US-Musikindustrie verzichtet auf Data Mining von MediaSentry
Die US-Musikindustrie beansprucht nicht mehr die Dienste des Unternehmens, das Beweismittel für die Klagen gegen Einzelpersonen gesammelt hat.
Die Recording Industry Association of America (RIAA) nimmt nicht mehr die Dienste von MediaSentry in Anspruch. Das Unternehmen hatte für die RIAA Beweismaterial für Prozesse gegen US-Filesharer gesammelt. Dafür lud es Copyright-geschützte Songs aus freigegebenen Ordnern in Tauschbörsen herunter und ermittelte die IP-Adresse des Beschuldigten. Das Wall Street Journal berichtet, diese Dienste werde die RIAA im Zuge der kürzlich eingeleiteten Abkehr von der Strategie der Klagekampagne gegen Einzelpersonen nicht mehr benötigen.
Die RIAA habe bereits vor einigen Monaten entschieden, MediaSentry nicht weiter zu beauftragen, heißt es in dem Bericht. MediaSentry selbst habe sich mittlerweile auf andere Geschäftsbereiche verlegt, beispielsweise die Ermittlung der Beliebtheit von Unterhaltungs-Websites. Die RIAA will auf ihrem neuen Weg, bei der Abschreckung mit den Internet-Providern zusammenzuarbeiten, stärker auf Produkte der dänischen Firma DtecNet Software bauen. Darüber, ob ein anderer, ähnlich wie MediaSentry arbeitender Dienstleister namens BayTSP weiterhin für die Musikindustrie ermittelt, besteht momentan noch Unklarheit.
Die von MediaSentry gesammelten Daten waren die wichtigsten Beweismittel der US-Musikindustrie in ihren Klagen gegen Tauschbörsenteilnehmer. Allerdings brachten Verteidiger 2007 gegen das Unternehmen Zweifel an der Legalität der Ermittlungen vor, da in einigen US-Bundesstaaten eine Privatermittlerlizenz nötig sei. Das Arbeitsministerium von Michigan hatte bestätigt, dass MediaSentry keine Lizenz für den Bundesstaat besitze. Auch in den Bundesstaaten Massachusetts, New York und Oregon beschäftigen sich Juristen mit der Frage, ob MediaSentry eine Ermittlerlizenz benötigt.
Weitere Kritik richtete sich gegen die Praxis, Dateien von den Festplatten von Privatpersonen ohne deren Zustimmung einzuholen. 2007 reichte Tanya Anderson, die von der Musikindustrie fälschlich des illegalen Tauschs von Musikstücken beschuldigt worden war, Klage auch gegen MediaSentry ein. Der Vorwurf lautet, das Unternehmen habe wissentlich illegale, nachlässige und fehlerhafte Untersuchungen gegen sie selbst und tausende andere Amerikaner durchgeführt. Der New Yorker Rechtsanwalt Ray Beckerman wies in der Vergangenheit darauf hin, MediaSentry habe lediglich nachweisen können, dass die Beschuldigten dem Unternehmen Song-Dateien bereitgestellt hatten, nicht aber Dritten.
Siehe dazu auch:
- US-Filmbranche für Netzfilter und Zugangssperren
- US-Musikindustrie experimentiert mit P2P-Flatrate für Studenten
- US-Bürgerrechtler erklären Kampagne gegen unautorisiertes Filesharing für gescheitert
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(anw)