Mehr Reichweite für Elektroroller
Der Brennstoffzellen-Spezialist SFC hat in Zusammenarbeit mit dem Elektroroller-Hersteller GUF einen E-Scooter mit einer Reichweite von über 300 Kilometern entwickelt. Das berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe.
- Gregor Honsel
- Dr. Wolfgang Stieler
Der Brennstoffzellen-Spezialist SFC hat in Zusammenarbeit mit dem Elektroroller-Hersteller GUF einen E-Scooter mit einer Reichweite von über 300 Kilometern entwickelt. Das berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe 02/09 (seit dem 22. Januar am Kiosk oder hier portokostenfrei online zu bestellen).
Der Elektroroller Geco42Fun sieht äußerlich aus wie jeder andere seiner Art. Seine Besonderheit offenbart sich erst, wenn man das Köfferchen auf dem Gepäckträger öffnet. Dort findet sich eine Brennstoffzelle, die den Zwei-Kilowatt-Motor mit Strom versorgt und den Stadtflitzer bis auf 45 km/h beschleunigt. Ihr Treibstoff findet Platz im Helmfach unter der Sitzbank: ein Fünf-Liter-Kanister für Methanol (CH3OH). Brennstoffzellen, die diesen Alkohol verdauen, haben zwar einen niedrigeren Wirkungsgrad als ihre weiter verbreiteten Wasserstoff-Kollegen. Aber dafür braucht Methanol nicht, wie Wasserstoff, komprimiert in Stahlflaschen untergebracht zu werden. Insgesamt hat Methanol nach Angaben des Herstellers eine vier- bis zehnmal so hohe Energiedichte wie Wasserstoff.
Die Brennstoffzelle stammt von der SFC Smart Fuel Cell AG, der Roller selbst beruht auf einem Serienmodell des Herstellers GUF. Wie dieses bezieht auch die Brennstoffzellen-Version ihren eigentlichen Fahrstrom aus einem Bleiakku mit einer Kapazität von 1,6 Kilowattstunden. Die Brennstoffzelle dient lediglich dazu, den Akku aufzuladen. "Wir brauchen dadurch die Brennstoffzelle nicht auf die Spitzenleistung, sondern nur auf die mittlere Leistung auszulegen und können sie dadurch kleiner und preiswerter machen", sagt Kai Steckmann, Bereichsleiter Mobilität bei SFC. Außerdem lässt sich der Akku auch über die Steckdose laden. Allein mit Batterie soll der Geco eine Reichweite von rund 55 Kilometern haben, mit Brennstoffzelle weitere 280 Kilometer.
Die Methanol-Kanister mit Spezialventil sind nicht an Tankstellen zu bekommen, sondern werden von SFC vornehmlich über Camping-Läden vertrieben. 700 Verkaufsstellen gibt es in Europa, knapp 200 davon in Deutschland. Derzeit wird Methanol vor allem aus Erdgas hergestellt. Prinzipiell wäre es aber möglich, den Alkohol aus nachwachsenden Rohstoffen oder sogar aus Hausmüll herzustellen, sagt Steckmann. Über die Energiebilanz gibt es noch keine genauen Zahlen, die Methanol-Brennstoffzelle sei aber "definitiv effizienter als Benzin", so Steckmann. Das gilt auch für die Betriebskosten des 5500 Euro teuren Geräts – zumindest, wenn man mit Strom aus der Steckdose fährt. Dann werden etwa 50 Cent pro hundert Kilometer fällig. Beim reinen Methanol-Betrieb fallen allerdings rund fünf Euro für hundert Kilometer an. (Gregor Honsel) / (wst)