Vorfahrt fĂĽr Minimobile
Toyota beginnt in Tokio einen mehrmonatigen Test seines zweisitzigen Dreiradstromers i-Road. Vielleicht liegt ja in diesen kleinen Flitzern die Zukunft des Elektromobils.
- Martin Kölling
Toyota beginnt in Tokio einen mehrmonatigen Test seines zweisitzigen Dreiradstromers i-Road. Vielleicht liegt ja in diesen kleinen Flitzern die Zukunft des Elektromobils.
Elektroautos sind zwar gute Spurter, aber am Markt damit noch lange keine Renner – zumindest in den meisten Ländern. Es gibt zwar Achtungserfolge, doch hinken die Verkäufe den optimistischen Hoffnungen von Pionieren wie Nissan und Mitsubishi Motors hinterher. Und damit stellt sich die Frage, ob der Einstieg in das vermeintlich neue Zeitalter über die Mittelklasse richtig war. Denn dort stehen die in ihrer Reichweite noch arg beschränkten Elektroautos einer Phalanx von preiswerteren, ausgereiften und relativ benzinsparenden Modellen mit Verbrennungsmotoren und vor allem einem Heer von preisbewussten Kunden gegenüber.
Andere Hersteller sehen zwei bessere Wege, die Verbreitung von Stromern profitabel zu fördern: Den Einstieg von oben im Sportwagensegment oder von unten mit preiswerten Miniflitzern für den Nahverkehr. Für den ersten Weg stehen das US-Unternehmen Tesla und der japanische E-Auto-Pionier Hiroshi Shimizu mit seiner Firma Sim-Drive. Denn im Sportwagensegment, in dem Fahrspaß und Status bei der Kaufentscheidung im Zweifel über dem Preis rangieren, kann man wegen der ohnehin höheren Preise größere Batterien und damit Reichweite einbauen.
Gleichzeitig kann der Elektroantrieb in dem Segment seine Stärke ausspielen – die Beschleunigung. Sein rasanter Vortrieb drückt den Fahrer aus dem Stand heftig in die Sitze und zaubert ihm so schon durch die Fliehkräfte ein Lächeln auf die Lippen. Lifting per Elektroauto sozusagen.
Andere japanische Hersteller gehen den Markt hingegen von unten an. Und ganz vorne mit dabei ist dieses Mal Toyota, ein Autobauer, der im Massenmarkt vorerst lieber auf die Hybridtechnik als reine Stromer setzt. Diese Woche startete das Unternehmen in Tokio einen Feldversuch seines zweisitzigen, dreirädrigen überdachten Motorrads/Autos "i-Road". Zehn dieser 2,4 Meter langen und 300 Kilogramm schweren Mobile werden bis Juni an 20 Industrieexperten und normale Bewohner ausgeliefert, die sich die Vehikel teilen.
Weitere Versuche laufen. Später im Jahr verschifft Toyotas zudem eine kleine Flotte seiner Kleinststromer nach Frankreich, wo sie an einem Test in Grenoble teilnehmen sollen. Auch Honda und Nissan überlegen, diesen Markt anzugehen. Denn sie wittern ein Potenzial besonders auf dem Land, wo die kleinen, langsamen Vehikel älteren Bewohnern im nur dürftig von Bussen und Bahnen abgedeckten Nahverkehr länger selbstständige Mobilität gewähren könnten.
Doch die Verbreitung wird in Japan noch durch staatliche Regeln gebremst. Denn bisher gibt es diese Kategorie der Vehikel gesetzlich gar nicht. Sie können in freier Wildbahn nur mit speziellen Genehmigungen von Lokalregierungen betrieben werden. Und die einzuholen, dauert. Aber ich vermute, dass die kleinen Stromer groß herauskommen könnten, wenn der Staat sie erst einmal von der Leine ließe.
In Japans Städten könnten sie die Auslieferungs-Dreiräder bedrängen oder als Fun-Mobil für die immer stärker autoentwöhnte Stadtjugend dienen – auf dem Land für den Weg aus dem Dorf in die Stadt. Ich bin jedenfalls schon gespannt, was die Tester über den Alltagsnutzen der i-Roads zu erzählen haben. (bsc)