auf, das sich bereits kurz nach seiner Einführung 1999 als unsicher herausstellte und mit Brute Force in kürzester Zeit geknackt werden kann. Auch die Rücknahme von Schlüsseln, die als kompromittiert gelten, gestaltet sich schwierig. An dieser CSS-Schwachstelle setzte die Software DeCSS an, die unter anderem vom Norweger Jon Johansen entwickelt wurde. Einmal geknackt, konnte die CSS-Verschlüsselung auch bei anderen DVDs einfach umgangen werden. Das Verfahren AACS soll ein solches Desaster für die Filmindustrie bei den DVD-Nachfolgern Blu-ray Disc und HD DVD verhindern, weist aber auch bereits Lücken auf.

Beim legalen Brennen von Video-DVDs will die Branche dagegen generell ein Auge zudrücken und die Schutzvorkehrungen aus pragmatischen Gründen niedrig halten; wie dies technisch im Detail mit CSS bei handelsüblichen Brennern für Endverbraucher funktionieren soll und ob möglicherweise spezielle DVD-Rohlinge entwickelt werden, darüber ließen sich die Beteiligten bislang in der Öffentlichkeit nicht weiter aus. Vermutlich baut die Industrie aber auch darauf, dass der in Ländern wie den USA oder Deutschland bestehende zusätzliche rechtliche Schutz technischer Kopierschutzverfahren Nutzer vom illegalen Brennen abschreckt. Kommerzielle Implementierungen von Download-and-Burn-Angeboten dürften abgesehen von den Möglichkeiten über Dienste wie CinemaNow und auch Movielink.com trotz der prinzipiellen Einigung innerhalb der verschiedenen Branchen noch einige Monate auf sich warten lassen. So müssen das Verfahren etwa noch das DVD Forum und die DVD Copy Control Association absegnen.

Auch bei der deutschen Video-Download-Site in2movies, die Warner Bros. gemeinsam mit dem Bertelsmann-Ableger arvato mobile seit April betreibt, erwärmt man sich angesichts der Entwicklungen in Hollywood zögerlich für eine Erweiterung des Angebots um eine Brenn-Option. "Wenn sich ein Industriestandard etabliert, der alle Qualitäts- und Sicherheitsstandards berücksichtigt, ist in2movies sehr aufgeschlossen, diese Möglichkeit ebenfalls anzubieten", erklärte Geschäftsführerin Kathrin Brunner gegenüber heise online. Ihr Haus werde den Vorstoß von Movielink und CinemaNow sowie die allgemeine Tendenz in der Branche "mit großem Interesse" verfolgen. (Stefan Krempl) / (jk)