Wissenschaftsministerium stoppt MeeresdĂĽngung

Das Bundesforschungsministerium hat ein Experiment von deutschen und indischen Forschern zum CO2-Abbau mit Hilfe von MeeresdĂĽngung vorerst gestoppt.

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Das Forschungsschiff Polarstern...

(Bild: AWI)

Das Bundesforschungsministerium hat ein Experiment von deutschen und indischen Forschern zum CO2-Abbau mit Hilfe von Meeresdüngung vorerst gestoppt. Das berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature online. Demnach müssen die Forscher zunächst nachweisen, dass ihr Experiment keine negativen Folgen für die Umwelt hat. Laut Nature will das federführende Alfred-Wegener-Institut jetzt eine unabhängige Expertengruppe organisieren, die den Nachweis noch innerhalb der nächsten zehn Tage erbringen soll.

Vergangene Woche war das Forschungsschiff "Polarstern", das vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) betrieben wird, mit einem internationalen Wissenschaftlerteam in antarktische Gewässer aufgebrochen, um den Effekt der Meeresdüngung in einem großangelegten Experiment namens LOHAFEX zu testen. Auf einer Fläche von 300 Quadratkilometern sollen dabei 20 Tonnen Eisensulfat ausgebracht werden. Laut Nature News war das Umweltministerium vorab von dem Projekt informiert worden und hatte keine Einwände erhoben. Die Vertragsstaaten der Biodiversitätskonvention hatten sich allerdings im Sommer 2008 in Bonn darauf geeinigt, solche Experimente vorerst auszusetzen. Nach Protesten von Umweltschützern hatte das Umweltministerium daher vom Forschungsministerium verlangt, das Experiment zu stoppen.

In Gewässern, die zwar prinzipiell reich an Makro-Nährstoffen sind, denen aber Mikro-Nährstoffe wie Eisen fehlen, führt eine Meeresdüngung zu einer intensiven Algenblüte. Sterben die Algen ab und sinken auf den Meeresgrund, würde so ein Teil des aufgenommenen CO2 für längere Zeit aus dem Kohlenstoff-Kreislauf entfernt. Frühe Modellrechnungen haben ergeben, dass mit Eisendüngung 50 bis 100 ppm CO2 aus der Atmosphäre zu holen wären – neue Simulationen, die mehr biochemische Prozesse berücksichtigen, haben aber eher einen Effekt in einer Größenordnung von 10 ppm ergeben.

...befindet sich derzeit fast auf halber Strecke zwischen dem Kap der Guten Hoffnung und Kap Hoorn.

(Bild: AWI)

In den vergangenen Jahren sind unter dem Stichwort "Geo-Engineering" zahlreiche, teilweise recht phantastisch klingende Pläne zur großtechnischen Bekämpfung des Klimawandels vorgeschlagen worden: Da soll die Erde durch gigantische Sonnensegel im All beschattet werden, die Ozeane gedüngt, Wolken künstlich aufgehellt oder Tonnen von Schwefel in die obere Atmosphäre geblasen werden.

John Shepherd, der eine Kommission der Royal Society zur Beurteilung von Geo-Engineering leitet, berichtet in einer Sonderausgabe der Fachzeitschrift Philosophical Transactions, dass seit 1993 bislang zwölf wissenschaftlich dokumentierte Experimente mit Eisendüngung durchgeführt worden sind. Alle Experimente hätten einen signifikanten Effekt auf das Wachstum des Phytoplanktons gezeigt. Der Netto-Export von Kohlenstoff in tiefere Meeresschichten durch abgestorbenes Plankton sei jedoch "in keinem dieser Experimente gemessen worden", schreibt Shepherd. Über die Kosten und den Energieaufwand dieser Methode gäbe es zudem "keine seriösen Untersuchungen". Ebensowenig zu den möglichen Nebenwirkungen: Kritiker dieser Methode befürchten, es könne zur Ausbildung extrem sauerstoffarmer Zonen am Meeresgrund kommen, genauso wie zu einer explosionsartigen Vermehrung giftiger Algen. (wst)