Peking: Daimler-Chef Zetsche glaubt weiter an Elektroautos

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  • Gernot Goppelt

Nach der anfänglichen Euphorie über Chinas ehrgeizige Pläne für Elektrofahrzeuge auf dem größten Automarkt der Welt macht sich Ernüchterung breit. "Wir sollten nicht so hohe Erwartungen haben", sagt Cui Dongshu, Vizegeneralsekretär der chinesischen Vereinigung für Personenwagen, der Nachrichtenagentur dpa auf der Pekinger Automesse. "Die Probleme, mit denen wir konfrontiert werden, sind sehr kompliziert." Vor allem die Kosten seien noch immer viel zu hoch.

(Bild: Daimler)

"Der Markt für Elektroautos hat sich langsamer entwickelt als noch vor ein paar Jahren erwartet", stellt auch der Vertriebsvorstand von BMW, Ian Robertson, fest. "Der Hype flacht deutlich ab", sagt Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Die Elektromobilität habe sich in China "deutlich langsamer entwickelt als von nahezu allen vermutet". Von solchem Pessimismus will sich Mercedes aber nicht anstecken lassen. Daimler-Chef Dieter Zetsche sieht auch nur "psychologische Wellen". In Peking stellten die Stuttgarter mit dem chinesischen Autobauer und Batterieproduzenten BYD (Build Your Dreams) das Konzept des ersten gemeinsam für China entwickelten Elektroautos vor: Denza heißt der futuristische Viertürer auf der Basis der kompakten B-Klasse, auf chinesisch Tengshi – übersetzt so viel wie "aufsteigende Macht". Zetsche weist alle Unkenrufe zurück, dass es zu schwierig sei oder sich die Regierung in Peking angeblich von Elektroautos abwende. "Wir glauben nicht daran, und wir haben niemals daran geglaubt." Chinas Regierung stehe voll hinter den Plänen. Die Elektromobilität werde mit finanziellen Anreizen sowie Möglichkeiten, Fahrverbote oder Zulassungsbeschränkungen zu umgehen, gefördert - mehr als in irgendeinem anderen Land der Welt. "Wenn wir 20 Jahre in die Zukunft blicken, werden wir ohnehin keine andere Wahl haben", sagt Zetsche und verweist auf knappe Ölreserven und Emissionsverringerung.

"Natürlich gibt es Hindernisse, aber wir versuchen unser Bestes, um diese zu überwinden." Hier sei "Hartnäckigkeit" gefordert: "Das ist ein Marathon." Zu den Kosten für den Denza wollte Zetsche nichts sagen. Chinesische Medien spekulierten, er könne um die 400.000 Yuan, rund 48.000 Euro, oder auch mehr kosten. Käufern winkten rund 120.000 Yuan Zuschüsse. Mit einer Batterieladung lässt sich der Denza etwa 200 bis 250 Kilometer weit fahren. Autoexperten sehen aber noch nicht den großen Wurf. "Ein neues Kapitel der Elektrofahrzeuge wird mit dem Denza – jedenfalls in technischer Sicht – nicht aufgeschlagen." Der Denza werde aber testen, wie China mit dem Elektroauto weitermache. Zetsche sieht sich auf jeden Fall als Wegbereiter. Denn wie Daimler arbeiten auch andere Autokonzerne wie Volkswagen oder BMW an Elektromodellen für China, halten sich aber mit ihren Konzepten noch bedeckt.

Allzu große Hoffnungen dämpft aber auch der Unternehmensberater McKinsey, der rein batteriebetriebene Autos "erst nach 2020" für wettbewerbsfähig hält. "China braucht eine neue Elektroauto-Strategie." Als Zwischenlösung empfiehlt McKinsey die Range-Extender-Technologie. Das sind Plug-In-Hybrid-Fahrzeuge, bei denen ein kleiner Motor ausschließlich Energie zur Aufladung der Batterie erzeugt - anders als bei den gängigen Hybrid-Autos, die mit einem Benzin- und einem Elektromotor zwei Antriebe haben. "Das größte Problem ist aber der Markt", sagt der chinesische Autoexperte Jia Xinguang von der China Automobile Consulting Corporation der dpa. Die Autofahrer hätten bisher wenig Anreiz, ein Elektrofahrzeug zu kaufen. "Es heißt, sie sind umweltfreundlich, aber sie sind teuer und lästig im Einsatz", sagt Jia Xinguang. "Außerdem wissen die Leute wenig über Elektroautos. Es gibt viele Zweifel." (ggo)