Das Roboterauto-Problem

Während auf amerikanischen Straßen immer häufiger Fahrzeuge mit automatisierten Assistenzsystemen unterwegs sind, kommt die zuständige Verkehrssicherheitsbehörde mit der Regulierung nicht hinterher.

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Von
  • David Talbot

Während auf amerikanischen Straßen immer häufiger Fahrzeuge mit automatisierten Assistenzsystemen unterwegs sind, kommt die zuständige Verkehrssicherheitsbehörde mit der Regulierung nicht hinterher.

Die zum US-Verkehrsministerium gehörende National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) hat Ende Mai erstmals eine offizielle Behördeneinschätzung zu Sicherheitsaspekten der zunehmenden Automatisierung in Fahrzeugen abgegeben. Die vorläufige Richtlinie der Verkehrssicherheitsbehörde zeigt, dass der technische Fortschritt die Regulierung einmal mehr zu überholen droht.

Das 14 Seiten lange Dokument ist noch vorläufig und für die Industrie nicht bindend. Immerhin: Darin wird der Start eines vier Jahre andauernden Forschungsprojekts angekündigt, das herausfinden soll, wie Menschen mit den neuen Funktionen arbeiten und wie verlässlich diese sind. Hinzu kommt die Frage, wie es mit der Datensicherheit ausschaut – sind die Systeme womöglich hackbar?

Zwar sind echte selbstfahrende Fahrzeuge derzeit nur in Form von Prototypen auf den Straßen. Halbautonome Funktionen landen aber immer häufiger in aktuellen Autos – auch in Europa. Dazu gehört die radargestützte Geschwindigkeitsregelanlage, die ohne Eingriff des Fahrers eine bestimmte Distanz zum Vordermann einhält, ebenso wie Spurhalteassistenten. Und auch automatische Bremssysteme, die mittlerweile selbst in Kleinwagen mitfahren, gehören dazu.

Der schnelle Fortschritt hat mit den ständig fallenden Kosten für Sensorik und Chips zu tun, ebenso mit neuer Software, die die Sensorinformationen verarbeitet. Autohersteller und Zulieferer produzierten "neue Komponenten, neue Funktionen und neue Anwendungen mit Kameras, Radarsystemen und mittlerweile sogar Lidar, (Light detection and ranging, laserkontrollierte Abstandsregelung, d.Red.) – und das viel schneller als das traditionelle regulatorische Prozedere erlaubt", meint Richard Wallace vom Center for Automotive Research in Ann Arbor, Michigan.

Daneben werden längst vollautomatisierte Fahrzeuge getestet. Google hat mehrere mit Sensoren vollgestopfte Roboterautos auf amerikanischen Straßen, die aus Prius- und Lexus-Modellen aufgebaut wurden. Über 800.000 Kilometer wurden mit diesen Fahrzeugen bereits abgerissen, wobei stets ein menschlicher Fahrer vor dem Lenkrad saß, um notfalls einzugreifen.

Drei US-Bundesstaaten und der District of Columbia haben mittlerweile Gesetze beschlossen, die Forschern erlauben, solche Prototypen auf regulären Straßen zu testen. Washington kämpft noch damit, wie diese neuen Fahrzeuge reguliert werden sollen. John Capp, Direktor für den Bereich aktive Sicherheitssysteme bei General Motors, meint, dass die zuständigen Behörden momentan noch dabei seien, "diese Dinge zu verstehen". Zudem sei ihnen ihre eigene Rolle noch nicht klar.

Bei der NHTSA ist man sich immerhin bereits sicher, dass Roboterfahrzeuge derzeit noch nicht für die Allgemeinheit geeignet sind. Dass nun aber erst ein mehrjähriges Untersuchungsvorhaben gestartet wird, gilt Beobachtern als Zeichen dafür, wie langsam die Mühlen der Bürokratie malen. Denn: Viele der nun zu untersuchenden Systeme sind schon seit mehreren Jahren auf dem Markt – vom Spurhalteassistenten bis zum "City Safe"-Bremssystem. (bsc)