Urabstimmung bei Amazon in Bad Hersfeld beginnt
Mit einer Urabstimmung will sich die Gewerkschaft Verdi der Streikbereitschaft ihrer Mitarbeiter am größten hiesigen Amazon-Standort versichern. Ziel des Arbeitskampfes ist ein Tarifvertrag. In Leipzig war eine Urabstimmung bei Amazon bereits erfolgreich.
Am größten deutschen Standort des Internet-Versandhändlers Amazon in Bad Hersfeld stehen die Zeichen auf Streik. Die Gewerkschaft Verdi ruft die 3300 Mitarbeiter ab 22. April zur Urabstimmung auf. "Wir wollen uns bei unseren Mitgliedern rückversichern, ob die Streikbereitschaft vorhanden ist", teilte Bernhard Schiederig, der Landesfachbereichsleiter Handel und Tarifverantwortlicher der Gewerkschaft, am heutigen Sonntag mit. "Es ist nicht akzeptabel, dass Amazon als der größte Online-Versandhändler keiner Tarifbindung unterliegt." Die Geschäftsführung von Amazon habe den Tarifvertrag in einem Gespräch mit der Verdi-Tarifkommission zuletzt erneut abgelehnt, sagte Schiederig. Nun stünden die Zeichen auf Arbeitskampf.
Mit einem Ergebnis der Abstimmung rechnet Verdi in der ersten Mai-Woche. FĂĽr einen Streik hatten zuvor bereits die Gewerkschaftsmitglieder am Amazon-Standort Leipzig gestimmt, wo 1200 Mitarbeiter fest und 800 befristet angestellt sind.
Verdi fordert für die Amazon-Beschäftigten tarifliche Arbeitsbedingungen auf dem Niveau der Einzel- und Versandhandelsbranche. "Mit Tarif wäre der monatliche Verdienst für die größte Beschäftigungsgruppe der Kommissionierer und Packer 120 Euro höher", rechnet die Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke vor. Amazon orientiert sich an der Bezahlung der Logistikbranche. Bei der Auseinandersetzung geht es nicht nur um den Stundenlohn, sondern auch um Weihnachts- und Urlaubsgeld sowie Zuschläge für Sonntags- und Nachtarbeit.
Amazon erzielte in Leipzig im Jahr 2011 einen Umsatz von 66 Millionen Euro und einen Gewinn von 2,9 Millionen. In Hersfeld waren es im selben Zeitraum 149 Millionen Euro Umsatz und ein Gewinn von 8,6 Millionen, den diese Niederlassung komplett an die Münchener Amazon.de GmbH abführte. Für seine Niederlassungen in Leipzig und Bad Hersfeld erhielt der Internethändler bisher Bundes- und Landeszuschüsse in Höhe von 14 Millionen Euro.
Mit Material von dpa/ (ck)