Hewlett-Packards Chefanwältin tritt zurück
Chefanwältin Ann Baskins ist kurz vor einer Kongressanhörung plötzlich zurückgetreten und machte vor dem Ausschuss von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.
Der Schnüffel-Skandal bei Hewlett-Packard hat weitere personelle Konsequenzen. Chefanwältin Ann Baskins ist am heutigen Donnerstag kurz vor ihrer erwarteten Aussage vor einem Untersuchungsausschuss des US-Kongresses mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Vor dem Ausschuss machte Baskins anschließend von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Nach der US-Verfassung kann die Aussage vor Gericht oder dem Kongress verweigert werden, wenn sich der Aussagende selbst belasten würde.
Die Juristin ist in den Schnüffelskandal verwickelt, der den Computerhersteller seit Wochen erschüttert. Externe Ermittler hatten sich auf der Suche nach einem Informationsleck im Aufsichtsrat des Unternehmens die Telefondaten verschiedener HP-Mitarbeiter, Aufsichtsratsmitglieder und Journalisten mit möglicherweise illegalen Mitteln verschafft. Baskins hatte einem internen Bericht zufolge Kenntnis der Vorgänge und war über die zwei Jahre währenden Ermittlungen immer informiert worden.
Zuvor war auch die Aufsichtsratschefin Patricia Dunn wegen ihrer Verwicklung in die Affäre zurückgetreten. Zunächst wollte Dunn weiter Mitglied des Gremiums bleiben und nur den Vorsitz im Januar 2007 abgeben, hatte den Aufsichtsrat dann aber unter zunehmendem Druck mit sofortiger Wirkung verlassen. Dunn hatte angekündigt, vor dem in diesen Minuten tagenden Ausschuss auszusagen. In ihrer vorab schriftliche veröffentlichten Aussage erklärte die ehemalige Aufsichtsratschefin, ihr sei versichert worden, die Ermittlungen seien legal. Dunn erklärte weiter, sie gehe davon aus, dass HP-Finanzchef Bob Wayman die Aktionen abgesegnet habe. US-Medien zufolge hat HP eine Beteiligung Waymans dementiert.
Im Laufe der vergangenen Woche haben auch die maßgeblich an den Ermittlungen beteiligten HP-Manager Kevin Hunsaker und Anthony Gentilucci das Unternehmen verlassen. Hunsaker, Gentilucci und die beteiligten Privatdetektive verweigerten vor dem Ausschuss ebenfalls die Aussage. Mit Spannung wird insbesondere die Aussage von HP-Chef Mark Hurd erwartet.
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