Allradhecktriebler
Bisher waren die Limousinen von Jaguar als agile Hecktriebler bekannt, nun haben ihnen die Ingenieure mit großem Aufwand nachträglich einen Allradantrieb von Magna eingepflanzt. Ob sich das gelohnt hat? Wir haben XF und XJ als AWD-Modelle bei winterlichen Verhältnissen gefahren
Salzburg, 21. Februar 2013 – In einem knapp 100.000 Euro teuren Jaguar rückwärts einen vereisten Schneehang hinunterzubrettern, kostet Überwindung. Wenn dann der Instruktor einem auch noch "Fuß von der Bremse!" zuruft, wird einem mulmig. Warum diese Übung? Die Modelle XF und XJ gibt es nun auch mit Allradantrieb, der unter winterlichen Extrembedingungen seine Kompetenz beweisen soll.
Kompetenz von der Schwester und aus Ă–sterreich
Mit Bedacht befinden wir uns in einer gestellten Situation auf einem Testgelände des ÖAMTC. Und wie erwartet, misslingt das Manöver – voller Absicht, aber ohne Schaden. Ohne Allradantrieb und Dynamischer Stabilitätskontrolle hilflos bergab sausend haben wir den Unterschied zum 2WD-Jaguar ganz direkt erfahren.
Allradhecktriebler (27 Bilder)

Die Jaguar-Limousinen XF (rechts im Bild) und XJ gibt es ab sofort mit Allradantrieb.
Es ist ja schon praktisch. Jaguar kann seine hinterradgetriebenen Limousinen mit tatkräftiger Unterstützung der Allradprofis von der Schwestermarke Land Rover fit für Kitzbühel und St. Anton machen. Zulieferer für das Herzstück des Allradantriebs, das Verteilergetriebe, ist Magna. Von ZF kommt übrigens das Achtstufen-Automatgetriebe. Obwohl wegen des primären Heckantriebs der Jaguare ein klassischer, permanenter Allradantrieb möglich gewesen wäre, verzichtet man zugunsten einer elektrisch betätigten Lamellenkupplung auf die Vorteile eines mittleren Differenzials. Damit liegt man technisch nahe beim xDrive von BMW. Zur Beruhigung aller, die beim Gedanken an einen allradgetriebenen Jaguar die Augenbrauen hochziehen, sei gesagt: Dank variabler Kraftverteilung muss auf den typischen Heckantriebscharakter nicht verzichtet werden. Bei normalen Straßenbedingungen leitet der Allradantrieb das Drehmoment zu 100 Prozent an die Hinterachse. Nur beim Anfahren bis zehn km/h wird die Vorderachse mit Kraft versorgt, um ein möglichst zügiges Beschleunigen aus dem Stand zu ermöglichen. Danach gehen die Allrad-Briten so fahrdynamisch um die Kurven, wie man es am Hecktriebler schätzt.
Sensoren im Hintergrund
Im Hintergrund behalten Sensoren aber immer den Grip im Blick. Droht Schlupf, wird das Drehmoment präventiv nach vorne verlagert. Bis zu 50 Prozent können dabei der Vorderachse zugeteilt werden. Jaguar schreibt das auch so, im Gegensatz zu vielen anderen prominenten Herstellern, die ihren Allradantrieben mit Verteilerkupplung mithilfe von Tricks eine technisch gar nicht mögliche Kraftverteilung von über 50 Prozent Richtung Vorderachse andichten. Im tief verschneiten Alpenland und auf zugefrorenen Straßen lohnt sich dennoch die Entscheidung für den "Winter-Modus" in der Jaguar Drive Control. Das Verteilergetriebe wählt dann eine Kraftverteilung von 30 zu 70 Prozent als Normalstellung und verleiht dem Auto eine noch etwas bessere Trittsicherheit.