Lust an der Gier

Sollte Beschleunigung tatsächlich Sucht erzeugen können, ist in einem McLaren 650S das Suchtpotenzial ungleich größer, wenn man neben der positiven und negativen auch die Querbeschleunigung mitgenießt. Denn er ist ein exzellenter Sportwagen

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McLaren 650S Spider: Die neue Superflunder löst den 12C ab
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München, 29. April 2014 – Kann Beschleunigung Sucht erzeugen? Das kommt mir in den Sinn, als ich auf der Auffahrt das Gaspedal Richtung Bodenblech trete. Unerbittlich brachial zieht die britische Flunder nach vorn. Die Straße erscheint immer enger, die Leitplanken verschmelzen zu einem einzigen grauen Band.

Hinter mir brüllt der V8, nach drei Sekunden wird die Anzeige im Digitaltacho dreistellig, nach knapp über acht Sekunden steht eine Zwei vorn. 26,5 Sekunden nach dem Start flimmert sich die Anzeige auf Tempo 300. Bei knapp 330 km/h wäre theoretisch Schluss, doch für die Autobahn ist der 650S selbstverständlich viel zu schade. Wenn Beschleunigung tatsächlich Sucht erzeugen kann, ist in einem McLaren 650S das Suchtpotenzial ungleich größer, wenn man neben der positiven und negativen auch die Querbeschleunigung mitgenießt.

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Der McLaren 650S Spider löst den 12C nun doch ab.

Seine gekonnte Massenkonzentration lässt den Mittelmotorwagen fast neutral und leicht beherrschbar durch schnelle Kurven zirkeln. Dabei hilft die sogenannte "Brake Steer"-Technologie, bei der in der Kurve das innenliegende Hinterrad angebremst und damit der Vorderwagen Richtung Scheitelpunkt gedreht wird. Das fühlt sich an, als genösse der Wagen Kurven und Kehren mindestens so sehr wie der Fahrer. Die beiden Turbolader verformen die Drehmomentkurve zwar in noch vertretbarem Maß, man spürt aber durchaus, wie sie erst oberhalb 3000 Touren ihre volle Wirkung entfalten.

Der Supersportler mit seiner Dreieckslenker-Aufhängung aller vier Räder bietet bemerkenswert guten Federungskomfort. Die Wirkung der Dämpfer lässt sich mit zwei Drehknöpfen auf der Mittelkonsole in den Stufen "Normal", "Sport" und "Track" auf die Strecke abstimmen, die Gasannahme des Motors und die Schaltzeiten des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes werden dabei in vom Hersteller vorgegebenen Abstufungen in ihrer Reaktionsgeschwindigkeit einbezogen. Zusätzlich bietet der Antrieb noch einen extra-gefühlsechten "Winter"-Modus.