DVD-Werk Dassow: Reanimationshilfe aus Spanien?

Für das insolvente CD- und DVD-Werk in Dassow gibt es einen neuen Kaufinteressenten. Die spanische Iberdisc will nach der Übernahme des ebenfalls insolventen polnischen DVD-Werks der ODS-Gruppe auch in Mecklenburg-Vorpommern investieren.

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Von
  • Peter-Michael Ziegler

Für das insolvente CD- und DVD-Werk in Dassow gibt es einen neuen Kaufinteressenten. Der Geschäftsführer des in Malaga ansässigen Unternehmens Iberdisc Optical Storage Solutions, Christian Spychala, bestätigte gegenüber heise online, dass man vor zwei Tagen schriftlich Kontakt zu Insolvenzverwalter Marc Odebrecht aufgenommen habe. "Wir haben Herrn Odebrecht mitgeteilt, dass wir grundsätzlich an einer Übernahme interessiert sind", sagt Spychala. In persönlichen Gesprächen müsse nun unter anderem geklärt werden, welcher Teil der Fertigungslinien schon verkauft oder an Leasingfirmen zurückgeben worden sei.

Iberdisc hatte zuvor bereits das ebenfalls zahlungsunfähige polnische DVD-Werk der ODS-Gruppe in Goleniow übernommen. Auch in Goleniow, wo 850 Arbeitnehmer ihren Arbeitsplatz verloren, sei im Zuge der Insolvenz ein Teil der Produktionslinien veräußert worden. "Aber wir haben investiert und zunächst mit 40 Mitarbeitern angefangen, inzwischen sind es wieder über einhundert", erzählt Spychala. Die optimale Belegschaftsgröße sieht der Manager bei rund 300 Mitarbeitern, die nach und nach eingestellt werden sollen. "Unrealistische Versprechen, wonach in Dassow womöglich wieder 800 oder 900 Leute beschäftigt sein werden, gibt es von uns nicht", verdeutlicht Spychala, der Wurzeln in Deutschland und Polen hat.

Der Grund, warum Iberdisc sich erst jetzt bei Insolvenzverwalter Odebrecht gemeldet habe, sei die Größe des Werks gewesen. Odebrecht hatte den Auftrag erhalten, das jahrelang mit Millionensubventionen bezuschusste DVD-Werk mit zuletzt 1100 Mitarbeitern nach Möglichkeit im laufenden Betrieb zu verkaufen. Inzwischen ist die Belegschaft nach einem Ausproduktionsbeschluss des Gläubigerausschusses, in dem auch das Land Mecklenburg-Vorpommern vertreten ist, aber fast komplett in eine Transfergesellschaft gewechselt. Die Laufzeit der vom Land mit 3,11 Millionen Euro finanzierten Transfergesellschaft begann Anfang März und ist auf vier Monate angelegt.

Chancen, dass sich das Dassower Werk mit einer realistischen Größe künftig aus eigener Kraft am Markt halten kann, sieht Spychala allemal. Nach dem Aus von ODS und einem niederländischen Unternehmen fehlten derzeit Kapazitäten, die Nachfrage sei groß. In Dassow will Iberdisc unter anderem in Blu-ray investieren. "Wir wissen aus mehreren Quellen, dass eine Glasmastering-Station dort bereits vorhanden ist" sagt Spychala. "Die benötigten Blu-ray-Produktionslinien würden wir aufbauen." Nach der Ankündigung Toshibas, die HD DVD im Kampf um das künftige Format bei High-Definition-Videos aus dem Rennen zu nehmen, ist der Blu-ray-Disc die Rolle als DVD-Nachfolgerin Nummer 1 derzeit kaum streitig zu machen.

Um eine Übernahme des DVD-Werks in Dassow bemüht sich derzeit auch das dänische Unternehmen Dicentia, das mit der britischen Spin-Group kooperiert, hinter der frühere ODS-Manager stehen sollen. Die börsennotierte Dicentia A/S arbeitet seit Jahren defizitär. Nach einem Minus von umgerechnet 6,4 Millionen Euro im Jahr 2006 verdoppelte sich der Nettoverlust im vergangenen Jahr auf 12,4 Millionen Euro. Ende Februar hatte das Unternehmen mit Hauptsitz in Kopenhagen und deutscher Niederlassung in München bekannt gegeben, dass man künftig Fertigung und Inrechnungstellung von Produkten für skandinavische Kunden der ODS Business Services A/S übernehmen werde. Zur gleichen Zeit wurden in Dassow keine neuen Aufträge mehr angenommen. (pmz)