Streit um frei werdende TV-Frequenzen in den USA
Google und andere Technologiefirmen fordern eine neue, lizenzfreie Hochgeschwindigkeits-WLAN-Infrastruktur, während sich Medienkonzerne und Mobilfunkunternehmen sperren.
Nächstes Jahr ist es so weit: Dann soll in den Vereinigten Staaten der Übergang zum volldigitalen Fernsehen vollzogen sein. Dabei werden diverse terrestrische Frequenzen frei, die bislang für die analoge TV-Verbreitung verwendet wurden. Der Internet-Konzern Google hat deshalb nun einen Plan vorgestellt, wie man dieses Spektrum verwenden könnte, um eine deutlich erweiterte US-Breitbandinfrastruktur herzustellen, berichtet das Technologiemagazin Technology Review in seiner Online-Ausgabe. Schon seit Jahren diskutieren Politiker, Technologiefirmen und Sender darüber, wie dieses Band künftig verwendet werden könnte. Der frei werdende Raum zwischen den aktiven TV-Kanälen ist für High-Speed-Internet-Anbieter dabei besonders interessant, weil diese Frequenzen Mauern und andere Hindernisse leichter durchdringen können, als dies bei bestehenden Handy- und WLAN-Signalen der Fall ist.
Googles Vorschlag wurde den zuständigen US-Telekommunikationsaufsehern Ende März vorgelegt. Das Konzept hört auf den simplen Namen "Wi-Fi 2.0": Ein nur wenig regulierter Frequenzbereich für Breitbanddienste, die mit Datenraten bis hoch in das Gigabit-Segment funken sollen. Der Vorschlag, dass Google selbst zum Betreiber werden sollte, fehlt in dem Papier zwar, doch es macht deutlich, dass der Internet-Konzern hier durchaus ein Geschäftspotenzial sieht. Man werde "anderen Firmen die notwendige Unterstützung" erteilen, um aus den ehemaligen TV-Frequenzen eine neue, drahtlose Breitband-Datenautobahn zu machen – und zwar kostenlos, heißt es in dem Konzept. Die Orientierung am bisherigen WLAN-Ansatz würde garantieren, dass jeder Hersteller das neue Spektrum lizenzfrei nutzen könnte.
Bei den Medienkonzernen sieht man dies allerdings kritisch. Die fürchten, dass ein unlizenziertes Gerät, das Daten auf einer nicht mehr verwendeten TV-Frequenz – etwa dem US-Kanal 29 – versendet, mit den Programmsignalen kollidieren könnte, die dann auf Kanal 28 oder 30 weiterhin funken. Auch gibt es die Furcht, dass solche Mobilgeräte, die auf einer Reihe von Frequenzen senden können, "aus Versehen" einen Kanal wählen, der noch von örtlichen TV-Sendern belegt wird. Zusehern drohe dann ein Bildausfall. Die Technologiefirmen weisen diese Ängste zurück – sie glauben, diese Probleme kontrollieren zu können. Sie schlagen deshalb eine Technik namens "Spectrum Sensing" vor, bei der mobile Geräte sowohl als Sender als auch als Empfänger die Kanäle vor der Verwendung auf Signale überprüfen, um sicherzustellen, dass sie tatsächlich leer sind. Werden TV-Signale oder andere autorisierte Nutzer entdeckt, würden diese Kanäle eben nicht mehr genutzt.
Noch ist unklar, wie sich die Regulierungsbehörde FCC entscheidet. Neben Googles Vorschlag, der unter anderem von Motorola, Microsoft und anderen Technologiefirmen unterstützt wird, existiert noch das Konzept der Mobilfunkunternehmen. Diese wollen die frei werdenden TV-Frequenzen wie traditionelle Handy-Netze lizenziert sehen. Bei den Medienkonzernen sieht man diesen Ansatz positiv. Dabei sei zumindest sichergestellt, dass man bei Störungen sofort den Verursacher auffinden könne, hieß es.
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Siehe dazu auch:
- Microsoft scheitert erneut bei Internet über TV-Frequenzen
- Google will in den weißen Raum
- US-Regulierer legt Termin für Frequenzauktion fest
- Prototypen für Internet über TV-Frequenzen fallen bei US-Regulierungsbehörde durch