Microsoft weicht nach Kanada aus

Mit der GrĂĽndung eines neuen Software-Entwicklungszentrums im kanadischen Vancouver reagiert der Konzern auf die anhaltend strengen Einwanderungs- und Aufenthaltsbestimmungen der Vereinigten Staaten.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

Der US-Softwarekonzern Microsoft hat die Gründung eines neuen Entwicklungszentrums im kanadischen Vancouver beschlossen. Wichtigste Eigenschaft des neuen Standorts: Obwohl nur rund 240 Kilometer vom Headquarter in Redmond (US-Bundesstaat Washington) entfernt, unterliegen die künftig im Südwesten von Britisch-Kolumbien arbeitenden Microsoft-Angestellten nicht den strengen Einwanderungs- und Aufenthaltsbestimmungen der Vereinigten Staaten. Probleme bereiten dem Software-Multi insbesondere die weiterhin stark begrenzten Jahresvolumina an so genannten H1-B-Visa, die es qualifizierten Arbeitnehmern aus dem Ausland ermöglichen, für mindestens drei Jahre in den USA zu arbeiten. Zwei Initiativen zur Reformierung der US-Einwanderungsbestimmungen waren zuletzt im Kongress gescheitert.

Microsoft-Gründer Bill Gates hatte sich wiederholt selbst in Washington D.C. für eine deutliche Ausweitung der H1-B-Visum-Vergabe eingesetzt. Bei einer Anhörung des Senatsausschusses für Gesundheit, Bildung, Arbeit und Renten warnte Gates im März davor, dass Microsoft in diesem Jahr erstmals nicht genügend Visa für Hochschulabsolventen werde beschaffen können. Das Kontingent der H1-B-Visa für 2007 sei bereits längst erschöpft, wenn das neue Microsoft-Geschäftsjahr Anfang Juli beginne. 2008 werde sich die Lage noch weiter verschärfen. "Öffnet unsere Türen für hochtalentierte Wissenschaftler und Ingenieure, die hier leben, arbeiten und Steuern zahlen wollen", verdeutlichte Gates. Fähige Köpfe würden sonst woanders beschäftigt.

Das neue Software-Entwicklungszentrum in Vancouver mit mehreren hundert Arbeitsplätzen soll im Herbst eröffnet werden. In Kanada beschäftigt der Konzern bislang rund 900 Mitarbeiter, die meisten davon im Großraum Toronto, wo Microsoft Canada seinen Hauptsitz hat. "Der neue Standort ermöglicht uns, hoch qualifizierte Leute einzustellen, von denen zwar viele in den Vereinigten Staaten studiert haben, die wegen der Einwanderungsbestimmungen aber keine Arbeitserlaubnis für die USA erhalten", erklärte Microsoft-Sprecher Lou Gellos. Ausländische Forschungs- und Entwicklungszentren unterhält der Konzern unter anderem in Dänemark, Israel, Indien, China, Irland, Großbritannien, der Schweiz und in Aachen. (pmz)