Erster CO2-Speicher Europas geht in Betrieb
In Nordspanien wird erstmals Kohlendioxid unterirdisch eingelagert. Ob das Projekt dem Klima wirklich helfen wird, ist umstritten.
2014 wird das erste unterirdische CO2-Lager Europas den Betrieb aufnehmen, berichtet das Magazin Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe 12/2013 (am Kiosk oder hier zu bestellen). Im nordspanischen HontomĂn, unweit der Provinzhauptstadt Burgos, werden dieser Tage zwei Bohrungen eine Tiefe von 1600 Metern erreichen. Das ist doppelt so tief wie gesetzlich vorgeschrieben. Durch die eine Bohrung soll Treibhausgas in das poröse Kalkgestein gepumpt werden. Die andere Bohrung dient Messungen, um die Lagerstätte zu beobachten.
Das 30-Millionen-Euro-Projekt baut die Stiftung „Stadt der Energie“ (Ciuden). Die Initiatoren kommen aus dem Umfeld des spanischen Energieerzeugers Endesa. 20 Prozent finanziert der spanische Staat, 80 Prozent die EU Projektfond OXYCFB300. Noch handelt es sich um ein Forschungsprojekt. Insgesamt fasst das Lager 100.000 Tonnen CO2, im ersten Jahr sollen 20.000 Tonnen verpresst werden. Für den kommerziellen Gebrauch müsste es viel größer sein, denn schon ein einziges Kohlekraftwerk produziert im Schnitt fünf Millionen Tonnen im Jahr.
Die Internationale Energieagentur glaubt, dass CO2-Einlagerung bis 2050 rund 20 Prozent zur globalen Emissionsreduktion beitragen kann. Allerdings kostet die Einlagerung einer Tonne CO2 mit rund 90 Euro noch deutlich mehr als die entsprechenden Emissionsrechte, die derzeit bei etwa 4,50 Euro liegen. Dazu kommt noch der hohe Energieverbrauch fĂĽr die Abtrennung des CO2 aus dem Abgas, der bis zu 40 Prozent des Ertrags eines Kohlekraftwerks kosten kann.
Weltweit wurden in den vergangenen Jahren zehn von 75 Projekten gestoppt, darunter auch im brandenburgischen Jänschwalde sowie in Kanada, Großbritannien und Norwegen. Selbst in den USA, dem Vorreiter der CO2-Lagerung, hat die Technologie kaum noch Chancen. Das erste amerikanische Kraftwerk mit angeschlossenem Endlager in West Virginia war nicht rentabel und wurde 2011 geschlossen. (grh)