Wechsel-Balg: Elektroroller mit Wechselbatterie
Die Idee der Wechselbatterien scheint sich bei Elektroautos nicht durchzusetzen. Jetzt bietet der Rollerhersteller Govecs ein Modell mit Wechselakku an: Der Akku des GO! S1.4 lässt sich am Henkel mit in die Wohnung nehmen
- Gernot Goppelt
München, 28. August 2012 – Beim Wort „Wechselbatterie“ werden manche spontan an das BetterPlace-Konzept denken, bei dem an großen Umschlagstationen die Batterien von Elektroautos getauscht werden. Die Idee war, so die kurzen Reichweiten der Elektroautos zu kompensieren, doch es sieht derzeit nicht danach aus, dass sie im großen Stile umgesetzt wird. Autos benötigen Batterien, die in der Regel deutlich über 100 Kilogramm wiegen und sehr voluminös sind, die Wechselstationen müssten das Format und die Infrastruktur kleiner Umschlagbahnhöfe haben. Zudem müssen Autos konstruktiv auf ein Wechselkonzept ausgelegt werden und dies zu allem Überfluss auch noch nach gemeinsamen Standards.
15 Kilogramm am Henkel
Erfolgversprechender wirkt ein neues Konzept des Rolleranbieters Govecs, dessen neues Modell GO! S1.4 mit Wechselbatterie angeboten wird. Die 15 Kilogramm schwere Lithium-Ionen-Batterie mit etwa 1,5 kWh Energieinhalt ist unter dem "Trittblech" untergebracht. Dessen Oberfläche lässt sich leicht hochklappen, um die Batterie an ihrem Tragegriff herauszunehmen. So kann man sie mit in die Wohnung oder das Büro nehmen und sie dort aufladen. Nach einer Stunde soll sie zu 80 Prozent wieder geladen sein, die Komplettladung dauert zwei bis drei Stunden.
Wechsel-Balg: Elektroroller mit Wechselbatterie (3 Bilder)

Govecs GO! S1.4 mit Wechselbatterie kostet 4959 Euro.
15 Kilogramm sind zwar kein Pappenstiel, aber für kürzere Laufwege akzeptabel. Der große Vorteil des Konzepts ist aber, dass man sich einen Zweitakku kaufen kann, um so die Idee der „Wechselbatterie“ im kleinen Rahmen umzusetzen. Gerade für Pizzaboten oder ähnliche Kleingewerbe ist das eine interessante Möglichkeit, die bescheidene Reichweite von 35 bis 50 Kilometer ein wenig aufzubohren. Ebenfalls von Vorteil ist die Lösung für Privatkunden, die vor dem Haus oder im Hinterhof keine Lademöglichkeit haben, was in der Stadt die Regel ist.
Interessant fĂĽr Lieferdienste
Der Govecs GO! S1.4 kostet 4959 Euro und damit gut doppelt so viel wie ein vergleichbarer Roller mit konventionellem Antrieb. Das lässt sich für Privatleute durch den niedrigen Strompreis kaum wieder hereinfahren, im gewerblichen Bereich kann die Rechnung anders aussehen. Allerdings wäre da ja noch die Zweitbatterie einzuplanen, sie kostet brutto 1655 Euro. Die „erwartete Lebensdauer“ der Batterie beziffert Govecs mit 50.000 Kilometer, damit ist allerdings keine gesonderte Garantie verbunden. Eine erweiterte Garantie auf 48 Monate muss gesondert erworben werden.
Ein billiges Vergnügen ist der GO! S1.4 sicher nicht. Wie andere Elektroroller bietet der Govecs allerdings einen Vorteil, der manchem Privatkunden Kunden einen höheren Preis wert sein kann: Sein Drehmoment von 54 Nm treibt ihn aus dem Stand kräftig an und er bleibt unter allen Umständen sehr ruhig. (ggo)