Vierradantrieb auf Dreizack

Mit dem Ghibli, den es seit Mitte 2013 gibt, will Maserati wieder durchstarten und den Kokurrenten BMW 5er und Mercedes E-Klasse Kunden abjagen. Dafür kommt der Ghibli als erster Maserati auch mit einem Allradantrieb

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Von
  • Henry Dinger
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Cervinia (Italien), 4. Februar 2014 – Wenn zwei Tonnen Auto geradeaus weiter wollen, dann ist Feuer am Dach. Ich drehe eigentlich nur noch beschönigend am Lenkrad, gebe wie zur Entschuldigung Gas, wissend, dass ich jetzt eigentlich nur noch warten kann. Zum Glück nicht auf den Einschlag, denn wir haben genügend Auslauf vor uns. Das Fahrverhalten ist kein Wunder, die Location mit Bedacht gewählt: Das Profil der Reifen drückt durch eine dünne Schneeschicht auf pures Eis.

"Du musst warten, bis die Vorderräder Grip haben, erst dann gibst du Gas", meldet sich Luca vom Beifahrersitz, "Spürst du das?" Nach der dritten Runde auf dem Ice Track in den Alpen spüre ich, was er meint. Luca Rossetti ist Rallye-Profi und Instruktor bei Maserati. Er weiß, wovon er redet. Auf der ersten Runde saß er am Steuer, da sah das Ganze spielerisch aus. Da hat er mir auch erklärt, dass wir auf so einer Eisstrecke eigentlich Spikes haben müssten, wir den Kurs heute aber mit normalen Winterreifen umrunden.

Vierradantrieb auf Dreizack (21 Bilder)

Der Ghibli kann als erster Maserati mit Allradantrieb sowie auch mit Dieselmotor bestellt werden. Die Kombination aus beidem ist aber nicht vorgesehen.

Ich brauche vier Runden, bis ich den Ghibli in den Kurven im Griff habe. Mutig lasse ich die schwere Limousine bergab beschleunigen. Ich weiß, dass die 180-Grad-Kehre unten kein Problem sein wird. Gas wegnehmen, sanft einlenken und spüren, wenn die Vorderräder wieder greifen. Dann Gas geben und genießen, wie das große Auto meinem Geheiß am Steuer folgt und leicht übersteuernd durch die Biegung kommt. Ein geniales Gefühl! "Ja", sagt Luca strahlend, "das ist ein Maserati!"

Das Display hinter dem Lenkrad zeigt, wie sich das Drehmoment zwischen den Achsen verteilt. Auf einer griffigen, trockenen Straße treibt die Motorkraft nur die Hinterräder an. Sobald an der Hinterachse der Grip wegbleibt, schickt eine Lamellenkupplung bis zu 50 Prozent der Kraft nach vorn. Das passiert innerhalb von 150 Millisekunden. Nachdem ich den Fuß von der Bremse nehme und aufs Fahrpedal stelle, erscheint auf der Anzeige eine 50:50-Verteilung. Ein Hecktriebler hätte jetzt aufheulend vollkommen unwürdig mit der Hinterachse versetzt, der Ghibli aber setzt sich mit dumpfem Fauchen in Bewegung, als würde er von einem Seil gezogen.