Regulierung der Preise für SMS-Roaming kommt
Die EU-Kommission will im Frühherbst erste Gesetzentwürfe zur Regulierung der Preise beim SMS-Roaming vorlegen. Aufforderungen an die Branche zur freiwilligen Preissenkung seien erfolglos geblieben. Auch eine Regulierung beim Daten-Roaming wird geprüft.
Die EU-Kommission will im Frühherbst dieses Jahres erste Gesetzentwürfe zur Regulierung der Preise beim SMS-Roaming vorlegen. Aufforderungen an die Branche zur freiwilligen Senkung der Preise für das Versenden von Auslands-SMS seien erfolglos geblieben, erklärte die Kommission am heutigen Dienstag in Brüssel. Deswegen würden jetzt Maßnahmen ergriffen, um sicherzustellen, dass die Verbraucher von einem "echten europäischen Binnenmarkt für Textnachrichten" profitieren können. Auch den "Preisschocks", die Roaming-Kunden beim Erhalt ihrer Handy-Rechnung erleben können, wenn sie im Ausland über eine mobile Verbindung im Internet gesurft sind, will die Kommission "ein Ende setzen".
Den Angaben zufolge lagen die Preise für das Versenden einer SMS im EU-Ausland im Zeitraum Oktober 2007 bis März 2008 bei durchschnittlich 0,29 Euro (ohne Umsatzsteuer). Je nach Mobilfunkprovider und Land könnten Roaming-SMS für den Kunden aber auch mehr als zehn Mal so teuer wie inländische Textnachrichten kommen. Trotz der Aufforderung von EU-Medien-Kommissarin Viviane Reding im Februar, freiwillig die Preise zu senken, habe sich in der Branche kaum etwas getan, hieß es in Brüssel.
Wohin die Reise führen dürfte, verdeutlicht Dániel Pataki, seines Zeichens Vorsitzender des Zusammenschlusses der europäischen Telecom-Regulierer (ERG): "Nach Ansicht der ERG wäre eine Obergrenze zwischen 0,11 und 0,15 Euro pro SMS angemessen." Die jetzigen Roaming-Preise für Textnachrichten seien "zu hoch" und eine Regulierung "dringend erforderlich", fasst Pataki zusammen. Auch in Bezug auf das Daten-Roaming müsse die Notwendigkeit einer zusätzlichen Regulierung weiter geprüft werden.
Reding sagte, sie habe die Unterstützung der französischen EU-Ratspräsidentschaft, die Beratungen mit den Mitgliedsstaaten im Herbst zügig zu beginnen. Auch das Parlament muss in die Entscheidung eingebunden werden. Die EU-Kommissarin hofft auf eine abschließende Entscheidung bis zum Ende dieses Jahres. Das Versenden von SMS und das Surfen im Internet mit Handy oder Daten-Karte im europäischen Ausland könnten dann bereits im Sommer 2009 deutlich günstiger werden.
Die Kommissarin hatte im vergangenen Jahr bereits eine Deckelung der Roaming-Tarife für Sprachtelefonie durchgesetzt. Auch hier führten Aufforderungen zur Selbstregulierung der Branche zu keinem Erfolg. Per Verordnung wurden die Gebühren für Roaming-Gespräche deshalb auf maximal 58 Cent für abgehende und 28 Cent für eingehende Gespräche gesenkt. Ende August tritt die zweite Stufe der Roaming-Verordnung in Kraft, welche die Preise noch einmal senkt. Nach Berechnungen der Analysten von Informa Telecoms & Media haben sich die Gespräche außerhalb Europas seit dem Inkrafttreten der Verordnung allerdings verteuert. (pmz)